Musik

Die Blauen Jungs lieben Seemannslieder aus dem Ruhrpott

Peter-Maria Anselstetter (vorne Mitte) zusammen mit dem Seemannschor „Blaue Jungs“ auf der Bühne des Theater Courage. Seit einem Jahr ist der Schauspieler Mitglied des Chors, der jeden Dienstagabend im Kurt-Schumacher-Zentrum in Überruhr probt. Foto:Knut Vahlensieck

Peter-Maria Anselstetter (vorne Mitte) zusammen mit dem Seemannschor „Blaue Jungs“ auf der Bühne des Theater Courage. Seit einem Jahr ist der Schauspieler Mitglied des Chors, der jeden Dienstagabend im Kurt-Schumacher-Zentrum in Überruhr probt. Foto:Knut Vahlensieck

Essen.   Seit 1984 bringen die Blauen Jungs Shantys zu Gehör. Der Essener Schauspieler Peter Maria-Anselstetter verstärkt die stimmgewaltigen Kerle.

Zugegeben, auch wenn Essen eine Stadthafen besitzt, ist die Stadt im Herzen des Ruhrgebiets wohl nicht die erste Adresse, wo man Seefahrer-Romantik vermutet. Dennoch war es hier, wo sich 1984 die „Blauen Jungs“ zusammengefunden haben: Der Seemannschor bringt mit ihren Interpretationen von Liedern wie „La Paloma“, „Ich liebe die Nordsee“ oder „Auf der Reeperbahn“ das Publikum zum Schaukeln wie es sonst nur steife Meeresbrisen vermögen.

Als einziges Gründungsmitglied ist Horst Dongowsky mit an Bord. „Mit Seefahrerei habe ich eigentlich nicht viel zu tun“, räumt er ein: „Ich war bei der Berufsfeuerwehr.“ Doch bevor Dongowsky die Blauen Jungs ins Leben rief, heuerte er bei einem Marine-Chor an: „Ein Kollege fragte mich, ob ich da mitmachen will, Shantys singen“, erinnert er sich. „Ich wusste damals nicht einmal, was Shantys sind!“

Doch er machte mit und wusste fortan diese Art Seemanns-Lieder zu schätzen – so sehr, dass er sie nicht aufgeben wollte, als sich der Marine-Chor auflöste. Also gehörte er zu den verbliebenen Sängern, die die Blauen Jungs gründeten.

„La Paloma“ sofort mitgesungen

Über 30 Jahre ist der Chor seitdem aktiv, tritt in ganz NRW auf, aber auch im Schwarzwald, an der Ostsee oder in Österreich hat es die Blauen Jungs verschlagen. 120 Lieder haben sie im Repertoire, drei CDs aufgenommen.

Im vergangenen Jahr begann der Chor sogar, die Theater-Bühne zu erobern: Für das Stück „Große Freiheit Nr.7“ nach dem gleichnamigen Hans-Albers-Film war das Ensemble des Rüttenscheider Theater Courage auf der Suche nach einem Seemanns-Chor. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so einen in Essen finden – bis ich auf die Blauen Jungs gestoßen bin“, sagt Peter-Maria Anselstetter, der in bester „blonder Hans“-Manier in dem Stück in die Hauptrolle schlüpft.

„Ich bin dann zu einem Auftritt gefahren, um mir sie anzuschauen“, so Anselstetter. „Da haben sie mich gleich auf die Bühne geholt, um ,La Paloma’ mitzusingen.“ Für den geübten Albers-Darsteller war dies kein Problem, das Zusammenspiel klappte perfekt, das Stück hatte seinen Chor – und der Chor ein neues Mitglied. „Für mich war sofort klar, dass ich mit an Bord gehe“, berichtet er.

„Ich bin auch mit der See verheiratet“

Der Schauspieler war zwar selbst nie als Seefahrer aktiv, fühlt sich aber mit dem nassen Element verbunden. „Ich bin seefest“, sagt er. „Bei diversen Kreuzfahrten bin ich bei Wind und Wetter aufgetreten.“ Und nicht nur das: „Ich bin auch mit der See verheiratet.“

Ein alter Seemann auf Rügen habe dieses Ritual mit dem Schauspieler vollzogen: „Dafür hat er meine Hände gefesselt und mich an sein Schiff gebunden“, berichtet er. „15 Minuten sollte ich so im Wasser bleiben – und ausgerechnet an diesem Morgen gab es einen riesigen Sturm. Ich habe bestimmt acht Liter Wasser geschluckt“, sagt er. „Aber ich habe es geschafft – seitdem darf ich mich Seemann nennen – und bin mit der See verheiratet“, sagt er, schwörend, dass es sich bei der Geschichte nicht nur um Seemannsgarn handelt.

Auftritt im Theater Courage

Der Seemannschor „Blaue Jungs“ tritt mit dem Programm „Endlos sind jene Meere“ am Dienstag, 17. Oktober, 20 Uhr, im Theater Courage, Goethestr. 67 auf.

Neben den Liedern liest Peter-Maria Anselstetter Seemannsgarn vor. Karten (10 Euro): 79 14 66.

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