Nahverkehr

Der Kauf neuer U-Bahnen in Essen stößt auch auf Kritik

Essen muss seine gesamte U-Bahn-Flotte in den nächsten Jahren austauschen.

Essen muss seine gesamte U-Bahn-Flotte in den nächsten Jahren austauschen.

Foto: Klaus Micke

Essen.   Der Kauf von 51 neuen U-Bahnen wird in Essen auch mit Skepsis gesehen. U-Bahnen und Trams müssen dann weiter auf verschiedenen Trassen fahren.

Die Pläne der Ruhrbahn, die U-Bahn-Flotte für 168 Millionen Euro auszutauschen, stoßen nicht nur auf Zustimmung. Kritik kommt von den Grünen und vom Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Mitte, Matthias Vollstedt. Er fordert eine politische Debatte. Rolf Fliß von den Grünen bedauert, dass mit der für 2019 vorgesehenen Großbestellung von 51 U-Bahnen für weitere Jahrzehnte die Chance vertan wurde, ein einheitliches Schienennetz für alle Züge, also für Trams und für U-Bahnen, zu schaffen. Das Bürgerbündnis EBB hakt nach, wie die Ruhrbahn das „riesige Finanzpaket“ stemmen will.

Essen verfügt über kein kompatibles Schienennetz. Die Straßenbahnen fahren auf Meterspur, die U-Bahnen auf der breiteren Normalspur (1,435 Meter). Vorschläge, die Normalspur aufzugeben und alle Bahnen auf der Meter-Spur fahren zu lassen, hat es immer wieder gegeben. Matthias Vollstedt erinnert an einen SPD-Parteitagsbeschluss von Mai 2016, wonach geprüft werden solle, das U-Bahn-Netz auf die Meterspur umzubauen. „Ich bin da ergebnisoffen. Aber ich will, dass man dieser Frage nochmal nachgeht.“

Zur Messe Essen geht es weiter mit der U-Bahn

Und zwar, bevor die U-Bahnen für die Normalspur bestellt werden. Vollstedt: „Das Thema muss in die Ratspolitik in Essen und Mülheim reingebracht werden.“ Er vergleicht das U-Bahn-Netz in den beiden Städten mit einer „Insel“, auf der nur drei Linien verkehren können.

Rolf Fliß, Verkehrsexperte der Grünen und Mitglied im Aufsichtsrat, ist ein Verfechter der Ein-Meter-Spur – und wollte auch die Messe-Linie (U11) auf dieses Gleis führen. „Wir konnten uns aber nicht durchsetzen. Und wir müssen uns der Mehrheitsentscheidung fügen.“ Der Aufsichtsrat votierte bereits im Vorjahr für die neuen U-Bahnen, der Rat zurrte mit dem Nahverkehrsplan den Umbau von drei Stationen fest, damit es auch in Zukunft auf der Normalspur zur Messe geht.

Immerhin würden in Essen keine weiteren Pläne für neue U-Bahnstrecken verfolgt und stattdessen Meter-Spur-Trassen wie jetzt die Bahnhofstangente geplant, betont Fliß. Auch die Verlängerung der Tram-Linie 105 nach Oberhausen könnte wieder auf die Tagesordnung kommen.

Essener Bürgerbündnis fragt nach der Finanzierung

Zustimmung zur Anschaffung von 51 U-Bahnen und 26 Niederflur-Trams kommt vom Bürgerbündnis EBB. „Mit zum Teil über vierzig Jahre alten Straßen- und U-Bahn-Fahrzeugen ist die Ruhrbahn nicht mehr auf der Höhe der Zeit und auch nicht mehr in der Lage, die berechtigten Erwartungen und Ansprüche der Fahrgäste an einen attraktiven ÖPNV zu erfüllen“, erklärt der verkehrspolitische Sprecher Hubert Gleixner. Aber: EBB fordert einen detaillierten Finanzplan ein – auch zu der Frage, ob und inwiefern der städtische Haushalt belastet werde. Die politischen Gremien müssten „rechtzeitig in den Entscheidungsprozess eingebunden werden.“

Mehr zum Thema
Leserkommentare (13) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik