Umweltschutz

Die Luftbelastung in der Stadt Essen hat weiter zugenommen

| Lesedauer: 3 Minuten
Die Gladbecker Straße zählt seit Beginn der Luftmessungen zu den Hauptverkehrsadern, auf denen die zulässigen Stickoxid-Grenzwerte stets überschritten werden. Foto:Knut Vahlensieck

Die Gladbecker Straße zählt seit Beginn der Luftmessungen zu den Hauptverkehrsadern, auf denen die zulässigen Stickoxid-Grenzwerte stets überschritten werden. Foto:Knut Vahlensieck

Essen.   An mehreren Messstellen in Essen sind die atemwegbelastenden Stickoxid-Werte im Vorjahr weiter angestiegen. Keine Trendwende in Sicht.

Trotz Umweltzone und Luftreinhalteplan sind die atemwegbelastenden Stickoxid-Konzentrationen an stark befahrenen Essener Verkehrsstraßen im vergangenen Jahr nicht zurückgegangen, sondern zum Teil sogar weiter gestiegen. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) bewertet inzwischen Stickoxide als „derzeit kritischsten Luftschadstoff.“

NRW-Umweltminister Johannes Remmel, der gestern den Luftmessbericht 2016 vorlegte, betonte, dass die Einhaltung der Grenzwerte an stark befahrenen Straßen in Ballungsräumen (dazu zählt auch Essen) „ohne einschneidende Maßnahmen“ auf längere Sicht nicht möglich sein wird. Remmel schließt nicht aus, dass man durch die Gerichte zur Einführung von Fahrverboten „gezwungen“ wird.

Schlechteste Luft auf der Alfredstraße in Essen

In diesem Fall wäre davon nächstes Jahr zunächst Düsseldorf, später wohl auch die Ruhr-Metropole betroffen. Weil in Essen (wie in anderen Städten mit besonders hohem Verkehrsaufkommen auch) die Stickoxid-Belastung höher ist als erlaubt, ist ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen Deutschland und eine Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen das Land NRW anhängig. Zwar setzte hier auch die Essener Umweltdezernentin Simone Raskob darauf, dass die Werte – wenn auch langsam – kontinuierlich zurückgehen. Doch 2016 blieb die Belastung unverändert hoch, stieg teilweise sogar an.

An fünf von neun Essener Messstellen wurde der Grenzwert für Stickoxide von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. Spitzenreiter ist die Alfredstraße mit 52 Mikrogramm, gefolgt von den Messstationen in Frohnhausen, Krayer Straße, Gladbecker Straße und Brückstraße. Gegenüber 2015 erhöhten sich die Werte an vier Messpunkten sogar wieder um ein bis drei Mikrogramm. Nur an der Steeler Straße und in Schuir verzeichnet das Lanuv einen geringfügigen Rückgang.

An der Hombrucher Straße wird wieder gemessen

Essen und Düsseldorf haben unter 32 betroffenen NRW-Kommunen zwar die meisten Messstationen (jeweils fünf) mit festgestellten Grenzwertüberschreitungen, aber die höchsten Ausschläge wurden letztes Jahr in Köln, Düren und Düsseldorf festgestellt.

Dabei kann es durchaus sein, dass Essen sich bald erneut in die Liga mit den stärksten Belastungen einreihen muss. Denn nach einer längeren Unterbrechung ist Anfang dieses Jahres die zehnte Messstelle wieder in Betrieb genommen, teilt Lanuv-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia mit: an der Hombrucher Straße in Frillendorf, ganz nah an der A 40. Dort wurde stets die höchste Stickoxid-Konzentration in Essen festgestellt. 2014 waren es 56 Mikrogramm. Wegen der Lärmschutzarbeiten an der A 40 mussten die Messungen in den beiden darauf folgenden Jahren eingestellt werden.

>>STICKOXID-MESSUNGEN 2016

Alfredstraße: 52 Mikrogramm (+3 gegenüber 2015)

Frohnhausen: 50 mcg

Krayer Straße: 46 mcg (+1)

Gladbecker Str: 45 mcg (+2)


Brückstraße: 42 mcg

Steeler Straße: 37 mcg (-1)

Schuir: 31 mcg (-2)

In d. Baumschule: 30 (+1)

Vogelheim: 27 mcg


(EU-Grenzwert: 40 Mikrogramm)

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Essen

Leserkommentare (10) Kommentar schreiben