Natur und Umwelt

Die Lizenz zum Sägen in Essener Wäldern

Foto: Dennis Strassmeier

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Essen. Für Essener Bürger besteht die Möglichkeit, in den städtischen Wäldern Holz für den Eigenverbrauch zu sammeln. Dafür ist allerdings die Teilnahme an einem zertifizierten Motorsägenkurs Pflicht. Die Teilnehmer reizt aber in erster Linie der Nervenkitzel.

Feuermachen gilt evolutionstechnisch als eine der ersten menschlichen Fertigkeiten. Und bei wem dieser Ur-Instinkt doch einmal erwacht, der muss auch heute noch selbst für genug Holz vor der Hütte sorgen. „Hauptsache ‘rein in’n Baum“ dachte der Steinzeitmensch. Aber der hatte ja auch noch keine Kettensäge.

Ein zeitgenössischer, sogenannter „Brennholzselbstwerber“, der sich mit zusammengeklaubtem Bruchholz nicht zufrieden geben mag, sondern zum neumodischem Werkzeug greift, benötigt für das öffentliche Jagdgebiet außerhalb des heimischen Gartens zuallererst den Motorsägen-Führerschein. Wie der in Theorie und Praxis aussieht, erleben sechs Teilnehmer für jeweils 140 Euro Gebühr beim zweitägigem „Motorsägen-Grundkurs für Brennholzsammler“ der Firma Waldfreund.

Nicht nur dem Trieb nach

Wer nun denkt, dass es dabei dem Naturtrieb nach geradewegs ins Grüne geht, liegt falsch. Der Freitagabend gestaltet sich ausschließlich theoretisch. Von 17 bis 21 Uhr gibt’s erstmal geballte Informationen – wie beim Autoführerschein: Power Point und verschiedene Filmchen lassen keine Fragen offen. Von Sicherheitsmaßnahmen über Instandhaltung und Wartung einer Säge bis hin zum korrekten Baumfällen wird das gesamte Wissensgebiet in vier Stunden durchforstet, noch bevor es überhaupt irgendein Geäst zu sehen gibt. Aber Fabian Wolff, Geschäftsführer der Waldfreund UG, kann es nicht oft genug betonen: „Die Schutzausrüstung ist nicht nur Pflicht, weil sie gut aussieht.“ Gut, das kann man an diesem Freitagabend noch nicht beurteilen, die meisten sind im Anzug von der Arbeit gekommen. Steif fällt die Stimmung unter den Teilnehmern aber deshalb keineswegs aus, schon die illustre Vorstellungsrunde bricht das Eis.

Während Wolff als häufigste Gründe für die Teilnahme „erstens Leidenschaft und zweitens Nervenkitzel“ nennt, sind die Motivationen dieser Runde durchaus vielfältiger: Der eine hat sich den Motorsägenführerschein selbst auferlegt, nachdem eine von ihm laienhaft gefällte 30-Meter-Tanne bedauerlicherweise das Auto des Nachbarn komplett zermalmte. Der nächste ist gelernter Steinmetz, kann und will hingegen gar nichts erst mit großen Tannen anfangen – er möchte mit seiner Mini-Säge lediglich künstlerisch Hand an kleinere, ungefährlichen Stämmchen anlegen. Und die einzige Frau im Kettensägen-Kurs ist nur dabei, weil sie eine Wette verloren hat, „wollte es aber immer schon mal machen“, wie sie sich im gleichen Atemzug verteidigt.

Alles, was die sechs also „schon immer mal“ machen wollten, dürfen sie am nächsten Morgen dann auch tun: Die Motorsäge reinigen (Tipp von Ausbilder Markus Rotzal: „Wenn die Frau nix dagegen hat, kann man die auch in die Spülmaschine stecken“), die Kette ordentlich schmieren, die Zähne schärfen. Dann geht es endlich ins Gehölz nahe Kettwig und „jeder soll heute einen Baum fällen“, lautet Rotzals Aufgabe. Aber nicht irgendeinen Baum, nein, „wir fällen hier nicht nach dem Zufallsprinzip“, stellt der 28-jährige Biologielehrer klar. „Das obliegt alles dem Forstplan.“

Die vollständige Schutzmontur, Motorlärm, Benzingeruch und Späne, die nur so von den Stämmen splittern – es wird schnell klar, was Geschäftsführer Wolff hiermit meint: „Das ist nix für Leute, die sich nicht die Finger dreckig machen wollen“, lacht er. Mit „seinem“ Baum kommt am Ende des Tages jeder auf seine Kosten. Bis zum späten Nachmittag hallt es regelmäßig: „Baaaum fällt!“ Und sie fallen – unfallfrei, versteht sich, denn der nächste Parkplatz ist außer Reichweite. „Rechnet man Arbeitsaufwand und Anschaffungskosten nicht mit, ist Holz immer noch die günstigste Form zu heizen“, sagt Wolff. Aber darüber mussten sich Steinzeitmenschen wohl noch keine Sorgen machen...

Heizholz zum selber Sammeln

Für Essener Bürger besteht die Möglichkeit, in den städtischen Wäldern Holz für den Eigenverbrauch zu sammeln. Voraussetzung dafür ist allerdings der Besitz eines Holzsammelscheins. Falls darüber hinaus der Einsatz einer Motorsäge nötig ist, muss außerdem ein Sachkundenachweis bei der Forstverwaltung von Grün und Gruga (Eichenstraße) vorgelegt werden. Die Untere Jagdbehörde bietet Interessenten (ebenso wie die Waldfreund UG) die Möglichkeit, an einem Lehrgang zum Erwerb eines Motorsägenführerscheins teilzunehmen. Für nähere Informationen zu Terminen, Preisen und Anmeldung bitte direkt an die Verwaltung unter 44 19 18 wenden. Informationen zum Holzsammelschein und die aktuellen Preise für Kaminholz erfahren Sie ebenfalls bei der Forstverwaltung unter der angegebenen Rufnummer.

Firma Waldfreund: Termine und Infos

Der Motorsägenkurs findet von September bis März monatlich für jeweils acht Teilnehmer statt. Anmeldungen sind unter 248 195-0 erforderlich. Nötig ist zudem ein Mindestalter von 18 Jahren, eine vollständige Schutzausrüstung sowie eine eigene Motorsäge. Die Teilnahme kostet 140 Euro (inklusive Mittagsessen), der nächste Kurs ist am 16. und 17. Dezember. Mehr Infos unter www.waldfreund.de

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