GESUNDHEIT

Die Hygiene ist in den Essener Krankenhäusern Chefsache

Dr. Syal Kumar, Leiter der Traditionellen Indischen Medizin, und Mitarbeiterin Julia Klein beim Säubern des eines Behandlungsraum im Knappschaftskrankenhaus der Kliniken Essen-Mitte in Steele.

Foto: Christof Köpsel

Dr. Syal Kumar, Leiter der Traditionellen Indischen Medizin, und Mitarbeiterin Julia Klein beim Säubern des eines Behandlungsraum im Knappschaftskrankenhaus der Kliniken Essen-Mitte in Steele. Foto: Christof Köpsel

Essen.   Die Krankenhäuser in Essen beschäftigen über 400 Mitarbeiter, Vollzeit oder als spezielle Beauftragte, im Hygiene-Bereich.

Sofern sich Patienten nicht auch noch bei „Doktor Google“ über medizinische Behandlungsmethoden informiert haben, haben sie in Krankenhäusern genau zwei Themen, bei denen sie gerne mitreden und vieles besser wissen: das Essen und die Hygiene. Beim Essen, egal ob morgens, mittags oder abends, wird immer gerne diskutiert. Beim Themenkomplex Hygiene haben die Patienten-Beschwerden, das zeigt eine Umfrage unter den Essener Krankenhäusern, zuletzt etwas abgenommen. Das Spezialpersonal in diesem sensiblen Bereich wird derweil fortlaufend ausgebaut. Denn Hygiene ist den Kliniken längst Chefsache.

Anfang des Jahres hatte der Hygiene-Bericht eines Recherche-Verbunds für Unruhe gesorgt: Krankenhausqualitätsberichte waren ausgewertet worden. Das Ergebnis: „Schlampige Hygiene“. Denn: Hygieneempfehlungen seien vielfach nicht erfüllt worden. Das Problem: Die Schlussfolgerungen basierten auf Zahlen von 2014. Seitdem hat sich viel getan. In den Essener Krankenhäusern sind heute über 400 Mitarbeiter, Vollzeit oder als spezielle Beauftragte, täglich mit dem Thema Hygiene beschäftigt.

Krankenhaus-Hygiene „eine große Herausforderung“

„Hygiene spielt bei uns eine zentrale Rolle. Die deutliche Aufstockung der mir organisatorisch unterstellten Stabstelle mit 14 Mitarbeitern zeigt, wie ernst wir unseren Auftrag nehmen“, sagt Prof. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums, wo in Summe 150 Hygiene-Beauftragte 40-stündige Spezial-Fortbildungen absolviert haben. „Hygiene ist zu einer großen Herausforderung geworden, der sich jedes Krankenhaus rund um die Uhr stellen muss. Ein gutes Hygienemanagement bedeutet Qualität in der Patientenversorgung. Und Qualität zahlt sich aus“, betont Horst Defren, Geschäftsführer der Kliniken Essen-Mitte (KEM).

Die haben als eines von 20 Krankenhäusern in Deutschland erneut das Gold-Zertifikat der Aktion „Saubere Hände“ erhalten. Damit wird eine hohe Anzahl von Händedesinfektionen belohnt. Diese Desinfektion ist ein wichtiges Mittel, um Erreger-Übertragungen und nosokomiale Infektionen (Infektion, die während einer Klinik-Behandlung entstehen) zu verhindern. In deutschen Krankenhäusern liegt die Zahl bei fünf bis sieben Händedesinfektionen pro Patient pro Tag.

Die Kliniken Essen-Mitte kamen zuletzt auf deutlich über zwölf (2012: 5,7). Das heißt in absoluten Zahlen: Aus den 2000 Hand-Spendern in den drei KEM-Krankenhäusern werden pro Jahr allein knapp 20 000 Liter Desinfektionsmittel in feiner Dosis auf die Hände gesprüht. „Wir wollen den skandinavischen Standard von 14 Händedesinfektionen pro Patiententag erreichen“, kündigt Dr. Anne Eva Lauprecht, Leiterin der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, an.

