Katastrophenschutz

Erste Sirenen sollen noch in diesem Jahr in Essen heulen

Um das gesamte Essener Stadtgebiet lückenlos abzudecken, werden 50 neue Sirenen benötigt.

Foto: IKZ WP

Um das gesamte Essener Stadtgebiet lückenlos abzudecken, werden 50 neue Sirenen benötigt.

Essen.   Ordnungsdezernent Christian Kromberg bereitet eine großräumige akustische Katastrophenwarnung in Essen vor. Multi-Media-System mit 50 Heulern.

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Wahrscheinlich werden noch in diesem Jahr die ersten Sirenen auf Essens Dächern heulen. Ordnungsdezernent Christian Kromberg will den Katastrophenschutz der Stadt ausweiten und tingelt derzeit mit dem Thema durch die Stadtteile.

„Wir brauchen 50 Sirenen, um das Stadtgebiet abzudecken. Aktuell wird an einem Schallgutachten gearbeitet, um die dafür nötigen Standorte festzustellen“, sagte Kromberg beim kommunalpolitischen Abend der CDU in Rüttenscheid. Mit insgesamt rund einer Million Euro Anschaffungskosten wird gerechnet. „Wir haben mit 750.000 Euro jetzt drei Viertel des Geldes zusammen“, verkündete Kromberg.

70.000 Euro Planungskosten für Sirenen

Diese Nachricht lässt aufhorchen. Die Idee an sich, die älteren Generationen noch bekannten Heuler – die Luftschutzsirenen wurden 1992 vom Bund abgeschaltet – wieder aufleben zu lassen, ist nicht ganz neu. Schon 2014 hat das Land NRW einen Zuschuss von knapp 210.000 Euro spendiert. Im Mai 2015 hat dann der Stadtrat den 23 Jahre alten Abschalte-Beschluss wieder einkassiert. Doch mit mehr als 70.000 Euro Planungskosten sollten die Sirenen den städtischen Haushalt nicht belasten. Ein Sponsorenkonzept wurde angedacht. „Das haben wir letztendlich nicht gebraucht. Ich bitte aber um Verständnis, dass wir die Unterstützer erst bei der Inbetriebnahme der Sirenen nennen“, so Kromberg auf Anfrage dieser Zeitung.

Die Landesmittel stünden auch jetzt noch zur Verfügung. Nicht unwahrscheinlich ist, dass Kromberg auch bei diversen Firmen auf dem Stadtgebiet offene Türen eingerannt hat. Denn die, um bei Betriebsunfällen direkt zu warnen, und Autobahn nahe Standorte, für den Fall eines Unglücks mit einem Gefahrenguttransporter, stehen zunächst im Fokus des Zivilschutz-Dezernenten. „Aber natürlich prüfen wir auch alle möglichen anderen Stellen“, berichtet Kromberg. Das könnten öffentliche Gebäude wie Schulen sein, aber auch private Häuser. Zusammengearbeitet werde mit den Nachbarstädten, damit nicht in den Grenzgebieten auf einmal zwei Sirenen Lärm schlügen – oder etwa gar keine.

Das Verhalten beim Ernstfall trainieren

Doch für Kromberg ist dies derzeit der kleinere Teil der Sicherheitsmission. Denn was nützen Sirenen, wenn niemand weiß, was dann zu tun ist? Oder wenn man sich des Nachts im Bett einfach auf die andere Seite dreht, als würde ein Autoalarm anschlagen? „Wir werden in den kommenden Monaten flächendeckend darüber informieren, wie man sich im Ernstfall beim Aufheulen der Sirenen verhalten soll. Wir wollen in die Schulen gehen, das Internet oder Flyer nutzen und einiges mehr“, kündigt Kromberg an.

Denn die Sirenen, die mit immer dem gleichen Ton arbeiten sollen, sind nur die erste Stufe eines weitaus komplexeren Informationssystems. „Es soll nur die Botschaft ,Medien anschalten’ kommunziert werden. Allerdings hätten wir aktuell dafür nur ein paar Autos mit Lautsprechern“, erläutert Kromberg. Die genaueren Anweisungen werden dann gezielter kommunziert. Mit dem Modularen Warnsystem (Mowas) hängt Essen seit 2013 an einer Multi-Media-Maschine. Via Satellit kann sich der Krisenstab direkt ins Radio, Fernsehen oder Internet einklinken und Warnungen abgeben, etwa „Fenster schließen“ oder „Passanten in die Wohnung aufnehmen“. An die Smartphone-App Nina des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz ist man schon gekoppelt, das Aufschalten an die Katwarn-App ist geplant. Doch bei aller Technik: Ohne die „gute alte“ Sirene scheint dies alles nur die Hälfte wert zu sein.

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