Radwege

Essen: Angespannte Lage zwischen Radfahrern und Fußgängern

Auf dem Gelände von Zollverein wird es auf den Wegen mitunter schon eng, wenn sich nur Radfahrer begegnen.

Auf dem Gelände von Zollverein wird es auf den Wegen mitunter schon eng, wenn sich nur Radfahrer begegnen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Gemeinsam genutzte Trassen, unerlaubt befahrene Gehwege und volle Strecken: Die Situation zwischen Radfahrern und Fußgängen birgt Konflikte.

Wie angespannt die Lage, wie gereizt die Atmosphäre mitunter zwischen Fußgängern und Radfahrern in Essen ist, das zeigte sich am Pfingstwochenende gleich mehrfach im Stadtgebiet. Freizeit und Sonne sorgen für volle Rad- und Fußgängerwege, wo dann brenzlige Situationen und hitzige, verbale Gefechte rasch die Folgen sind. In Stadtwald wurde eine 93-jährige Fußgängerin schwer verletzt, in Heisingen kam es zum Handgemenge. Aus dem Essener Norden kommen Klagen über Raserei. Experten sehen ein großes Konfliktpotenzial.

Auf der Fahrradtrasse in Richtung Rüttenscheid näherte sich eine Gruppe Rennradfahrer der 93-Jährigen, ein Radfahrer sah die Seniorin laut Polizei zu spät, da half auch sein Ausweichversuch nicht mehr. Die Fußgängerin kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Immer wieder berichten Nutzer der Grugatrasse, die sich Radfahrer und Fußgänger teilen, von gefährlichen Situationen – regelmäßig gibt es Unmut aller Beteiligter sowie derzeit heftige Diskussionen auch in den sozialen Medien.

Rangelei zwischen einer Seniorin und einer Gruppe von Radfahrern

Am Baldeneysee war es eine Gruppe von Radfahrern, die wiederum den reinen Fußweg am Ufer nutzte, wo es zu einer Rangelei mit einer Seniorin kam, die sich bedrängt fühlte. Kritik gibt es zudem an der Lösung auf der Kampmannbrücke mit dem geteilten Weg, die Folge seien chaotische Szenen heißt es dazu etwa auf Facebook („Radraser aus beiden Richtungen, Fußgänger aus beiden Richtungen“). Von rüpelhaften Radfahrern und lebensgefährlichen Situationen schreiben die einen, von uneinsichtigen Fußgängern, andere („wenn man dann klingelt, fühlen sich manche noch angemacht!“). Ein Vorschlag lautet: „Schritt fahren auf kombinierten Wegen.“ Rigoroser ist die Meinung: „Fußgänger und Rennrad gehören nicht in den gleichen Verkehrsraum.“

„Diese gemeinsamen Wege funktionieren nicht“, bestätigt Wolfgang Packmohr mit Blick auf die Sicherheit. Der frühere Chef der Verkehrsdirektion hat jüngst den Essener Ableger des Vereins „Fuss e.V.“ gegründet, wohlwissend auch um das Konfliktpotenzial zwischen Radfahrern und Fußgängern, das auch Radclubs längst erkannt hätten. Die Konflikte entstünden beispielsweise, wenn Radfahrer unerlaubt Gehwege nutzten sowie auf gemeinsamen Trassen: „Die Verkehrssituation funktioniert am sichersten auf getrennten Wegen.“ Wo diese gemeinsam genutzt würden, sei zumindest eine klare Trennung erforderlich, ein Grünstreifen etwa.

Keine Planung zu Lasten der Fußgänger

„Fußgänger brauchen dringend ihren Schonraum“, fordert er. Einen Gehweg also, bei dem sie nicht ständig Angst haben müssten, von hinten komme einer. So wie kürzlich, als Wolfgang Packmohr selbst beobachtete, dass zwei Radfahrer einen älteren Herren mit hohem Tempo gefährlich nahe überholten, da dieser zuvor offenbar ihr Klingeln nicht wahrgenommen hatte.

„Der Senior wusste gar nicht wie ihm geschah“, beschreibt Packmohr und appelliert, Rücksicht zu nehmen und vor allem das Tempo zu senken. Beides sehe das Gesetz ohnehin vor, erklärt Packmohr, der sich mitnichten als Gegner des Radfahrsports verstanden wissen will. Nur brauche jeder seinen Verkehrsraum, und diese Planung wiederum dürfe nicht zu Lasten der Fußgänger erfolgen.

„Radfahrer bestehen zurecht auf einen ausreichenden Sicherheitsabstand von mindestens anderthalb Metern im Straßenverkehr, weil sie gegenüber dem Kraftverkehr die schwächeren Verkehrsteilnehmer sind“, zeigt auch Leser Thorsten Schoch Verständnis. Im Gegenzug aber erwarte er, dass Radfahrer selber einen entsprechenden Sicherheitsabstand zu Fußgängern einhalten bzw. die Geschwindigkeit reduzieren, wenn es eng werde.

Zusammenstöße befürchtet, Rücksicht gefordert

Er sagt das nicht ohne Grund, sondern aus seiner jüngsten Erfahrung im Essener Norden: „Ich war in den vergangenen Wochen mehrfach auf unseren Wegen rund um Zollverein unterwegs. Unzählige Male wurde ich in einem Affenzahn mit einem Abstand von weniger als einem halben Meter überholt.“ Gerne seien es auch Gruppen, die nebeneinander fahren. Ein kleiner Schritt zur Seite reiche da schon, und es komme zum Zusammenstoß. Wenn sich mehrere Fußgänger begegnen und es wie derzeit regelmäßig voll werde, müssten auch Radfahrer ihr Tempo anpassen, lautet sein Appell. Und seine Bitte an die Radfahrer: „Denkt auch ihr an schwächere Verkehrsteilnehmer.“

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