Archäologie

Archäologen stoßen auf mittelalterlichen Wohnturm in Essen

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Die Burgruine ist das Wahrzeichen von Burgaltendorf.

Die Burgruine ist das Wahrzeichen von Burgaltendorf.

Foto: Jennifer Humpfle

Burgaltendorf.  Neben der Burgruine von Burgaltendorf wurden Reste eines ehemaligen Rittersitzes entdeckt. Essens Stadtarchäologe spricht von einer Sensation.

Erst war es nur eine Vermutung. Mittlerweile spricht Johannes Müller-Kissing von „einer kleinen Sensation“: Für Essens Stadtarchäologen spricht derzeit alles dafür, dass die Burg hoch oben über der Ruhr in Burgaltendorf viel älter ist, als bislang bekannt. Müller-Kissing stützt sich dabei auf die Ergebnisse von Bodenuntersuchungen, die jüngst in der Vorburg der mittelalterlichen Burgruine vorgenommen wurden. Dabei stieß man auf Überreste eines sogenannten Mottenhügels, auf dem nach Einschätzung des Archäologen einstmals ein befestigter Wohnturm gestanden haben dürfte.

Das Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster hatte die Vorburg im Frühjahr dieses Jahres mit einem Bodenradar untersucht. „Wir wollten es einmal ausprobieren“, berichtet Johannes Müller-Kissing. Denn die Vorburg war aus Sicht der Stadtarchäologie bislang ein „weißer Fleck“. Grabungen hatte es zwar schon im 19. Jahrhundert gegeben, so der Stadtarchäologe. Doch wissenschaftlichen Ansprüchen genügten diese nicht.

Die Geschichte von Burgaltendorf muss um ein Kapitel ergänzt werden

Das Radargerät fand Überreste eines mittelalterlichen Brunnens und eben jene kreisrunde Struktur, bei der es sich laut Müller-Kissing einst um einen von einem Graben umgebenen Mottenhügel handelt. „Das hat uns umgehauen“, sagt der Stadtarchäologe. Die Geschichte von Burgaltendorf muss wohl um ein neues Kapitel ergänzt werden.

Neues Kapitel in der Geschichte der Burgruine Burgaltendorf
Neues Kapitel in der Geschichte der Burgruine Burgaltendorf

Motte nennt man einen befestigten Wohnturm, bis zu drei Stockwerke hoch, errichtet meistens aus Holz, seltener aus Stein. „Ein guter Zimmermann war im Mittelalter leichter zu finden als ein guter Maurer“, erläutert Müller-Kissing. Eine Motte war häufig von einem Graben und einer Palisade umgeben. „Es war eine kleine Festung“, so der Stadtarchäologe, in der ein Ritter mit seiner Familie und seinen Bediensteten lebte.

Dass eine solche Motte an der Burg in Burgaltendorf gestanden hat, liegt für Stefan Leenen buchstäblich nahe. Als Mittelalter-Experte beim Archäologischen Landesmuseum in Herne hat Stefan Leenen 2010 die vielbeachtete Ausstellung „Aufruhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen“ kuratiert.

Die Sonderausstellung widmete sich der Ritterzeit im Ruhrgebiet, ausgehend vom Mord am Kölner Erzbischof Engelbert durch Graf Friedrich von Isenburg. Auch der Nachbau einer Motte war im Landesmuseum zu sehen. Seinen Bewohnern bot ein solches Bauwerk ausreichend Schutz vor Angreifern. „Auch ein Turm aus Holz war ohne Weiteres einfach in Brand zu setzen“, so Stefan Leenen.

Für Ausgrabungen an der Burgruine reicht das Budget der Stadtarchäologie nicht aus

Über das heutige Burgaltendorf herrschten ab Mitte des zwölften Jahrhunderts die Herren von Altendorf. Das Adelsgeschlecht stand in Diensten der Essener Äbtissinnen. „Die Burg wurde erstmals 1356 urkundlich erwähnt, archäologische Funde sind aber vor Mitte des 14. Jahrhunderts datiert“, weiß Stefan Leenen zu berichten. Dass der Herr über Altendorf in einem befestigten Wohnturm lebte, wäre aus Sicht des Mittelalterforschers nur schlüssig. Und zwar solange, bis sich der Herr Ritter gleich nebenan eine neue Burg bauen ließ.

Was läge näher, als die Überreste nun auch auszugraben? Johannes Müller-Kissing reagiert zurückhaltend: „Das ist auch eine Kostenfrage.“ Eine wissenschaftliche Grabung würde schnell einen sechsstelligen Betrag verschlingen und das Budget der Stadtarchäologie damit überschreiten. Und: „Jede Grabung zerstört das Bodendenkmal.“

Essens Stadtarchäologe könnte sich gleichwohl vorstellen, dass die Hinweise auf den mittelalterlichen Wohnturm Interesse wecken, womöglich bei einer Hochschule für eine Lehrgrabung angehender Archäologen. Doch das bleibt vorerst Theorie.

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