Nahverkehr

Duisburg steigt beim Verkehrsbündnis „Via“ aus

Da waren’s nur noch zwei: Die Essener Verkehrs-AG (Evag) und die Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) bleiben Partner in „Via“.

Da waren’s nur noch zwei: Die Essener Verkehrs-AG (Evag) und die Mülheimer Verkehrsgesellschaft (MVG) bleiben Partner in „Via“.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Duisburg wird das Verkehrsbündnis „Via“ verlassen, aus dem Trio wird ein Duo mit Essen und Mülheim. Mit welchen Folgen, bleibt vorerst offen.

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„Via“ macht auf halber Strecke Halt: Im fünften Jahr ihrer Gründung ist die gemeinsame Nahverkehrsgesellschaft der Städte Essen, Mülheim und Duisburg am Ende des gemeinsamen Weges angekommen. In einem Spitzengespräch konnten sich Thomas Kufen (CDU) und seine Amtskollegen Ulrich Scholten (SPD) aus Mülheim und Sören Link (SPD) aus Duisburg nicht auf eine Fusion der drei kommunalen Verkehrsbetriebe Evag, MVG, und DVG verständigen. Um es mit den Worten von OB Kufen zu formulieren: Das Hängen und Würgen hat ein Ende. Das Ergebnis ist für alle Beteiligten gleichwohl ernüchternd: Duisburg wird „Via“ verlassen, aus dem Trio wird ein Duo. Mit welchen Folgen, bleibt vorerst offen.

Das Treffen vom Montag war das zweite Treffen binnen weniger Wochen und es war der letzte Versuch „Via“ doch noch in Schwung zu bringen in Richtung eines integrierten Verkehrsunternehmens. Denn seit geraumer Zeit knirschte es im Getriebe. In einer gemeinsamen Presseerklärung ließ Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link sich wie folgt zitieren: Er halte eine Fusion für „extrem riskant“. In Essen heißt es seit geraumer Zeit, Duisburg sei dazu nie bereit gewesen. Zu einem Weiter so war Essens neuer OB nicht mehr bereit.

Schwung von "Via"-Verbund ist längst verflogen

Trotz einiger Erfolge blieb „Via“ hinter den Erwartungen zurück. Immerhin konnten 7 Millionen Euro pro Jahr durch die Kooperation eingespart werden. 13,5 Millionen sollten es am Ende sein. Daraus wird nichts. Es sei an seinem Duisburger Kollegen, dies der Kommunalaufsicht in Düsseldorf zu erklären, sagte Thomas Kufen. Essens Oberbürgermeister hatte schon vor Wochen angekündigt, sich gegebenenfalls nach neuen Partnern umzusehen. Erste Gespräche mit Oberhausen sollen bereits geführt worden sein.

Wenn sich bei „Via“ die Führungskräfte zur Weihnachtsfeier treffen, wird wohl der Leichenschmaus serviert, unkte am Montag ein Teilnehmer der Runde. Denn de facto haben Oberbürgermeister Thomas Kufen und seine Amtskollegen Ulrich Scholten und Sören Link am Montag das Aus ihrer gemeinsamen Nahverkehrsgesellschaft verkündet. In der bisher bekannten Konstellation wird „Via“ nicht fortgeführt. Duisburg steigt aus. Die Erklärung dafür klang geschäftsmäßig. Der Schwung, mit dem „Via“ vor nunmehr fünf Jahren Fahrt aufnahm, war da längst verflogen. Duisburg stecke mitten in einem Restrukturierungsprozess ihrer Holding DVV, zu der auch der kommunale Verkehrsbetrieb DVG gehört. Nur unter dieser Voraussetzung habe die Bezirksregierung der Stadt am Rhein Kredite in zweistelliger Millionenhöhe zugestanden. Mit einer Fusion in Via wäre dieser Prozess hinfällig.

Nun ist Oberhausen als neuer "Via"-Partner im Blick

Mancher hält das hinter vorgehaltener Hand für vorgeschoben. Die Absage Duisburgs, das Dreier-Verkehrsbündnis mit Essen und Mülheim zu einer unabhängigen Dachgesellschaft auszubauen, kam jedenfalls nicht überraschend: „Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, sagte Evag-Aufsichtsratschef Wolfgang Weber. Nun müssten eben andere Partner gefunden werden. Rolf Fliß, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, sagte gleich, mit wem er kooperieren will. Mit Mülheim als Partner gehe es nun darum, den Oberhausener Verkehrsbetrieb für Via zu gewinnen, und mittelfristig die Bogestra, also Bochum und Gelsenkirchen. Fliß: „Wir brauchen einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr. Und da macht es Sinn, das mittlere Ruhrgebiet zusammenzuführen.“ Friedhelm Krause (CDU), Aufsichtsratsvorsitzender von Via, betonte, dass es man mit Duisburg weiter zusammen arbeiten werde. Das Rad zurückdrehen, will niemand. Bei der Bezirksregierung in Düsseldorf würden sie so etwas gar nicht goutieren. Hatte die Kommunalaufsicht den Via-Kommunen mit der Haushaltsverfügung doch folgenden Satz ins Stammbuch geschrieben: Es dürften keine Fakten geschaffen werden, „die ein Auseinanderfallen von Via in noch ineffizientere Einzelstrukturen befördern.“ Nicht nur Duisburg steht gegenüber der Bezirksregierung in der Pflicht sich zu erklären.

Essen und Mülheim wollen „Via“ als Duo weiterführen. Wie? Bei den kommunalen Verkehrsgesellschaften Evag und MVG verblieben künftig nur noch die Konzessionen und die Infrastruktur. Geschäfte und Fahrbetrieb würden von Via geführt. Es wäre ein Betrieb aus einer Hand.

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