Epilepsie

Epileptische Anfälle bei Kindern: Tipps für Eltern

Dr. Claudio Finetti, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Elisabeth-Krankenhaus, gilt als Experte für Kinder-Neurologie – und für Epilepsie.

Dr. Claudio Finetti, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Elisabeth-Krankenhaus, gilt als Experte für Kinder-Neurologie – und für Epilepsie.

Foto: André Hirtz/Funke Foto Services

Essen.   Sie krampfen, sie krümmen sich: Epilepsie gilt als häufigste neurologische Krankheit bei Kindern. Der Essener Arzt Dr. Claudio Finetti weiß Rat.

Wenn das Kind krampft, kann das eine große Belastung für die ganze Familie sein. Doch in den vergangenen Jahren hat sich vieles getan bei der Behandlung von Epilepsie. Nach Auskunft von Dr. Claudio Finetti, Chefarzt der Kinderklinik am Elisabeth-Krankenhaus, stehen 20 verschiedene Medikamente zur Verfügung, zwischen denen der Arzt auswählen kann. Finetti zählt zu den großen Spezialisten im Bereich der Kinder-Epilepsie. Ein aktuelles Gespräch zum Europäischen Tag der Epilepsie.

Ihre Klinik bietet eines der wenigen Zentren für Kinderneurologie in der Region. Wie viele Kinder sind von Epilepsie betroffen?

Claudio Finetti: Etwa fünf Prozent der Kinder erleben bis zu ihrem 18. Lebensjahr mindestens einen epileptischen Anfall. Oft handelt es sich dabei aber um Einzelfälle, etwa als Antwort des noch unreifen Gehirns auf hohes Fieber. Etwa 0,5 Prozent der Kinder sind dauerhaft von einer Epilepsie betroffen. Wir sprechen hier über die häufigste neurologische Erkrankung im Kindesalter. Für Eltern ist es gerade am Anfang häufig ein Schock, wenn sie einen epileptischen Anfall bei ihrem Kind ansehen müssen.

Wie sollten sich Eltern in einer solchen Situation verhalten?

Auch wenn es schwer fällt: Am wichtigsten ist es, die Ruhe zu bewahren. Eltern sollten dafür sorgen, dass das Kind nicht zusätzlich gefährdet wird und sich bei einem epileptischen Anfall gefährlich stößt. Für die Ärzte kann es hilfreich sein, wenn die Eltern den Anfall filmen. Aber zunächst sollte natürlich die Sicherheit des Kinder im Vordergrund stehen. Nach dem Anfall sollte das Kind auf die Seite gedreht werden, damit nicht die Gefahr besteht, dass es an Erbrochenem erstickt. Es kann helfen, das Kind zu beruhigen, also mit ihm zu sprechen. Auch wenn noch nicht geklärt ist, wie viel das Kind in einer solchen Situation mitbekommt. Gerade wenn zum ersten oder zweiten Mal ein Anfall beobachtet wird, muss sofort Hilfe gerufen werden unter 112. Im Krankenhaus bekommen dann alle Eltern ein Notfallmedikament mit, das sie bei einem weiteren Anfall einsetzen können.

Wie lange dauert so ein epileptischer Anfall?

Das hängt von der Art des Anfalls ab. Bei den sogenannten „großen Anfällen“ geht man von einem Durchschnitt von 1,5 Minuten aus – in der Wahrnehmung der Eltern ist das gefühlt eine Ewigkeit. Aber es gibt ganz viele verschiedene Formen von Epilepsie. Viele verschwinden mit der Pubertät. Allen gleich ist aber, dass die Krämpfe durch Fehler im Gehirn ausgelöst werden.

Wie viele Kinder mit Epilepsie bzw. deren Eltern betreuen Sie in Ihrem kinderneurologischen Zentrum?

Zwischen 300 und 400 Betroffene werden es ungefähr sein. Eine Besonderheit in Essen sind die „Blitz Kids“, dabei handelt es sich um eine Selbsthilfegruppe für Eltern betroffener Kinder. Ein Mal im Monat treffen sie sich im Hörsaal-Zentrum des Elisabeth-Krankenhauses, das nächste Mal am 21. Februar um 18 Uhr. Oft bin ich selbst bei den Treffen dabei.

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