Bombe

Essen: Zehn-Zentner-Bombe im Nordviertel ist entschärft

Sprengmeister Frank Stommel am Freitagmorgen am Fundort der Bombe.

Sprengmeister Frank Stommel am Freitagmorgen am Fundort der Bombe.

Foto: Niewerth

Essen.  Im Nordviertel in der Nähe des Großmarktes ist eine Bombe gefunden worden. Der Blindgänger ist am Freitagabend entschärft worden.

Eine amerikanische Zehn-Zentner-Bombe ist am Freitag an der Bülowstraße / Am Freistein in der Nähe des Essener Großmarktes (Nordviertel) gefunden worden. Der Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg ist noch am Freitag entschärft worden. Zuvor mussten viele Betriebe, aber auch Schulen und Verwaltungsgebäude in der Umgebung evakuiert werden. Die Evakuierung zog sich in die Länge, da die Einsatzkräfte immer wieder Personen im Gefahrenbereich entdeckten. In unserer Chronik finden Sie den Verlauf des Einsatzes:

Unser Live-Ticker:

21.26 Uhr: Die Zehn-Zentner-Bombe ist erfolgreich entschärft worden. Nun werden nach und nach die Sperrstellen aufgehoben. Die Anwohner können wieder in ihre Wohnungen zurück.

20.49 Uhr: Die Entschärfung beginnt.

20.37 Uhr: Die Evakuierung dauert weiter an. Über 240 Personen haben sich mittlerweile in der Betreuungsstelle eingefunden, so Stadtsprecherin Jasmin Trilling. Auch die Krankentransporte sind noch nicht abgeschlossen.

20.09 Uhr: Die Evakuierung ist noch nicht abgeschlossen. Denn immer wieder treffen die Einsatzkräfte auf Personen im inneren Bereich. Erst wenn die Gefahrenzone geräumt ist, kann die Entschärfung beginnen.

19.26 Uhr: Nun wird auch der äußere Bereich zugezogen – und ist damit für den Verkehr dicht. Unterdessen läuft im inneren Bereich die Evakuierung weiter.

19.13 Uhr: Der innere Bereich werde nun zugezogen, erklärt Stadtsprecherin Jasmin Trilling. Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind auf ihrem zweiten Durchgang durch die Gefahrenzone unterwegs. Zusätzlich fahre die Feuerwehr zu wichtigen Gebäuden und kontrolliere diese nochmals. Eine Vielzahl von Krankentransportern wurde bereits durchgeführt: 72 Bewohner einer Awo-Einrichtung und 51 weitere Transporte.

18.55 Uhr: Die Zahl der Betreuten in der Sammelstelle Gladbecker Straße hat sich weiter erhöht. „Wir kümmern uns jetzt um 150 Personen“, so der Krisenstab. Eine nette Geste: Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen schaute am Abend in der Turnhalle vorbei, um sich bei den zahlreichen Helfern zu bedanken. Auch bei dieser Bombenentschärfung kommen viele ehrenamtliche Helfer von DRK, Johannitern, DLRG etc zum Einsatz. Der OB sprach auch mit den evakuierten Menschen.

18.25 Uhr: Wenn der äußere Ring zugezogen wird, ertönt als Hinweis die Betriebssirene des Unternehmens Evonik-Goldschmidt, das sich in der Nähe des Bomben-Fundortes befindet.

18.05 Uhr: In der Betreuungsstelle Turnhalle Gladbecker Straße kümmern sich die Einsatzkräfte aktuell um 76 Bürger. Angesichts der Corona-Vorsichtsmaßnahmen seien die Bürger beim Betreten der Sammelstelle gefragt worden, ob sie sich gesundheitlich gut fühlten. Das hätten alle Befragten bejaht, heißt es aus dem Krisenstab.

17.55 Uhr: Die Stadt hat die Zahl der Einsatzkräfte weiter aufstocken müssen. „Jetzt sind 350 Kräfte im Einsatz“, sagt Jasmin Trilling. Es sei sogar Verstärkung aus den Nachbarstädten Mülheim, Duisburg und Oberhausen angefordert worden. Grund der Aufstockung seien die „vielen, vielen Krankentransporte“ gewesen. Im Awo-Altenheim seien allein 72 Krankentransporte für bettlägerige Senioren notwendig gewesen. Hinzu kamen 45 Krankentransporte, die aus dem Evakuierungsgebiet per Anruf beim Bürgertelefon bestellt wurden.

15.25 Uhr: Rund 330 Einsatzkräfte sind bei der Arbeit – das dürften so viele sein wie noch nie bei der Entschärfung eines Bomben-Blindgängers auf Essener Stadtgebiet. Mitarbeiter der Stadt Essen, der Feuerwehr, der städtischen Tochterfirma RGE, außerdem Angestellte mehrerer privater Sicherheitsdienste und vieler Hilfsorganisationen sind vor Ort. Einige Gebäude sind mittlerweile geräumt - zum Beispiel das Job Center Essen Nord, das Veterinäramt, das Haus des Handwerks und andere. Stadtsprecherin Jasmin Trilling geht davon aus, dass die Sperrung der Straßen und der Beginn der Entschärfung am späten Nachmittag bzw. am Abend erfolgen. Vorher seien außerdem noch Krankentransporte zu bewältigen.

