Bundestagswahl

Essen auf Rekordkurs: Schon 101.000 haben gewählt

Noch nicht alles, aber vieles im Kasten: Rüdiger Lohse (vorne) mit vollen Briefwahl-Urnen, die am Sonntag in der Uni-Mensa ausgezählt werden. Siegfried M. Fakesch, Luca Seewald, Claus Ludwigs und Ahmet Taykutgül (von links) sind bereit.

Foto: Kerstin K okoska

Noch nicht alles, aber vieles im Kasten: Rüdiger Lohse (vorne) mit vollen Briefwahl-Urnen, die am Sonntag in der Uni-Mensa ausgezählt werden. Siegfried M. Fakesch, Luca Seewald, Claus Ludwigs und Ahmet Taykutgül (von links) sind bereit. Foto: Kerstin K okoska

Essen.   Rekord bei der Briefwahl stellt das Essener Wahlamt vor Probleme – und könnte im knappen Mitte-Süd-Wahlkreis am Sonntagabend das Ergebnis herauszögern.

Wahlkampf auf der Zielgeraden: Die einen verteilen Blümchen auf der Rü, die anderen gehen von Haus zu Haus, und im Gewerkschaftshaus kreuzen die Kandidaten des Abends noch einmal verbal die Klingen. An gut 101 000 wahlberechtigten Essenern ging dieses Buhlen um politische Zuneigung allerdings vorbei, denn bei ihnen waren die beiden Stimmen zu diesem Zeitpunkt längst im Kasten.

Der bisherige Essener Rekord von 91 000 Briefwahl-Voten, aufgestellt bei der Bundestagswahl 2005, ist damit locker übertrumpft. Doch daraus zu schließen, dass auch die Wahlbeteiligung diesmal in ungeahnte Höhen schnellt, wäre für Rüdiger Lohse vom Wahlamt voreilig: Es sei ja nicht ausgeschlossen, dass immer mehr Wähler die Sache einfach nur hinter sich bringen und den Sonntag frei haben wollen.

Pro Briefwahl-Bezirk 1600 Stimmen, das dauert

Derweil stellt die Flut an Wahlbriefen die örtliche Behörde vor Probleme: Obwohl die Stadt noch eilends vier weitere Briefwahl-Bezirke einrichtete, muss jedes dieser Teams am Sonntagabend im Extremfall bis zu 1600 Stimmen auswerten. Und das kann dauern. Ein vorläufiges Endergebnis werde wohl „kaum vor 23 Uhr“ feststehen, heißt es – zumal die Wahl vor vier Jahren im umkämpften Mitte-Süd-Wahlkreis nur hauchdünn entschieden wurde: mit drei Stimmen am Wahlabend und 93 Stimmen bei der angeordneten Nachzählung, Tage später.

Für Verzögerungen könnte aber auch ein anderer Umstand sorgen: Die Stadt will aufmerksamer denn je die telefonisch aus den Wahllokalen durchgegebenen und in die Rechen-Software eingepflegten Schnellmeldungen mit den später am Abend eingereichten Wahlniederschriften vergleichen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass im Falle eines Hacker-Angriffs eine falsche Vorabmeldung in die Welt kommt, die man später korrigieren muss. Immerhin, die umstrittene, weil offenbar mit Schwachstellen gespickte Software PC-Wahl wird in Essen nicht mehr verwandt. „Gott sei Dank“, sagt Lohse, verlässt man sich seit 2014 auf eine „hochmoderne“ Software des Gütersloher Anbieters „vote iT“.

AfD-Kandidat Keuter hat Chancen auf ein Mandat

So oder so: Es dürfte eine spannende Wahlnacht werden, nicht nur in der Frage, wer im Mitte-Süd-Wahlkreis das Rennen macht. Sondern weil mögliche Ausgleichs-Mandate einigen auf der Reserveliste vermeintlich schlecht abgesicherten CDU-Kandidaten noch den Weg ins Parlament ebnen könnten.

Daneben richtet sich der Blick auf den Zuspruch für die rechtspopulistische AfD, deren Bundestagskandidat Stefan Keuter mit seinem NRW-Listenplatz 11 durchaus Chancen für einen Einzug in den Bundestag eingeräumt werden. Keuter soll sich bereit halten, hat ihm die Partei signalisiert. Er fährt am Sonntag zur AfD-Wahlparty nach Berlin. In seinem Schlepptau: Guido Reil.

Eine letzte Wahlprognose von der Uni

Bis zuletzt haben sie gerechnet, am Sonntag wird sich dann zeigen, ob die vier Studenten Arda Cayci, Erik Karger, Marko Kureljusic und Kevin Sigmund bei ihrem Uni-Projekt einer Wahlvorhersage besser liegen als Emnid und Co.

Ihre Zahlen: CDU 35,73%, SPD 22,14%, AfD 10,69%, Linke 9,39%, FDP 9,23%, Grüne 7,99%, Sonstige 4,83%

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik