Diesel-Urteil

Dieselfahrverbot: Essener Handwerker in großer Sorge

Tischlermeister Norbert Kampmann hofft auf Ausnahmeregelungen,

Tischlermeister Norbert Kampmann hofft auf Ausnahmeregelungen,

Foto: STEFAN AREND

Essen.   Das Urteil zu Dieselfahrverboten hat bei Handwerkern für Unruhe und Wut gesorgt. Auch Autohändler sind über das Urteil nicht glücklich.

Die Stadt Essen will Fahrverbote für Diesel-Autos nach den Worten von Oberbürgermeister Thomas Kufen vermeiden. In den Handwerksbetrieben hat das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts allerdings große Unruhe ausgelöst. Nahezu jeder Betrieb, der im Bau- und Ausbaugewerbe tätig ist, sei mit Dieselfahrzeugen unterwegs, betont Wolfgang Dapprich, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Wir reden hier über 2500 Betriebe.“ Vor allem für die kleineren könnten Fahrverbote existenzbedrohend sein. Viele hätten eine gehörige Portion Wut im Bauch, berichtet Dapprich.

Norbert Kampmann, Obermeister der Tischlerinnung, zählt zu jenen, die derzeit auf die Bundesregierung nicht gut zu sprechen sind. Denn die Regierung lasse zu, dass Verbraucher ausbaden müssen, was die Autoindustrie zu verantworten habe. Kampmanns Fuhrpark zählt vier Fahrzeuge, darunter einen 7,5 Tonner. Nach Einführung der Grünen Plakette 2014 hatte er seine Fahrzeuge nachgerüstet und einen neuen Lkw angeschafft. Nun könnte die Blaue Plakette folgen. Für Norbert Kampmann wäre das „wirtschaftlich eine Katastrophe“. Möbel und Bauteile fertigt er im heimischen Betrieb in Heisingen und liefert sie nach Fertigstellung an seine Kunden. Die Laufleistung der Fahrzeuge ist entsprechend gering, der Lkw bringt es gerade mal auf 4000 Kilometer im Jahr. Da kauft man sich als Handwerker nicht mal eben einen neuen. „Ich hoffe, dass es Ausnahmeregelungen geben wird“, sagt Kampmann deshalb.

Umrüstung auf elektrische Fahrzeuge dauert Jahre

Ralf Jost, Fachmann für Sanitär, Heizung und Klima aus Burgaltendorf hat vorgesorgt. Von seinen 13 Firmenwagen fahren zwei mit Elektroantrieb. „Eine goldrichtige Entscheidung“ sei der Kauf gewesen, sagt Jost. Jetzt denke er darüber nach, in diesem Jahr ein drittes E-Auto anzuschaffen. Nach und nach wolle er seien kompletten Fuhrpark umstellen. Wie lange das dauert? „Vielleicht zehn Jahre“, schätzt er.

Von heute auf morgen wird das Essener Handwerk also nicht elektrisch unterwegs sein. Wolfgang Dapprich appelliert an die Betriebe, nur nicht die Nerven zu verlieren. „Geduld ist gefragt.“ Im Juli will die Bezirksregierung den Luftreinhalteplan verschärfen – und dabei auf die Verhältnismäßigkeit achten, heißt es in Düsseldorf.

Autohändler bekommen Diesel nur noch schlecht verkauft

Auch Essener Autohändler hatten sich ein „anderes Urteil gewünscht“, wie Markus Diether vom Autohaus Diether betont. Mit der Dieselkrise ringen Händler ohnehin schon länger, nun hält die Unsicherheit aber an. „Gebrauchte Diesel stehen heute doppelt so lang auf unserem Hof als vor ein paar Jahren.“ Die Verkaufspreise sind gefallen, liegen zehn Prozent unter denen des Vorjahres, schätzt er. Privatleute machen einen Bogen selbst um neue Diesel 6. Dagegen laufen Benziner besser denn je, auch getrieben durch Umweltprämien der Hersteller. „Bei uns sind die Auftragsbücher voll“, so Diether. Problem für die Händler sind vor allem die hohen Rücklaufwerte für geleaste Diesel. „Dafür müssen wir Rückstellungen bilden.“

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