Klassentreffen

Erste Schulklasse des Aufbaugymnasiums Essen feiert Jubiläum

Die erste Klasse des Aufbaugymnasiums Essen bei der Einschulung im Jahr 1964. Die ersten beiden Jahre verbrachte  die gemischte Klasse an der früheren Humboldt-Schule, wechselte später in die heutige Unesco-Schule.

Die erste Klasse des Aufbaugymnasiums Essen bei der Einschulung im Jahr 1964. Die ersten beiden Jahre verbrachte die gemischte Klasse an der früheren Humboldt-Schule, wechselte später in die heutige Unesco-Schule.

Foto: Walter Brüggemann/Archiv

Essen-Südostviertel.   Vor genau 50 Jahren machten die ersten Schülerinnen und Schüler des Aufbaugymnasiums Essen ihren Abschluss. Nun folgt das Klassentreffen.

Im Jahr 1964 wollten rund 145 Volksschülerinnen und Schüler aus Essen zeigen, was in ihnen steckt: Sie stellten sich der Aufnahmeprüfung zum neu gegründeten Aufbaugymnasium, die seit 2002 Unesco-Schule heißt. Die erste Schulklasse überhaupt startete damals in der früheren Humboldt-Schule, um zwei Jahre danach zur Steinmetzstraße ins Südostviertel umzuziehen. 50 Jahre nach ihrem Abitur feiern die Absolventen nun ein Wiedersehen – und erinnern sich an ihre Schulzeit, die alles andere als einfach war.

Das Klassentreffen organisiert hat Manfred Gunkel: „Wir waren so etwas wie Vorreiter und zugleich weitergehend Kinder des Essener Nordens, oft aus bildungsfernen Schichten, die eine Chancen erhielten, zu zeigen, dass höhere Bildungsabschlüsse nicht nur der Mittel- und Oberschicht vorbehalten sind. Die Gründung des Aufbaugymnasiums hatte seiner Meinung nach auch mit dem „Sputnik-Schock“ aus dem Jahre 1957 zu tun. „Plötzlich wurde zunächst in Amerika erkennbar, dass gerade Ingenieure, Mathematiker, Physiker und Chemiker fehlten. So rückten auch die Spätzünder bildungspolitisch ins Bewusstsein.“

„Der Junge soll es besser haben“

Sein Klassenkamerad Herbert Musolf aus Karnap, der heute in Berlin lebt, kann dies nur bestätigen: „Mein Vater war Handwerker, ein Maurer. Er wollte, dass ich es irgendwann mal besser habe als er. Damals habe ich ihm oft helfen müssen, bei seinem Job.“ Für Herbert Musolf hat sich der Besuch des Gymnasiums ausgezahlt: „Ich hatte eigentlich immer eine künstlerische Ader und habe auf Initiative meines Vaters schon mit sechs Jahren das Malen begonnen.“ Am Ende studierte er allerdings Wirtschaftswissenschaften. „Ich wollte eben auch Geld verdienen. Deshalb war ein Folkwang-Studium dann doch kein Thema.“

An ihre gemeinsame Schulzeit denken die Absolventen mit gemischten Gefühlen zurück. „Schon die mehrtägige Aufnahmeprüfung hatte es in sich“, sagt Gunkel. Von den 140 Bewerbern schafften es gerade einmal 40.“ Als Klassenbester der Johann-Michael-Sailer-Schule in Schonnebeck war er zum Aufbaugymnasium gewechselt. Sein Klassenlehrer hatte ihm Mut gemacht: „Junge, du packst das.“ Doch die Realität sah anders aus: „Wir hatten bislang noch keine Fremdsprache erlernt. Und nun standen Latein und Englisch auf dem Stundenplan. Das war ein richtiger Kulturschock.“

Fremdsprachen waren ungewohnt

Doch nicht nur der Lernstoff hatte es in sich. Die Neuankömmlinge hatten mit Vorurteilen im Kollegium zu kämpfen. Wolfgang Freitag erinnert sich: Ein Lehrer stellte sich vor, sagte aber sofort, wir müssten uns seinen Namen eigentlich gar nicht merken, weil er nicht studiert habe, um Schüler unseres Schlages zu unterrichten.“

Schon deshalb ging Wolfgang Freitag auf Nummer sicher: „Die Aufnahmeprüfung dauerte vier Tage lang. Ich habe Ende der Woche noch eine Prüfung bei der Handelsschule abgelegt. Man konnte ja nicht wissen, wie das mit dem Gymnasium ausgeht.“ Und weil er gerade so schön im Stress steckte, hängte er am selben Samstagnachmittag noch die Prüfung beim Konfirmandenunterricht dran. Am Ende hat sich der ganze Einsatz gelohnt, obwohl Wolfgang Freitag zweimal durchs Abitur rauschte. „Geschadet hat mir das nicht“, sagt er, der später als Verlagsleiter arbeitete und heute in Mainz lebt.

„Dieter Flamm war ein Super-Lehrer“

An sein Scheitern denkt er heute eher mit einem Lächeln zurück: „Ich weiß noch, dass mir mein damaliger Klassenlehrer Dieter Flamm als Aufsicht noch die Englischtexte übersetzt hat, damit ich die Prüfung schaffe.“ Zudem sprang Flamm auch bei „Notfällen“ ein. „Auf einer Klassenfahrt in Berlin sind wir abends aus dem Fenster geklettert, um in der Innenstadt zu feiern. Da hat Lehrer Flamm die ganze Nacht an der Tür gesessen, weil er uns wieder ins Haus lassen wollte.“

Mit Dieter Flamm pflegten die Schüler bis zu seinem Ableben noch innigen Kontakt. „Er war auch bei unserer Feier zum 40-Jährigen noch dabei“, freut sich Walter Brüggemann. Auch bei ihm stand der Klassenlehrer hoch im Kurs: „Flamm war ein Superlehrer. Der wollte, dass wir etwas lernen, das war nicht bei allen Paukern so.“ Mit seiner Schulzeit verbindet er auch sonst Positives – in völlig anderer Beziehung: „In der Schule habe ich meine spätere Frau Gesa kennen und lieben gelernt.“

>> BESUCH AN DER UNESCO-SCHULE

Zur Feier des 50. Jahrestages ihres Abiturs kommen die Absolventen aus ganz Deutschland zusammen. Vom 17. bis 19. Mai treffen sie sich in Essen. Insgesamt 15 haben ihren Besuch angemeldet.

Gemeinsam werden sie die Unesco-Schule an der Steinmetzstraße besuchen, wo sie der ehemalige Schulleiter Norbert Kleine-Möllhoff empfangen wird. Später steht ein Besuch im Folkwang-Museum und ein Spaziergang mit ihrem früheren Kunstlehrer Wolfgang Kolks an.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben