Bauhistorie

Einer der unbekanntesten Bunker in Essen öffnet sich

An der Wand steht noch „Brandwache“: Schulleiter Georg Greshake (links) vom Berufskolleg West zeigt Kollegen die Bunkeranlage im Keller.

Foto: Kerstin Kokoska

An der Wand steht noch „Brandwache“: Schulleiter Georg Greshake (links) vom Berufskolleg West zeigt Kollegen die Bunkeranlage im Keller. Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Das Berufskolleg West in Frohnhausen hat einen alten Luftschutzkeller. Im Oktober gibt es eine seltene Gelegenheit, die Anlage zu besichtigen.

Als die Nazis Schulen errichteten, bauten sie Bunker gleich mit ein. „Die wussten, dass bald die Bomben der Alliierten fallen würden“, sagt Georg Greshake, Leiter des Berufskollegs West (1650 Schüler), einem mächtigen Klinkerbau aus dem Jahr 1939. Er liegt am Westbahnhof. „Derartige Monumentalbauten“, schrieb damals die „Essener Allgemeine“, sind der Waffenschmiede des Reichs würdig.“ Es entstand damals die „größte Industrieberufsschule Deutschlands“, 1941 zogen die ersten Schüler ein, und 1942 war sie schon kaputt – man könnte sagen: wie zu erwarten war. Bei den Luftangriffen wurden einige Teile des vierflügigen Baus dem Erdboden gleichgemacht, doch was blieb, war der große, zweigeschossige Luftschutzkeller. Dies ist wohl einer der unbekanntesten Bunker der Stadt.

Vor Angst in die Hose gemacht

500 Bürger fanden in den Katakomben aus dicken Betonwanden Platz, und bei einer seiner seltenen Führungen, berichtet Schulleiter Georg Greshake, „war ein 75-Jähriger dabei, der sah eine Ecke und sagte: ,Da hab’ ich mir damals vor Angst in die Hose gemacht.’“

Wir gehen durch düstere Gänge, und die Räume sind mit Zwischenwänden abgeteilt: „Wenn ein Stück kaputtging, hatten die anderen noch eine Chance.“ An den Wänden sind noch die Original-Schriftzüge von damals: „Brandwache“, „Schleuse 3“, und dann macht Greshake das Licht aus, es brennen nur noch Teelichter auf dem Boden: „Viel mehr Licht wird damals nicht gewesen sein.“ Der Bunker war stets bewacht an seinen zwei Eingängen, „es gab richtige Türsteher, die entschieden, wer vor bei Bombenalarm hineinkommt und wer nicht.“

Jene, die hineinkamen, brachten eine Decke und einen Koffer mit, höchstens, „dieser Bunker hat vielen hundert Frohnhausenern das Leben gerettet.“

Bis in zwölf Meter Tiefe erstreckt sich der Keller, es gibt zugemauerte Türen, die nach Norden bis unters Krupp-Gelände führen, „das gesamte Erdreich hier ist ein einziger Schweizer Käse“, und auch das benachbarte Nixdorf-Berufskolleg gegenüber vom Westbahnhof sei auch rein unterirdisch zu erreichen.

Manchmal wird er auch im Unterricht eingesetzt

Als Greshake seinen Job als Schulleiter am Berufskolleg West im Jahr 2009 anfing, ließ er den hoch aufgetürmten Schutt aus dem verlassenen Keller räumen und machte ihn benutzbar.

Manchmal wird er auch im Unterricht eingesetzt, zum Beispiel im Fach Geschichte, oder von Berufsschülern, die in der Sicherheits-Branche ausgebildet werden. Original-Türen von damals gibt es auch noch, schwere Modelle aus Eisen.

Der damalige Oberbürgermeister würdigte die Bauarbeiten übrigens als „Stärkung der Kräfte, die zur Bewältigung der Aufgaben friedenspolitischer Art zum Einsatz gebracht werden müssten“.

So kann man das auch nennen.

Persönliche Führungen am „Türöffnertag der Maus“ vom WDR am Dienstag, 3. Oktober, 10 bis 15 Uhr. Eine Anmeldung ist erforderlich unter der E-Mail-Adresse peter.engels@t-online.de. Gezeigt wird auch eine alte Schmiede.

>>> 1300 BUNKER GAB ES IN ESSEN

Auf Essener Stadtgebiet gibt es nach Angaben der Verwaltung rund 1300 so genannter „Luftschutzanlagen“, 1000 davon sind stillgelegt. Der Rest wird unterhalten von der Stadt, der Baubetrieb des Landes oder Bundesbehörden.

Zu den jüngsten Bunkern der Stadt gehört der Luftschutzkeller unterm Arbeitsamt am Berliner Platz, 1988 als atomwaffensicherer Schutz errichtet. Hochbunker werden immer wieder Gegenstand von Versteigerungen: So zuletzt in Altendorf oder Rüttenscheid.

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