Krankenhäuser

Essen: Marienhospital macht zum 1. Oktober weitgehend dicht

Aller Protest wie hier vor der Firmenzentrale in Huttrop nützte nichts: Die Contilia-Tochter KKE gibt zum 1. Oktober den stationären Betrieb im Marienhospital Altenessen auf.

Aller Protest wie hier vor der Firmenzentrale in Huttrop nützte nichts: Die Contilia-Tochter KKE gibt zum 1. Oktober den stationären Betrieb im Marienhospital Altenessen auf.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen.  Der Abschied auf Raten am Marienhospital Altenessen geht in die letzte Etappe. Zum 1. Oktober wird die stationäre Versorgung beendet.

Der auf den Schildern verewigte Name, er hat bald nur noch Erinnerungswert, denn die Hospitalstraße in Altenessen muss ab dem bevorstehenden 1. Oktober ohne Hospital auskommen. Damit endet drei Monate früher als geplant und bis zum Beweis des Gegenteils eine 132 Jahre währende Krankenhaustradition im Herzen des Stadtteils.

Seit langem schon gingen „Flurgerüchte“ um, dass Klinikbetreiber Contilia den fürs Marienhospital ursprünglich ins Auge gefassten Schließungstermin am Jahresende kaum abwarten werde. Auf gezielte Nachfrage wand man sich jedoch stets wortreich um eine Bestätigung herum – bis zu diesem Freitagmorgen.

Schließungstermin wird „personalbedingt“ drei Monate vorgezogen

Da teilte Jens Egert, Geschäftsführer der Contilia-Tochter KKE als Träger der katholischen Krankenhäuser im Essener Norden, offiziell mit, dass die Intensivstation am Marienhospital „personalbedingt“ nicht über den 1. Oktober fortgeführt wird. Was in der Folge auch bedeute, „dass wir ebenfalls ab dem 1. Oktober keine stationären Patientinnen und Patienten mehr versorgen werden und auch das OP-Programm einstellen“.

Zuweisende Ärzte, die Rettungsdienste sowie die Feuerwehr seien bereits über die neue Situation informiert. Mögliche Patienten, die fußläufig im Marienhospital Altenessen vorsprechen, sollen vorübergehend an einem Infoschalter im Eingangsbereich über die weitestgehende Aufgabe des Betriebs informiert werden. Zudem werde man bei Bedarf Fahrten in die anderen Krankenhäuser des Trägers organisieren. Auch telefonisch unter der Rufnummer 0201/6400-1310 oder unter der Mail-Adresse info@kk-essen.de will man Rede und Antwort stehen. Patienten der ambulanten Physiotherapie kommen nur noch bei bereits vereinbarten Terminen zum Zuge.

OB Kufen sieht Contilia nach wie vor „nicht als Teil der Lösung“

Oberbürgermeister Thomas Kufen zeigte sich in einer erste Reaktion weiter vergrätzt über den Kurs des Klinikbetreibers: Er müsse „feststellen, dass die Contilia durch ihre Entscheidungen Fakten schafft und sich einmal mehr nicht als Teil der Lösung für eine gesundheitliche Versorgung im Essener Norden versteht“. Der OB appelliert an die Geschäftsführung, „sich für ein zukunftsfähiges Konzept für den Standort und die medizinische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger einzubringen. Das bedeutet, endlich konkrete Pläne für Altenessen und Borbeck vorzulegen.“

Denn die fehlen nach wie vor. Nur punktuell gibt die KKE etwa in Mitarbeiter-Informationen preis, an welchen Stellen Umzüge und bauliche Veränderungen im Gange oder geplant sind. So sind in der vergangenen Woche Mitarbeiter der Geschäftsführung, Pflegedirektion und des Projektmanagements aus dem Marienhospital in Räumlichkeiten des Borbecker Philippusstiftes umgezogen, wo die Contilia-Tochter ihre Klinik-Aktivitäten konzentriert.

Notarztwagen fahren das Marienhospital ab Oktober nicht mehr an

Immerhin: Die KV-Notfallpraxis soll nach derzeitigem Stand ihre Arbeit am Standort Marienhospital fortführen. Auch die Zentrale Notaufnahme des Krankenhauses bleibt über den 1. Oktober 2020 hinaus rund um die Uhr geöffnet – „in einem angepassten Betrieb“, wie es am Freitag hieß, denn Notarzt- oder Rettungswagen sollen die Klinik nicht mehr anfahren. Wer im Notfall persönlich vorspricht, wird nicht mehr in Altenessen stationär untergebracht, sondern auf eines der anderen Hospitäler verteilt.

Im Falle des nicht gar so weit entfernten St. Vincenz-Krankenhauses in Stoppenberg ist dies allerdings ebenfalls nur eine Lösung auf Zeit, denn auch diese Klinik soll spätestens zum Jahresende ihre Pforten schließen. Ob es am Ende auch hier vorzeitige Auflösungserscheinungen gibt, ist noch nicht ausgemacht: Man sei, so formulierte es eine Sprecherin, „noch immer in der Phase der Planung und Vorbereitung“.

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