Karneval

Die ältesten Narren im Essener Zug kommen mit Rollstühlen

Noch wird am Wagen des Andreasstifts gearbeitet. Am Montag folgen ihm Marlene Dietz, Marianne Bubl (vorn, v.l.), Veronika de Buhr, Manuela Lemberg, Erich Wälken, Beate Bremer und Susanne Scholten (hinten, v.l.).

Noch wird am Wagen des Andreasstifts gearbeitet. Am Montag folgen ihm Marlene Dietz, Marianne Bubl (vorn, v.l.), Veronika de Buhr, Manuela Lemberg, Erich Wälken, Beate Bremer und Susanne Scholten (hinten, v.l.).

Foto: Klaus Micke

Essen-Rüttenscheid.  Mit einem eigenen Wagen und Rollstühlen sind die Bewohner des Rüttenscheider Andreasstifts mitten im Essener Rosenmontagszug dabei.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Rollstühle, Rollatoren – und ein eigener Karnevalswagen: Die Bewohner des Andreas­stifts in Rüttenscheid sind die ältesten Narren, die am Rosenmontag durch die Stadt ziehen. Seit zehn Jahren sind sie ein fester Teil des Essener Zugs.

„Früher standen wir da vorne an der Ecke, haben gewunken und Spaß gehabt“, sagt Veronika de Buhr von der Contilia, die das Stift betreibt. Wenige Meter entfernt biegt der Zug in die Paulinenstraße ein. Aber nur zugucken und winken, das reichte irgendwann nicht mehr. „Wir wollten auch mal richtig dabei sein.“

Politischer Beitrag beim ersten Zug 2008

Die Mitarbeiter des Seniorenheims besorgten einen kleinen Wagen, schmückten ihn und sorgten 2008 gleich für Gesprächsstoff. „Wir sind politisch daran gegangen: ,Bei uns wird abgerockt und aufgelebt, statt abgezockt und totgepflegt’“, zitiert de Buhr das erste Motto. „Das bezog sich auf ein Buch über die Pflege, das damals die Gemüter erregt hat.“ Seitdem sind die alten Narren immer für einen Spruch gut. „Und dann erschuf der liebe Gott – die Oldies aus dem Kohlenpott“, hieß es zum Beispiel im Kulturhauptstadtjahr.

Ungefähr 25 Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige machen sich jedes Jahr am Rosenmontag auf den Weg, ein paar auf dem Wagen, die meisten in Rollstühlen hintendran. „Wenn wir an unserer Ecke hier ankommen, ist es natürlich am schönsten, dann ist richtig Party“, erzählt de Buhr. „Aber auch die anderen Leute an der Strecke finden es toll, dass wir dabei sind. Wenn wir etwa Kamelle werfen, kommt es oft zu schönen kleinen Begegnungen.“

„Die Essener sind ein bisschen verklemmt

Darauf freut sich auch schon wieder Marlene Dietz, die seit drei Jahren im Andreasstift lebt. Auf dem Tisch breitet sie Schwarz-Weiß-Fotos aus. „Die sind von ‘56, das ist unsere Gruppe, die Amazonen. Ich war früher in Koblenz bei jedem Zug dabei, ich bin ja aus dem Rheinland. Da wird mehr gefeiert“, sagt sie. Die Essener sind ein bisschen verklemmt.“

„Dann haben Sie hier aber noch nie richtig Karneval gefeiert“, hält Marianne Bubl dagegen. „Wir haben hier doch die Funken!“ Die Essener könnten locker mit den Rheinländern mithalten, meint die Bewohnerin. Sie müsse es schließlich wissen: „Meine Mutter kommt aus Köln.“

Am Montag können die beiden Seniorinnen gemeinsam für Stimmung auf dem Zug sorgen. Und heute kommen schon Prinzen-und Kinderprinzenpaar ins Andreas­stift. „Da ist immer was los“, sagt Marlene Dietz. Na also, die Essener können’s doch.

>>> Senioren sind im Zug vorn dabei

Der Karnevalswagen des Rüttenscheider Andreasstifts fährt im Rosenmontagszug an Platz 7.

Das diesjährige Motto spielt auf die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer im Sommer an. Die Bewohner gehen als „die Mannschaft“ an den Start, und auch Jogi Löw wird dabei sein.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben