Kommentar

Die Essener Wälder brauchen vieles, aber keine Ela-Plattform

Essen.  Die Stadt sollte die begrenzten Mittel für Wichtiges reservieren: Wege sanieren, alte Aussichtspunkte aufräumen, Naturerleben möglichen machen.

Eine Aussichtsplattform im Schellenberger Wald, um die Ela-Sturmschäden zu betrachten? Dieser Plan der Stadt hat die WAZ-Leser zu teils heftigen Reaktionen provoziert. Die deutliche Mehrheit derer, die sich in Leserbriefen oder auf unserer Facebook-Seite äußern, sehen das Vorhaben kritisch, und ihre Argumente sind nachvollziehbar. Denn wieder passiert etwas für Essen (und nicht nur hier) sehr typisches: Neues wird geplant, während das Bewährte, an dem viele Menschen hängen, einfach verrottet.

Fast zweieinhalb lange Jahre sind jetzt vergangen, seit Ela die Essener Wälder stark zerstörte und monatelang unpassierbar machte. Noch immer aber gibt es Wanderwege, die gesperrt sind oder stiekum sich selbst überlassen bleiben und mittlerweile allenfalls noch von unerschrockenen Wanderern begehbar sind. Oft sind es gerade Pfade, die die schönsten Landschaftserlebnisse bieten.

Die beliebte Korte-Klippe ist völlig heruntergekommen

Aber das ist bei weitem nicht die einzige Vernachlässigung. Die Aussichtspunkte, die einmal mit Bedacht angelegt wurden, sehen mitunter aus wie Müllkippen, die Ruhebänke sind verrottet oder fehlen ganz. Völlig heruntergekommen ist etwa die beliebte Korte-Klippe, die nach einem ab 1921 amtierenden städtischen Gartenbaudirektor benannt wurde. Tröstlich ist, dass der weitsichtige Mann, dem Essen viel zu verdanken hat, diese Schludrigkeit seiner Nachfolger nicht mehr miterleben muss.

Nun gibt es im Projektbüro Grüne Hauptstadt den offenbar festen Willen, den Aufmerksamkeitsschub und die finanziellen Mittel zu nutzen, um bis zum Frühjahr 2017 wenigstens einen Teil dieser Missstände zu beheben. Essens Landschaftspotenzial rund um den Baldeneysee will die Stadt weiterentwickeln und neu inszenieren, manches Unschöne soll dann endlich saniert werden.

Ela-Plattform ist ein Modeprojekt grüner Zeigefinger-Pädagogik

Gut so, dem eher kopflastigen EU-Projekt kann solche Bodenhaftung nur gut tun. Essen hätte nach außen etwas zu zeigen, schafft aber auch für die eigenen Bürger bleibende neue Qualitäten. Genau darauf sollte sich nun alle Energie und der Einsatz der knappen Personalressourcen richten. Denn sehr viel ist noch zu tun und ob die Ziele in der verbleibenden Zeit erreicht werden, ist keineswegs sicher.

In dieser durchaus angespannten Lage meint der Grün und Gruga-Betrieb unter Leitung von Dezernentin Simone Raskob, mit der Ela-Plattform unbedingt noch ein Modeprojekt grüner Zeigefinger-Pädagogik in den Wald hineinzwängen zu müssen. Statt Mittel und Arbeitskraft in eine Art Mahn- und Gedenkstätte zu stecken, würde es aber vollauf genügen, das gestörte Naturerleben wieder zu seinem Recht kommen zu lassen.

Auch interessant
Leserkommentare (14) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik