Einweihung

Essen: Die neue Kampmannbrücke über die Ruhr ist eröffnet

113 Meter weit überspannt die Kampmannbrücke die Ruhr am Beginn des Baldeneysees zwischen Heisingen und Kupferdreh. Das Bauwerk ist insgesamt 173 Meter lang.

113 Meter weit überspannt die Kampmannbrücke die Ruhr am Beginn des Baldeneysees zwischen Heisingen und Kupferdreh. Das Bauwerk ist insgesamt 173 Meter lang.

Foto: Foto: Socrates Tassos

Essen.  Nach 38 Monaten Bauzeit verbindet eine Schrägseilbrücke Kupferdreh und Heisingen. Bürger aus beiden Stadtteilen feierten den Brückenschlag.

Das Bergbauorchester Essen intonierte das Steigerlied, Oberbürgermeister Thomas Kufen schritt mit der Schere zur Tat: Nach 38 Monaten Bauzeit eröffnete Essens Stadtoberhaupt am Freitag die neue Kampmannbrücke zwischen Heisingen und Kupferdreh. Ein schöner Tag für Essen, ein besonders schöner für die Bürger auf der Ruhrhalbinsel. Den Umweg über die Autobahn bleibt ihnen ab sofort erspart.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass die Stadt eine Brücke baut. Das bis dato jüngste Brückenbauwerk führt über die Bahngleise an der Nünningstraße in Frillendorf. Wer dort nicht entlang fährt, wird davon kaum Notiz genommen haben. Die neue Kampmannbrücke ist da ein anderes Kaliber. 27 Meter hoch ragen die beiden Pylone weit sichtbar übers Ruhrtal.

2005 unternahm die Stadt Essen den ersten Anlauf für den Bau einer neuen Brücke

Nicht zuletzt wegen der Nähe zur Heisinger Aue, einem Naturschutzgebiet von europäischem Rang sei der Bau der Brücke komplex und anspruchsvoll gewesen, berichtete Sebastian Linden vom Stuttgarter Ingenieurbüro Schlaich Bergmann & Partner, das die Brücke entworfen hat. Dass die Bauzeit um gerade Mal vier Monate überschritten wurde, sei bei Projekten dieser Art nicht selbstverständlich.

Die Stadt selbst hatte sich hingegen alle Zeit der Welt gelassen, bis sie sich zu einem Neubau durchrang. 2005 unternahm die Verwaltung einen ersten Anlauf. Dass es am Ende eine Schrägseilbrücke und keine Hängebrücke wie ursprünglich geplant wurde, war den Kosten geschuldet. Die summierten sich auf 14,3 Millionen Euro.

Fahrgastschiffe der Weißen Flotte können nun unter der Kampmannbrücke durch fahren

Dafür hat Essen „eine sehr schöne Brücke“ bekommen, befand Oberbürgermeister Kufen. 173 Meter lang ist das Bauwerk und 11,70 Meter breit. Hinüber geht es auf zwei Fahrspuren und einem 3,50 Meter breiten Rad- und Fußweg. Bei einer Höhe von 4,70 Metern über dem Wasserspiegel können die Fahrgastschiffe der Weißen Flotte Baldeney unter der Brücke hindurch fahren, vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft bis nach Steele.

Im Vergleich dazu bot die alte Kampmannbrücke, Anfang der 1950er Jahre eigentlich als Provisorium erbaut, über Jahrzehnte einen geradezu bemitleidenswerten Anblick. Immerhin, sie schaffte es sogar ins Fernsehen. Götz George alias Kommissar Horst Schimanski pinkelte von der Brücke in die Ruhr. „Bitte nicht nachmachen“, rief Kufen den versammelten Bürgern aus Heisingen und Kupferdreh zu, die sich zur feierlichen Eröffnung eingefunden hatten.

Ein Schnaps erinnert an Hermann Kampmann, der 1895 die erste Brücke bauen ließ

Den nötigen Treibstoff bot die Bürgerschaft Kupferdreh am Brückenkopf in Form des Quellpüters dar. Das Gemisch aus Korn und Wermut, welches in Kupferdreh schon seit 1850 oft und gerne verköstigt wurde, ist eine hochprozentige Reminiszenz an Hermann Kampmann. Der Inhaber einer Schnapsbrennerei auf der Kupferdreher Ruhrseite war es, der 1895 die erste, nach ihm benannte Brücke bauen ließ.

Auf heitere Worte folgten nachdenkliche: Kufen versäumte es nicht an den tragischen Tod von Adam Mieczyslav Januszewski zu erinnern. Der Bauarbeiter aus Polen war im Mai 2018 von der Kampmannbrücke in die Ruhr gestürzt und ertrunken. Der Leichnam des 42-Jährigen wurde erst Tage später im Baldeneysee entdeckt. Die genauen Umstände des Unglücksfalls sind bis heute nicht endgültig geklärt. An sein Schicksal erinnert eine Gedenktafel an einem der Brückenpfeiler.

Leid und Freud’ liegen oft dicht beieinander, sagte der OB. An diesem Tag überwog die Freude.

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