Ermittlungen

Essen: Angriff auf Bündnis - Spur führt zu „Steeler Jungs“

Die rechtsradikalen Aufkleber an dem Büro von „Essen stellt sich quer“ sind von Mitarbeitern unkenntlich gemacht worden.

Die rechtsradikalen Aufkleber an dem Büro von „Essen stellt sich quer“ sind von Mitarbeitern unkenntlich gemacht worden.

Foto: Privat

Essen.  Zwei Verdächtige nach rechter Sticker- und Banner-Aktion ermittelt. Bei einem soll es sich um einen „Steeler Jung“ handeln, so der Innenminister.

Nach der rechtsradikalen Sticker-Aktion am Büro des Bündnisses „Essen stellt sich quer“ an der Steubenstraße und einem weiteren Zwischenfall mit Pyrotechnik am Rande einer „Aufstehen gegen Rassismus“-Versammlung in Steele haben die Ermittlungen von Staatsschutz und Staatsanwaltschaft zu mindestens zwei polizeibekannten Verdächtigen geführt.

Wie die Behörden zu wissen meinen, gehen die Straftaten auf das Konto von Mitgliedern einer neuen Essener Vereinigung. Die mutmaßlichen Täter, zu denen die Polizei mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen keinerlei Angaben machen will, werden der vierköpfigen Gruppe „Junge Patrioten Essen“ zugerechnet. Und auch wenn sich die Truppe als eigenständige Organisation darstellt: „Eine der Personen wird polizeilich der Gruppe ,Steeler Jungs’ zugeordnet“, heißt es in einem Bericht des Innenministeriums NRW für den kommenden Innenausschuss des Landtages.

Die Verdächtigen sind durch Eigentumsdelikte und Körperverletzungen polizeibekannt

Die identifizierten Männer sind bereits in der Vergangenheit durch Eigentumsdelikte und Körperverletzungen aufgefallen, heißt es. Aktuell werde gegen sie wegen des Verdachts der Sachbeschädigung und des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt.

Das Innenministerium schildert die polizeilichen Erkenntnisse der beiden Vorfälle inzwischen genauer: Am Abend des 13. Januar seien Aufkleber mit der Aufschrift „Antifa Gruppen Zerschlagen“ und „Organisiert Die Anti-Antifa! Good Night Left Side“ an dem Bündnis-Sitz angebracht worden. „ESSQ“-Mitarbeiter entfernten die Sticker, bevor sie ihre Entdeckung der Polizei mitteilten. Zwei weitere Aufkleber fanden sich später an einer Lore in der Nähe. Die Täter hatten ihr Treiben gefilmt und in den sozialen Netzwerken „Twitter“ und „YouTube“ veröffentlicht.

Auf einem Transparent der Rechten fand sich das Vereinslogo von Rot-Weiss Essen

Am 16. Januar kam es am Rande einer Versammlung, zu der das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ unter dem Motto „Kein Platz für rechte Bürgerwehren - Nazis raus“ in Steele aufgerufen hatte, zu einer Banner-Aktion der „Junge Patrioten Essen“, so das Innenministerium. Von einem Parkhausdach sei ein Transparent mit der Aufschrift „Love Football Hate Antifa“ gezeigt. Es seien auch pyrotechnische Gegenstände gezündet worden. Im Buchstaben ,,o“ von „Love“ war das Vereinslogo von Rot-Weiss Essen aufgemalt. Auch über diese Aktion berichtete die Gruppierung im Internet.

Auf wessen Konto der gewaltsame Angriff auf den ehemaligen „ESSQ“-Sprecher im Südostviertel geht, ist nach wie vor unklar. Max Adelmann war im Dezember vor den Bündnisräumen angegriffen und niedergeschlagen worden. Seitdem sucht die Polizei nach dem unbekannten Mann, der sich mit Kappe, Sonnenbrille und Schal komplett vermummt hatte. Der Täter ist etwa 1,75 bis 1,80 Meter groß, trug eine beigefarbene Jacke und war ansonsten dunkel gekleidet.

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