Luftbilder

„Ein Nachtflug über Essen ist fliegerisch anspruchsvoll“

Die erleuchtete Innenstadt mit dem Postbank-Hochhaus (li.) und dem, Hauptbahnhof im Vordergrund. In der Mitte die Kettwiger Straße.

Die erleuchtete Innenstadt mit dem Postbank-Hochhaus (li.) und dem, Hauptbahnhof im Vordergrund. In der Mitte die Kettwiger Straße.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Luftbildfotograf Hans Blossey sind spektakuläre Nachtbilder von Essen gelungen. Ein Gespräch über Faszination und Besonderheiten des Nachtflugs.

Herr Blossey, Sie sind eine Institution als Luftbildfotograf, haben bei vielen regionalen Buchprojekten mitgewirkt und sind seit Jahrzehnten auch für unsere Zeitung unterwegs, meistens natürlich bei Tageslicht. Wie ist es, in der Dunkelheit abzuheben?

Außergewöhnlich, man startet in eine ganz andere Welt. Es existiert nur das, was beleuchtet ist. Felder, Wälder, Wiesen und auch Dächer sind schwarz und so gut wie unsichtbar. Die sonst überdeutliche Ruhr und der Baldeneysee sind bis auf ein paar Lichtreflexe nicht zu sehen. Die Landschaft wird durchzogen von mehr oder weniger beleuchteten Straßen, alle fahrenden Autos sind erkennbar. Die Stadtzentren erstrahlen wie Lichtinseln im Schwarz. Innerhalb der beleuchteten Stadt gilt dann wieder die normale Ortskenntnis.

Was war besonders einprägsam beim Nachtflug über Essen?

Das Leuchten der Innenstadt, der Weihnachtsmarkt, die Warnlampen an den Hochhäusern. Auch das Fußballstadion an der Hafenstraße war hell erleuchtet, obwohl dort gar nichts los war. Den Turm der Funke-Zentrale können Sie ebenfalls noch aus 300, 400 Meter Höhe sehen, mit dem Teleobjektiv sogar die Schlagzeilen auf der Mediawall lesen.

„Tagsüber kann ich mich fast frei bewegen, nachts benötige ich Genehmigungen der Radarlotsen“

Was ist nachts als Flugzeugführer zu beachten?

Technisch gesehen unterliegt der Nachtflug der lückenlosen Koordination durch die Frankfurt-Langener Radarlotsen. Kann ich tagsüber mich fast frei bewegen nach dem Motto „Sehen und gesehen werden“, so bedarf es nachts eines Flugplans und der Genehmigung der Controller an den Radarschirmen.

Braucht man als Flugzeugführer eine besondere Nachtflugerlaubnis?

Ja, eine Zusatzausbildung zur Pilotenlizenz mit Theorie und vielen praktischen Übungen, Starts und Landungen bei Nacht und natürlich die Navigation über Funkfeuer und GPS. Dazu muss jeder Flug per Flugplan genehmigt werden.

Welche technische Ausrüstung haben Sie dabei, um das Lichtschauspiel am Boden festhalten zu können?

Erst einmal brauche ich einen Schal, eine wirklich warme Jacke und die Wollmütze. Und damit das mit den Fotos auch klappt, die neueste Kameratechnik und wahre Lichtwunder an Objektiven, die dem wenigen Licht bei großer Eigenbewegung von mindestens 120 km/h gerecht werden. Für die Fotografen unter uns: Die Belichtungszeit darf nicht unter 1/200sec. rutschen. ISO-Zahlen wandern rauf auf gelegentlich 12.800. Die Taschenlampen zum Objektivwechsel sind auch wichtig - im Flugzeug leuchten nur die blendfreien Instrumente vor sich hin.

Das klingt nach einem Abenteuer. Ist also ein Nachtflug über Essen etwas ganz Besonderes auch für einen Vielflieger wie Sie?

Absolut. Es ist fliegerisch anspruchsvoller, da man, obwohl auf Sicht geflogen wird, der Instrumenten-Navigation unterliegt. Und fotografisch ist es eine große technische Herausforderung - es ist so besonders wie es die Bilder sind.

Welches Motiv haben Sie in Essen am liebsten vor der Linse?

In Essen tut sich baulich sehr viel, etwa auf dem Zollverein-Areal, das ich immer wieder gerne anfliege. Mein Lieblingsmotiv ist aber die Margarethenhöhe, die aus der Luft genauso schön ist wie vom Boden aus, mit dem Marktplatz und dem interessant strukturierten Straßennetz. Man sieht selbst von oben die Wohnqualität. Gern schaue ich auch, was sich in Werden verändert hat, denn da bin ich aufgewachsen.

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