Typ-2-Diabetes

Die besten Tipps für den Alltag, um Diabetes zu verhindern

Anna-Katharina Trocha (l.) und ihre Kolleginnen gehen mit gutem Beispiel voran und ziehen bei der Arbeit die Treppe dem Aufzug vor.

Anna-Katharina Trocha (l.) und ihre Kolleginnen gehen mit gutem Beispiel voran und ziehen bei der Arbeit die Treppe dem Aufzug vor.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Ruhrgebiet.   Zu fettes Essen, zu wenig Bewegung: Deshalb werden schon Kinder zuckerkrank. Eine Essener Ärztin erklärt, wie man Diabetes ausbremsen kann.

Jeder kennt jemanden, der betroffen ist. Und es werden immer mehr: Jahr für Jahr erhalten rund 500.000 Patienten in Deutschland die Diagnose Diabetes. Zwischen Duisburg und Dortmund gibt es besonders viele Fälle. Das belegen Zahlen der AOK und das bestätigt Dr. Anna-Katharina Trocha, Chefärztin in der Klinik für Diabetologie am Essener Elisabeth-Krankenhaus. „Über zehn Prozent der Einwohner des Ruhrgebiets haben einen Typ-2-Diabetes“, sagt die Ärztin. Damit ist der Typ gemeint, der früher einmal umgangssprachlich als Altersdiabetes bekannt war, „aber diese Bezeichnung ist längst überholt“. Auch junge Leute essen zu fett, zu süß, zu nährstoffarm. Sie machen zu wenig Sport und ziehen in ihrem Alltag einen Aufzug jeder Treppe vor. So treiben sie ihr Körpergewicht in die Höhe und damit das Risiko, zu erkranken.

Auf den Lebensstil kommt es an

Doch die gute Nachricht ist: Wer rechtzeitig seinen Lebensstil korrigiert, kann den Ausbruch der Erkrankung verzögern oder verhindern. Selbst dann, wenn er eine Diabetes-Veranlagung hat. Wer bereits erkrankt ist, kann die Symptome (z.B. Abgeschlagenheit, Infektionsanfälligkeit) ausknipsen und ohne Medikamente klar kommen. „Das ist in jüngeren Jahren einfacher als im Alter“, so die Diabetologin. Denn es ist so: Neben der Gewichtsreduzierung mit Hilfe einer Ernährungsumstellung geht es vor allem um die Stärkung der Muskulatur. Vitale Muskeln sind im Kampf gegen Diabetes wertvoll, aber das Training wird immer schwieriger.

Anna-Katharina Trocha erklärt, wie ein gesunder Lebensstil aussehen sollte, möchte man Diabetes bekämpfen oder vermeiden.

Die Ernährung

Ideal ist eine Kombination aus Vitaminen und Ballaststoffen. Qualifizieren sich Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Nüsse mit ihren wertvollen Fetten für den Speiseplan, wird es der Körper danken. „Es geht nicht darum, Fett komplett zu vermeiden. Es geht um die guten Fette“, sagt die Ärztin. Wenn sie eine „mediterrane Kost“ empfiehlt, denkt sie dabei also sicherlich nicht an panierte und frittierte Tintenfischringe oder zuckersüße Gebäckteilchen, sondern eher an Gemüsepfannen wie Ratatouille.

Weniger begeistert wird der Körper (und der Arzt) sein über schnelle, schlechte Kohlenhydrate, die unter anderem in Softdrinks oder Süßigkeiten stecken. Wer die Empfehlung, täglich Obst zu sich zu nehmen, über Smoothies erfüllen möchte, ist ebenfalls nicht gut beraten. „Diese Drinks sind aufbereitet. Man sollte lieber kauen als trinken, wenn es um die Nährstoffe geht“, sagt Anna-Katharina Trocha und mag deshalb auch Milch nicht uneingeschränkt empfehlen.

Das Essverhalten

Gerade stark übergewichtige Menschen, die Jahre- oder Jahrzehnte- lang mit großem Appetit gegessen haben, bekommen Probleme, wenn sie abspecken sollen. „Für sie könnte sich das Intervallfasten anbieten“, sagt die Diabetologin. Das funktioniert so, dass drei Mahlzeiten mit einem Abstand von vier bis fünf Stunden am Tag erlaubt sind, aber keinen Snack dazwischen.

Die Bewegung

Das sportliche Ziel muss keineswegs die Olympiaqualifikation sein. „Ich rate einfach zu mehr Bewegung im Alltag“, so die Expertin, die selbst bei ihrer Arbeit im Krankenhaus häufig einen Schrittzähler trägt, der sie daran erinnert, mehr Wege zu Fuß zu erledigen. Menschen in Deutschland legen durchschnittlich unter 4000 Schritte am Tag zurück, Typ-2-Diabetiker sogar nur 2500. „Toll wären aber 10.000 Schritte am Tag.“ Ein weiterer Tipp von Anna-Katharina Trocha heißt: „Häufiger mal Bus und Bahn nutzen und vielleicht mal etwas früher aussteigen, um den Rest zu Fuß zurückzulegen.“ Und natürlich diese Empfehlung: Die Treppe nehmen, nicht den Aufzug. Immer!

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben