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Die Kettwiger Geschichtsfreunde stellen sich 2020 neu auf

Das Holzmodell der Kettwiger Kirchtreppe wurde von Waldemar Igelbusch in liebevoller Kleinarbeit gefertigt und zieht im hinteren Ausstellungsraum die Blicke der Besucher auf sich.

Das Holzmodell der Kettwiger Kirchtreppe wurde von Waldemar Igelbusch in liebevoller Kleinarbeit gefertigt und zieht im hinteren Ausstellungsraum die Blicke der Besucher auf sich.

Foto: Socrates Tassos

Essen-Kettwig.  Armin Rahmann ist für zwei Jahre als neuer Vorsitzender gewählt. Der Verein plant, den Fokus bei Forschung und Museum mehr auf Kettwig zu legen.

Mit einem neuen Vorsitzenden und weitreichenden Plänen für das Heimatmuseum ist der Verein Kettwiger Museums- und Geschichtsfreunde ins Jahr 2020 gestartet – und wird gleich durch die Corona-Pandemie gebremst. Die Räume des Heimatmuseums in der dritten Etage des Kettwiger Rathauses sind erst einmal für den Publikumsverkehr geschlossen. „Unser Verein besteht seit 30 Jahren. Wann und wie wir den runden Geburtstag werden feiern können, wissen wir auch noch nicht“, sagt Armin Rahmann, frisch gewählter erster Mann im Verein.

Trotz der Kontaktsperre läuft die Vereinsarbeit weiter, auch wenn nun viel telefoniert, über E-Mails und Nachrichten-Chats Kontakt gehalten werden muss. Das Digitalzeitalter habe auch im Geschichtsverein, der knapp 100 Mitglieder zumeist im Rentenalter zählt, längst Eingang gefunden, sagt Armin Rahmann schmunzelnd. Und das nicht nur, was die Kommunikation angeht.

Zuschuss aus dem Heimatministerium

Im Herbst vergangenen Jahres konnte durch einen Zuschuss des NRW-Heimatministeriums ein Scanner angeschafft werden, mit dem nun Schriftstücke und Bücher digital erfasst werden. Nach und nach, berichtet der erste Vorsitzende, werde man sich historische Dokumente vornehmen und sie als Dateien speichern.

Eine Fleißarbeit, die Jahre brauchen wird, da macht sich der 82-jährige Rahmann nichts vor. Denn in den Regalen schlummern unzählige Akten aus den Anfängen der Landgemeinde Kettwig, Urkunden und Chroniken, Adressbücher, Postkarten und Fotos. Firmenunterlagen unter anderem früherer Bergbauunternehmen und auch die dicken Bände der Kettwiger Heimatzeitung sind in den Museumsräumen eingelagert.

Exponate stammen zum Teil aus Firmenbeständen

Dazu kommen kleine und große Exponate, die Rahmanns Vorgänger Hans-Gerd Engelhardt (2019 verstorben) und Günter Voss in den vergangenen Jahrzehnten zusammentrugen. „Wenn Firmen zugemacht haben, haben wir das eine oder andere geschenkt bekommen“, erklärt Rahmann. So sind beispielsweise Stoffe und Geräte der Tuchfabrik Scheidt in einem extra Ausstellungsraum zu sehen. Auch Fertigungsteile der Unternehmen Grimberg (HAGRI Edelstahl) mit den Olympiafackeln der Jahre 1936 und 1972 sowie Marsteller & Killmann mit einer Reihe von Aluminiumflaschen und -töpfen werden in den Vitrinen gezeigt.

„Das Gesicht von Kettwig hat sich durch den Wegfall von Industriebetrieben wie zum Beispiel Markmann & Moll sehr verändert“, konstatiert Armin Rahmann. Wo früher in unmittelbarer Nähe zur Ruhr über Jahrzehnte Bahngleise hergestellt wurden, stehen nun moderne Wohnanlagen. Ganze Branchen seien mittlerweile nicht mehr im Stadtteil ansässig. „Aber auch die Freizeitgestaltung hat sich verändert. Alteingesessene Kneipen sind dicht.“

Sonderausstellungen und die Pflege der Mundart

Die Kettwiger Museums- und Geschichtsfreunde erinnern regelmäßig in Sonderausstellungen an vergangene Traditionen und graben in den Fachvorträgen, die übers Jahr stattfinden, neben Historischem auch so manche Anekdote aus, die sich im Dorf zugetragen haben soll.

„Unsere Mundart ist ein wichtiger Aspekt, wenn es um Heimatgefühl geht“, findet Rahmann. Dass ein junger Mensch wie der Kettwiger Marc Real (er ist 21) sich wissenschaftlich und praktisch in Form einer Zeitung („Dat Bergsche Wort“) damit beschäftige, sei sehr ungewöhnlich. „Wir hoffen, dass er uns weiter viele Impulse gibt.“

Publikationen sollen erweitert und ergänzt werden

Die Museums- und Geschichtsfreunde wollen darüber hinaus künftig ihre Forschungs- und Sammlungsarbeit stärker auf Kettwig ausrichten. „Wir haben eine Reihe von Literatur und Exponaten im Museum, die nicht unmittelbar mit der Historie Kettwigs zu tun haben. Die werden nun aussortiert beziehungsweise in andere Hände gegeben“, sagt der erste Vorsitzende.

Die Räume in der dritten Etage im Neubautrakt des Kettwiger Rathauses seien ein Glücksfall für den Verein, „aber auch sie sind eben begrenzt“. Schon deshalb würden Exponate, die nichts mit der Kettwiger Heimatgeschichte zu tun haben, nun weichen müssen. „Anderen Sachen können wir dafür mehr Raum geben und sie besser präsentieren.“ Wie etwa die Ruhr als wichtigen Handelsweg oder die Eisenbahngeschichte und die Erinnerungen an altes Handwerk in den Fachwerkhäusern der Altstadt.

Außerdem plant der Verein, Publikationen zur Kettwiger Geschichte weiter zu führen sowie sie inhaltlich und gestalterisch zu ergänzen. „Genug Zeit haben wir ja dafür. Jetzt, wo gerade kein Museumsbetrieb ist.“

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