Krankenschwestern

DRK in Essen verliert 1000 Schwestern ans Uni-Kinikum

An ihrem Haus am Hohlweg wirbt die DRK-Schwesternschaft um neue Mitglieder in der Pflege.

An ihrem Haus am Hohlweg wirbt die DRK-Schwesternschaft um neue Mitglieder in der Pflege.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Massiver Aderlass: Ein Großteil der DRK-Schwestern ist ans Essener Uniklinikum gewechselt. Die Folgen für die Schwesternschaft sind einschneidend

Es ist eine gewaltige Zäsur in der über hundertjährigen Geschichte der Essener DRK Schwesternschaft: In den vergangenen Monaten haben fast 1000 Rotkreuz-Schwestern die traditionsreiche Organisation verlassen und arbeiten nun als „normale“ Beschäftigte beim Universitätsklinikum (UK).

Es ist ein gewaltiger Aderlass, den die Schwesternschaft als Arbeitgeber verkraften muss und der sie – wie wohl selten in ihrer langen Geschichte – auch existenziell unter Druck setzen dürfte. Über 100 Jahre arbeiteten das UK bzw. seine Vorläufer mit der Schwesternschaft zusammen. Die Schwestern waren Mitglieder der DRK Schwesternschaft und als Pflegekräfte dauerhaft ans Klinikum gestellt.

984 Rotkreuz-Schwestern sind ans Essener Uniklinikum gewechselt

Diesen Vertrag aber hatte die Uniklinik zum 30. September 2018 nach einem bahnbrechenden Urteil des Bundesarbeitsgerichtes gekündigt und den Schwestern eine Übernahme angeboten.

Uniklinik gegen DRK-Schwesternschaft: Tauziehen ums Personal Nach Angaben des UK haben genau 984 Schwestern dieses Angebot angenommen. Das ist der deutlich überwiegende Teil der bislang gestellten Pflegekräfte. Geschätzt dürften nur 50 bis 80 der Schwestern nicht mit gewechselt sein und arbeiten nun in anderen Einrichtungen. Aktuell gibt die Schwesternschaft ihre Mitgliederzahl noch mit 450 an. Darunter dürften aber viele nichtaktive Mitglieder sein.

Ein Sprecher des Universitätsklinikums spricht unterdessen von einem großen Erfolg für sein Haus. „Es haben mehr Schwestern unser Angebot angenommen, als wir erwartet haben“, sagte er. Tatsächlich kann das UK aufatmen. Denn wären deutlich weniger Schwestern gewechselt, hätte dies die ohnehin angespannte Situation in der Pflege, die erst kürzlich zu einem mehrwöchigen Streik am UK geführt hatte, dramatisch verschärft.

Schwestern berichten: „Wir hatten keine andere Wahl“

Am Ende aber hatte die Uniklinik den größeren Trumpf in der Hand. „Wir hatten ja im Grunde keine andere Wahl, wenn wir unseren Arbeitsplatz behalten wollten“, berichtet eine ehemalige Schwester, die über 20 Jahre im Dienste des DRK stand und nun beim UK angestellt ist. Der Schritt, die Schwesternschaft zu verlassen, sei ihr nicht leicht gefallen. Nicht etwa aus ideologischen Gründen, sondern sie habe sich bei der Schwesternschaft als Arbeitgeber wohlgefühlt. „Ich habe das familiäre Miteinander dort geschätzt“, sagt sie.

Sie glaubt, dass die existenziellen Ängste um den Arbeitsplatz am Ende die meisten der Schwestern zum Wechsel trieb; gleichwohl damit der DRK Schwesternschaft kein Druckmittel gegenüber dem UK mehr blieb, die Vertragskündigung zurückzunehmen. Finanziell bleiben die Schwestern auch nach dem Wechsel gleichgestellt.

20 neue Kooperationspartner gefunden

Wie reagiert nun die DRK Schwesternschaft auf den massiven Mitgliederschwund? In einer Presseerklärung teilte sie mit, dass sie seit dem 1. Oktober mit der Schwesternschaft Westfalen eine Kooperation eingegangen ist. Wie diese konkret aussieht, dazu wollte sich die Schwesterschaft am Mittwoch nicht äußern mit Verweis auf ihre Mitgliederversammlung, die am heutigen Donnerstag stattfindet. Im Grunde aber verliert die Essener Schwesternschaft damit ihre jahrzehntelange Eigenständigkeit. Wirtschaftliche Zwänge dürften sie zu diesem Schritt gezwungen haben. Schließlich schrumpfen mit den Mitgliedern auch ihre Einnahmen gewaltig. Was das für den bisherigen Verwaltungsapparat der Schwesternschaft, der bislang auf deutlich über 1000 Mitglieder ausgerichtet war, bedeutet, ist nicht bekannt.

Zwar hat die Essener Schwesternschaft 20 neue Gestellungspartner gefunden. Aber auch da regt sich zum Teil Widerstand gegen den Einsatz der Schwestern. Ruhe dürfte am Hohlweg, dem Sitz der Schwesternschaft, also so schnell nicht einziehen.

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