Coronavirus

Essen: Lidl verweigert Müllmännern Zutritt - OB protestiert

Müllwerkern der Entsorgungsbetriebe - hier ein Archivbild - wurde der Zutritt zum Lidl-Markt in Essen-Werden verwehrt - nur weil sie Müllwerker sind. Nach Protesten hat sich das Unternehmen entschuldigt.

Müllwerkern der Entsorgungsbetriebe - hier ein Archivbild - wurde der Zutritt zum Lidl-Markt in Essen-Werden verwehrt - nur weil sie Müllwerker sind. Nach Protesten hat sich das Unternehmen entschuldigt.

Foto: Ulrich von Born / FUNKE Foto Services

Essen.  Wohl wegen Corona-Nervosität verweigert ein Mitarbeiter drei Müllwerkern den Zutritt in die Werdener Filiale. Lidl hat sich bei EBE entschuldigt.

Das ging für Lidl nach hinten los: Ein offenbar überforderter Mitarbeiter der Filiale Werden der Lebensmittelkette verwehrte am Mittwoch drei Müllmännern der Essener Entsorgungsbetriebe den Eintritt. Dominik Wally Wallner, Kevin Puni und Andre Broschinio wollten in Ihrer Pause Kaffee und Brötchen kaufen, wurden jedoch am Eingang rüde abgewiesen.

„Seid ihr von der Müllabfuhr - dann kommt ihr sowieso nicht rein“

„Seit ihr von der Müllabfuhr?“ „Ja“ „Dann kommt ihr hier sowieso nicht rein“ - so schildern die drei Männer in Orange den Hergang des kurzen Dialogs, der sich offenbar tatsächlich so abgespielt hat. Denn am späten Nachmittag bestätigte die Sprecherin der Entsorgungsbetriebe den Vorgang und dass Lidl klein beigab: „Lidl hat sich inzwischen bei den Entsorgungsbetrieben Essen in aller Form entschuldigt und versichert, dass der erlebte Vorfall eine Ausnahme bleiben wird.“ Hintergrund der Weigerung war offenbar die Sorge, die EBE-Leute seien in Coronavirus-Zeiten eine besondere Gefahr für Mitarbeiter und die anderen Kunden.

Am Donnerstag war der Vorgang, den die drei Betroffenen über soziale Medien bekannt gemacht hatten, bereits zu einem Politikum geworden. Sogar Oberbürgerbürger Thomas Kufen schaltete sich ein, nahm nach eigenen Angaben Kontakt zu einem leitenden Mitarbeiter von Lidl auf und protestierte gegen das Vorgehen.

Lidl spricht von einem Missverständnis, das nicht mehr vorkomme

„Die Lebensmittelkette bestätigte, dass es keine Weisung gebe, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe nicht einzulassen. Es sei zu einem Missverständnis über die aktuelle Einkaufswagen-Pflicht gekommen, so die Aussage der Leitung“, berichtet der OB. Diese soll den Zugang regulieren und gleichzeitig für den vorgeschriebenen Abstand zu anderen Personen sorgen. „Die Stadtspitze bestand in dem Telefonat darauf, dass diese Pflicht vernünftig und klar kommuniziert werden müsse“, so die städtische Pressestelle.

„Habe mich noch nie so erniedrigt gefühlt“

„Sind wir von der Müllabfuhr in Zeiten von Corona Menschen zweiter Wahl? Haben die Mitarbeiter, die jeden Tag probieren die Infrastruktur der Stadt Essen am Laufen zu halten, so etwas verdient? Ich habe mich mein ganzes Leben noch nie so erniedrigt gefühlt wie in diesem Moment“, schreiben Dominik Wally Wallner, Kevin Puni und Andre Broschinio, die in ihren Pflichten aber trotz der schlechten Behandlung nicht nachlassen wollen; „Wir tragen weiterhin Orange und leeren auch in Corona-Zeiten weiter alle Mülltonnen, auch die von Lidl-Mitarbeitern.“

Der OB mühte sich, die wunden Müllwerker-Seelen zu beruhigen „Ich möchte diesen Vorfall meinerseits zum Anlass nehmen, Ihnen allen für Ihre Arbeit im Dienste der Essenerinnen und Essener zu danken. Sie leisten gerade in der aktuellen Situation großartige Arbeit und gehören zu den wichtigen Stützen unserer Infrastruktur“, so Thomas Kufen.

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