Kriminalität

Die Drogenszene hält die Polizei in Essen auf Trab

Die Drogengeschäfte am Viehofer Platz werden in aller Öffentlichkeit abgewickelt.  

Die Drogengeschäfte am Viehofer Platz werden in aller Öffentlichkeit abgewickelt.  

Essen.   Rauschgiftgeschäfte werden am Viehofer Platz ganz offen abgewickelt. Die Klagen werden lauter. Polizei wehrt sich gegen Vorwurf der Untätigkeit.

Rege und scheinbar unbehelligt wickeln Dealer und Süchtige an der Tram-Haltestelle „Viehofer Platz“ unter den Augen der Öffentlichkeit ihre Rauschgiftgeschäfte ab. Tag für Tag bahnen sich die Fahrgäste der Ruhrbahn begleitet von Uringerüchen und anderen Unappetitlichkeiten ihren Weg durch einen florierenden Drogenmarkt.

Da wundert es kaum, dass die Beschwerden der Bürger über „unerträgliche Zustände“ nicht abreißen und gleichzeitig die Klagen lauter werden, dass von der Polizei weit und breit nichts zu sehen sei. Doch diesen Vorwurf der Untätigkeit, der zuletzt in einem Brief eines Pendlers an den Oberbürgermeister und einige Ratsfraktionen formuliert wurde, will die Polizei so nicht auf sich sitzen lassen.

„Wir sind nahezu täglich da“, sagt Polizeisprecher Lars Lindemann mit Blick auf die Situation am Viehofer Platz: „Zu kontrollieren gibt’s genug.“ Und zwar nicht nur im Umfeld der Haltestelle, sondern auch an anderen Orten in der Nordcity, wo die polizeiliche Präsenzgruppe Innenstadt versucht, allzu große Auswüchse einzudämmen.

Polizei im ständigen Austausch mit der Uni

Lindemann weiß die jüngsten Aktivitäten der Truppe durchaus mit Zahlen zu untermauern: Allein im August, so der Polizeisprecher, kamen die Beamten auf 550 Überprüfungen, um die Identität von Verdächtigen festzustellen. 390 Platzverweise wurden ausgesprochen und 21 Anzeigen meist nach Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, also wegen Drogenbesitzes oder -verkaufs, geschrieben. „Da wird schon einiges getan“, ist Lindemann überzeugt.

Zudem stehen Beamte der Polizeinspektion Mitte „in regem Austausch mit dem Personalrat der Uni“, nachdem sich der Drogenhandel auch durch die Videobeobachtung am Rheinischen Platz teils auf den Campus verlagert hat. Beide Seiten, sagt Lindemann, seien sich zurzeit einig, dass „es keine größere Drogenproblematik gibt“ – weder auf dem Unigelände, auf dem inzwischen mehr Sicherheitspersonal unterwegs ist, noch am Viehofer Platz.

Insgesamt weniger Straftaten und Bürgerbeschwerden

Dass die Kameras am Rheinischen Platz zu gewissen Verdrängungseffekten in der Szene geführt haben, war abzusehen und wurde von der Polizei auch nie bestritten. Eine erste vorsichtige Bilanz fällt unterm Strich dennoch positiv aus: Seit Beginn der Videobeobachtung gibt es innenstadtweit insgesamt weniger Straftaten und Bürgerbeschwerden.

Die Rauschgiftdealer sind verunsichert, einige wandern unter dem Beobachtungsdruck gleich in andere Städte aus, andere suchen sich Standorte in der Innenstadt, wo das Auge des Gesetzes sie nicht ständig im Blick hat. Dieser Effekt ist zurzeit am Viehofer Platz zu beobachten. Zwischenzeitlich hatte die Szene versucht, sich auf dem Grünstreifen vor der Maschinenbauschule an der Schützenbahn festzusetzen. „Da gibt es jetzt keine Probleme mehr“, sagt Lindemann.

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