Villa Rü

Die Anlaufstelle für Spiel, Spaß – und auch bei Sorgen

Die Leitung des Hauses: Alex Bremer und Werner Settels begrüßen in den Räumen der Villa Rü aktuell rund 60 Gruppen.

Die Leitung des Hauses: Alex Bremer und Werner Settels begrüßen in den Räumen der Villa Rü aktuell rund 60 Gruppen.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen-Rüttenscheid.  In der Villa Rü spiegelt sich ein Stadtteil mit vielfältigen Problemen. Beratung für Hartz-IV-Empfänger geplant. Hoffest am 9. September.

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Hier ist das Bürgerzentrum gleich eine Villa. Das passt nach Rüttenscheid, mag mancher denken. In der Villa Rü an der Girardetstraße, wo am 9. September Hoffest gefeiert wird, sieht man das anders. Auch dieser Stadtteil hat Probleme – und das sind längst nicht nur die fehlenden Parkplätze.

In den Cafés drum herum ist man für ein Frühstück schnell zehn Euro los. Aber in der Villa Rü kann man sich kostenlos bedienen. Gleich hinter den Eingangstüren steht ein Kühlschrank. Ziemlich viel Gemüse liegt gerade drin, daneben steht ein Marmeladenglas. Wer was übrig hat, legt es hinein. „Einige Leute machen mit, weil sie das ,Fair­teiler’-System gut finden und Lebensmittel nicht wegwerfen wollen“, sagt Werner Settels, der mit Alex Bremer das Haus leitet. „Aber es kommen auch ältere Menschen zu uns, die sich einen Kohl aus dem Kühlschrank nehmen, oder was gerade da ist. Denn in Rüttenscheid gibt es nicht nur Leute, die ein dickes Portemonnaie haben. Es gibt auch die anderen. Und das sehen wir hier.“

Hartz-IV-Beratung in Planung

Die Armut sei in vielen anderen Stadtteilen selbstverständlich größer, andere Viertel hätten deutlich mehr Probleme. „Das Bürgerhaus Oststadt zum Beispiel, da macht man eine andere Arbeit, es gibt sicher andere Notwendigkeiten“, erklärt Settels. „Aber auch hier haben wir Hartz-IV-Empfänger. Es gibt Kinder, die nichts Richtiges zum Anziehen haben – aber die Eltern wollen unbedingt in Rüttenscheid leben, weil sie den Stadtteil so schön finden.“

Zwischen Tanzveranstaltungen und Karaoke-Workshops wollen Bremer und Settels auch diesen Menschen einen Anlaufpunkt bieten. „Wir wurden von einem Verband angefragt, ob man bei uns Hartz-IV-Beratung anbieten könnte“, sagt Settels. „Das wird hier gebraucht, die Notwendigkeit ist da“, erklärt Bremer. „Aber die Hemmschwelle, solche Angebote in Anspruch zu nehmen, ist in Stadtteilen wie Rüttenscheid groß. Die Menschen haben im Hinterkopf: ,Wenn mich jemand sieht, weiß der sofort Bescheid. Dann lieber nicht.“

Bremer und Settels sind auch in Rüttenscheider Schulen sind unterwegs, es gibt zum Beispiel Kooperationen bei Bewegungsprojekten und Übungen in sozialer Kompetenz. „Wir bekommen dabei mit, dass sich auch Kinder in Rüttenscheid nicht richtig ernähren – oder richtig ernährt werden“, sagt Settels. Ein Problem sei, dass oft die „erste Erziehungsinstanz“ wegfalle, Kitas und Schulen müssten übernehmen. „Da setzen wir dann an mit der Elternbildung“ – die schließlich auch den Kindern helfen soll.

>>>Hoffest am 9. September

Am Samstag, 9. September, wird in der Villa Rü das Hoffest gefeiert. Dabei präsentieren sich zahlreiche Gruppen, die im großen Gebäude an der Girardetstraße ein Zuhause gefunden haben.

Von 14 bis 20 Uhr werden Chöre, Musik- und Tanzgruppen auftreten, ein Schwerpunkt wird wie in den Vorjahren das Kinderprogramm sein. Und zu essen gibt es auch etwas – von der Bratwurst über gegrillte Sardinen bis zu Spezialitäten aus Eritrea.

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