13.32 Uhr: Rund 3.000 Anwohner müssen evakuiert werden. Sie leben nach den Einwohnermeldeamts-Daten der Stadt im inneren Kreis. Im äußeren Kreis sind etwa 7.000 Bürger gemeldet. Zu den Objekten, die evakuiert werden müssen, zählt auch ein Altenheim. „Das wird noch ein gutes Stück Arbeit“, sagt Feuerwehr-Sprecher Mike Filzen. Bei der Ruhrbahn sind Busse angefordert worden, die die Senioren – darunter auch Bettlägerige – in ein halbleer stehendes DRK-Altenheim an der Minnesängerstraße (Freisenbruch) fahren sollen. Das Gymnasium Nord-Ost an der Katzenbruchstraße, das auch geräumt werden muss, hat heute seinen Unterricht vorzeitig beendet.

13.13 Uhr: Zur zentralen Sammelstelle für alle evakuierten Anwohner und Mitarbeiter von betroffenen Firmen wird die Turnhalle der Uni an der Gladbecker Straße 180 eingerichtet. Wegen der Coronavirus-Gefahr wird jeder Bürger, der die Halle betritt, zuvor gefragt, ob er sich wirklich gesund fühlt.

13.07 Uhr. Die Werkssirene von Evonik wird ertönen, wenn „luftschutzmäßiges Verhalten“ im äußeren Radius angesagt ist. „Luftschutzmäßiges Verhalten“ bedeutet: Man muss sich im Gebäude in einem Raum aufhalten, das nicht an der Seite liegt, die zum Bombenfundort zeigt.

13.05 Uhr: Direkt gegenüber der Fundstelle Am Freistein befindet sich das Domizil des Deutsch-Kurdischen Kulturvereins. Ein Dutzend Mitglieder hat sich dort versammelt, um am Freitagsgebet teilzunehmen. Es beginnt diesen Freitag um 13 Uhr. Die Nachricht vom Bombenfund nehmen die Männer in der Teestube gelassen auf.

12.58 Uhr: Wer heute Klettern gehen wollte, hat Pech: Das Kletterzentrum „Neoliet“ an der Graf-Beust-Allee muss wegen der Entschärfung geschlossen bleiben.

12.57 Uhr. Es wird eine der aufwändigsten Evakuierungen und Sperrungen der letzten Zeit. Allein 76 Sperrstellen muss die Stadt einrichten. Private Sicherheitsdienste stellen Personal, weil Stadt und Feuerwehr nicht genügend Leute zusammenbekommen. Die Bürger-Hotline unter 0201 - 1238888 ist derzeit belegt für das Info-Telefon der Stadt zum Thema Corona; kann aber jetzt auch angerufen werden, falls man wegen der Entschärfung Fragen hat. „Das Telefon ist doppelt besetzt mit Experten zum Thema Corona und mit Experten zum Thema Entschärfung“, berichtet Stadt-Sprecherin Jasmin Trilling.

12.41 Uhr: Die Chemiefirma Evonik (Goldschmidt) hat ausschließlich ihre Werkstätten im „inneren Kreis“, der komplett geräumt werden muss. Die Produktionsanlagen liegen im 1000-Meter-Radius. Das heißt: Es muss kein Produktionsstopp erfolgen, erklärte ein Evonik-Sprecher. Den Mitarbeitern wird empfohlen, um 15 Uhr das Werk zu verlassen, weil später mit Verkehrsbehinderungen gerechnet wird.

11.46 Uhr. Die Bombe war gefunden worden, nachdem man Luftbilder von 1945 ausgewertet hatte. Sie zeigten verdächtige Löcher im entsprechenden Gebiet. 36 Bohrungen wurden erforderlich, um die Bombe zu finden. Die Bombe war bereits am Donnerstag ausgemacht worden – in sieben Metern Tiefe. Wegen des hohen Grundwasserspiegels konnte sie nicht sofort entschärft und geborgen werden. Sprengmeister Frank Stommel: „Wir mussten zunächst Brunnenringe setzen, um ein Abpumpen des Wassers zu ermöglichen.“

Die Stadt weist mittlerweile darauf hin, dass die anstehende Sperrung des Gebiets zu Komplikationen im Nahverkehr und im Individualverkehr führen wird. Unter anderem wird die Ruhrbahn-Linie 107 (nach Zollverein) wird von den Sperrungen betroffen sein.

11.32 Uhr: Im Bereich des 500-Meter-Radius’, in dem komplett evakuiert werden muss, liegen auch Teile des Betriebsgeländes der Chemiefirma Evonik (früher Goldschmidt). Was das konkret für die Produktionsabläufe bei Evonik bedeutet, und ob das die geplante Evakuierung in die Länge zieht, ist jetzt noch nicht abzusehen.

11.10 Uhr: In der Nähe des Fundortes liegt auch das Gewerbegebiet „Graf Beust“. Viele Firmen könnten von den notwendigen Evakuierungs-Maßnahmen betroffen sein: Im Umkreis von 500 Metern muss alles geräumt werden; weiteren Radius von 1.000 Metern ist „luftschutzmäßiges Verhalten“ angesagt.

Der Fund vom Freitag ist die zweite Bombe im Essener Stadtgebiet im Jahr 2020.

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