Darüberhinaus werden auch abseits der Operationsräume und der Instrumente, wie in Schwimmbädern, bei Akupunkturnadeln oder bei Öl-Therapien, ständig hygienische Reinigungen vorgenommen und Mess-Werte erfasst. Dabei kommt in Summe pro Jahr ein siebenstelliger Betrag zusammen.

„Die Sicherheit unserer Patienten und die Minimierung von Ansteckungsrisiken hat Priorität“, betont auch Prof. Peter Berlit, Ärztlicher Direktor der Krupp-Kliniken, wo Hygiene ebenfalls Chefsache ist. Alle Mitarbeiter erhalten regelmäßig Hygieneschulungen, Krupp ist Mitglied im MRE (Multi-Resistente-Erreger)-Netzwerk und im Netzwerk Modellregion Hygiene Ruhrgebiet. Auf den Hygiene-Spendern erinnern Sätze in gleich elf Sprachen daran, die Hände zu desinfizieren.

Kooperation mit Gesundheitsamt

Nicht nur an einem Spender im Elisabeth-Krankenhaus schaut die Nutzer ein Ferkel an. „Chance nutzen, Pfoten putzen“, lautet die klare Botschaft. Auch hier wird auf permanenten Austausch zwischen Krankenhaushygienikern, Hygienefachkräften, ärztlichen Direktoren, Pflegedienstleitungen sowie Chefärzten gesetzt. Und man pflegt wie die anderen Essener Kliniken, eine enge Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt. Dazu gibt es einen Ansprechpartner für das Thema Hygiene in der Geschäftsführung der Contilia-Gruppe, zu der das Elisabeth-Krankenhaus gehört.

Im Katholischen Klinikum im Norden gibt es nicht nur Schulungen für Mitarbeiter, sondern im Rahmen der Patientenhochschule auf für interessierte Patienten. Die lernen alles über Hygiene, Sauberkeit und Multiresistente Erreger. Das Klinikum zitiert die Bedeutung von Hygiene frei nach Schopenhauer: „Hygiene ist gewiss nicht alles. Aber ohne Hygiene ist alles nichts.“

Zahl der Handdesinfektionen gezählt

Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben Mitarbeiter der Uniklinik am Dienstag auf einen Aspekt der Hygiene in Krankenhäusern hingewiesen: die Händedesinfektion. Die Mitarbeiter waren mit von der Gewerkschaft „Verdi“ bereitgestellten Klickzählern unterwegs, um damit zu dokumentieren, wie oft sie eine Händedesinfektion durchgeführt haben. Insgesamt braucht eine Pflegekraft pro Schicht durchschnittlich zwei Stunden für die vorgeschriebenen Desinfektionen.

Bei der zunehmenden Arbeitsverdichtung, so die Kritik, drohten andere Tätigkeiten wie beispielsweise die Dokumentation vernachlässigt zu werden oder wegzufallen. Oder die Pflegekräfte müssen von Patient zu Patient und von Aufgabe zu Aufgabe rennen. Deshalb, so die Forderung des Uniklinik-Personalrats und von Verdi, müssten Pflegekräfte eingestellt werden, um die Standards zu halten.

Die Aktion wurde deutschlandweit in über 100 Krankenhäusern durchgeführt. „Wir haben Verständnis für das Anliegen der Gewerkschaft, auf fehlende Pflegekräfte und Arbeitsverdichtung hinzuweisen. Auch wir als Universitätsmedizin unterstützen die Forderung nach adäquaten Rahmenbedingungen für Pflege“, sagte Prof. Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor der Uniklinik und ergänzt: „Allerdings ist dies eine Forderung an die Politik. Aber auch wir machen uns stark dafür, auf politischer Ebene die Situation zu verbessern.“

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