Menschen mit Behinderungen

„Essen braucht endlich auch Taxis für Rollstuhlfahrer“

Udo Vogel setzt sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein. Er selbst nennt sich einen Barrieren-Abbauer.

Udo Vogel setzt sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen ein. Er selbst nennt sich einen Barrieren-Abbauer.

Foto: Foto: Socrates Tassos

Essen.  Udo Vogel ist auf einen E-Rollstuhl angewiesen. Mit dem Taxi fahren kann er nicht, denn es gibt keine geeigneten Fahrzeuge. Das soll sich ändern.

Udo Vogel sitzt seit 2011 im Rollstuhl und weiß, was es bedeutet, sich als Behinderter im Alltag zu bewegen. Er selbst nennt sich einen „Barrieren-Abbauer“. Immer wieder legt er den Finger in die Wunde, wenn es etwas zu verbessern gilt. Damit Menschen mit Behinderungen am öffentlichen Leben teilnehmen können.

Vogels jüngstes Beispiel: Für Rollstuhlfahrer, die in Essen ein Taxi nehmen wollen, ist das schwierig bis unmöglich. „Man kann ein Taxi nur benutzen, wenn man sich vom Rollstuhl ins Taxi umsetzen kann und der Rollstuhl in den Kofferraum passt“, weiß Udo Vogel aus eigener Erfahrung. Wer, wie er selbst, auf einen schweren Elektro-Rollstuhl angewiesen ist, bleibt buchstäblich am Straßenrand zurück. Denn: „Es gibt keine Taxe, wo man über eine Rampe ins Fahrzeug fahren kann“, bedauert Udo Vogel.

Auch der Umstieg in einen „Taxi-Bus“ der Ruhrbahn ist nicht möglich

Auch Fahrten mit Nachtexpress-Linien der Ruhrbahn seien für E-Rolli-Fahrer somit nicht möglich. Und zwar dann, wenn Fahrgäste laut Fahrplan in einen Taxi-Bus umsteigen müssen, um an ihr Ziel zu gelangen.

Statt einer Taxe können E-Rolli-Fahrer zwar einen Mietwagen nutzen; für Krankentransporte gibt es entsprechende Fahrzeuge. „Hier muss man sich allerdings zwei bis drei Tage vorher anmelden, eine spontane Fahrt ist nicht möglich“, so Vogel.

Mietwagen sind zudem nicht an den Taxi-Tarif gebunden. Der Fahrpreis ist deshalb höher. Udo Vogel hat einmal nachgerechnet: Eine Fahrt mit dem Mietwagen vom Berliner Platz nach Gerschede, wo er zuhause ist, würde ihn 36 Euro kosten. Mit dem Taxi kostet die gleiche Strecke nicht einmal die Hälfte: 17 Euro.

Der Umbau eines Fahrzeugs zum „Rollstuhltaxi“ kostet bis zu 10.000 Euro

Warum gibt es in Essen keine geeigneten Taxen für Elektro-Rollstühle? Den Unternehmern seien Anschaffung oder Umbau zu teuer, heißt es bei Taxi Essen. Udo Vogel hat sich schlau gemacht: Zwischen 7500 und 10.000 Euro würde es kosten, ein Fahrzeug, das für den gewünschten Zweck infrage kommt, umzubauen. Ein solches Taxi könne auch für „normale Fahrten“ genutzt werden, betont Udo Vogel.

Handeln müsste die Stadt, sagt Vogel und verweist nach Berlin oder Stuttgart, wo es entsprechende Förderprojekte gibt. Die schwäbische Metropole will den behindertengerechten Umbau mit bis zu 10.000 Euro fördern, wenn das Fahrzeug mindestens drei Jahre im Einsatz ist. Auch könnte die Stadt neue Konzessionen nur unter der Bedingung vergeben, dass der Lizenznehmer auch ein „Rollstuhltaxi“ anbietet.

Essens Sozialdezernent Peter Renzel hat die Anregungen bereits entgegengenommen. Die Verwaltung werde nun Erfahrungen auswerten, die andere Städte gemacht haben – und „kreativ damit umgehen“, verspricht Renzel. Udo Vogel ist schon gespannt.

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