Ehrenamt

„Essen packt an“ zieht in ehemaliges Chinarestaurant

Die Bürgerinitiative "Essen packt an" zieht für ein halbes Jahr in das ehemalige Restaurant Mayflower am Weberplatz.

Die Bürgerinitiative "Essen packt an" zieht für ein halbes Jahr in das ehemalige Restaurant Mayflower am Weberplatz.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Die ehrenamtlichen Helfer von„Essen packt an“ beleben das Restaurant am Weberplatz. Übernahme der Immobilie durch die Stadt verzögert sich.

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Bis zum Ende des Jahres zieht „Essen packt an“ ins ehemalige chinesische Restaurant „Mayflower“ am Weberplatz. Mit vor allem sozialen Projekten will die Bürgerinitiative die Immobilie in den kommenden Monat beleben. Für die Ehrenamtler ist diese Zeit ein Testballon, denn sie träumen von eigenen Räumlichkeiten für soziale Aktionen.

„Eine Art Ideenhaus, ein „Unperfekthaus“ für soziale Angelegenheiten möchten Initiativen-Mitgründer Markus Pajonk und seine Mitstreiter initiieren – und dafür soll die Immobile, die der „Unperfekthaus-Gründer Reinhard Wiesemann gekauft hat und der Initiative nun zeitweise zur Verfügung stellt, der erste Schritt sein. „Wir sind offen für kreative Ideen, die eine gute Nachbarschaft unterstützen“, sagt Pajonk.

Haus soll an die Stadt gehen

Eigentlich will Wiesemann das Haus der Stadt übergeben, damit diese dort ein Bürgerbegegnungszentrum initiiert. Doch es gibt Verzögerungen: „Nachjustierungen in Sachen Brandschutz sind notwendig, um die Baugenehmigung zum Abschluss zu bringen, die wir für notwendige Umbauten brauchen“, so Jugendamtsleiter Ulrich Engelen. Wiesemann will, dass das Objekt auch in der Planungs- und Vorbereitungszeit nützlich sei: „Und ,Essen packt an’ hatte ich es eh schon öfters für Aktionen gegeben.“

Zum Beispiel vor anderthalb Monaten: Da hat die Initiative dort eine Haarschneide-Aktion für Obdachlose auf die Beine gestellt. Die Ehrenamtler organisierten professionelle Friseure und Fußpfleger, die die Wohnungslosen gratis bedient haben. „Es ist erstaunlich, wie das Selbstbewusstsein der Menschen wächst, wenn sie durch die Aktion wieder ein gepflegtes Äußeres erhalten“, so Markus Pajonk. Daher wiederholt die Initiative diese Aktion am Samstag, 12. August: Von 17 bis 22 Uhr sind Menschen ohne festen Wohnsitz aufgerufen, sich am Weberplatz 3 verschönern zu lassen.

Initiative kann spontan helfen

Doch will sich „Essen packt an“ nicht primär als Obdachlosenhilfe verstanden wissen. Gegründet als spontanes Hilfsprojekt nach dem Pfingststurm, sehen sich die Ehrenamtler heute vor allem als niederschwellige Nachbarschaftshilfe. „Wir können, frei von Strukturen, spontaner helfen als mancher Verein, der erstmal prüfen muss, ob sich eine Aktion auch mit der Satzung verträgt“, betont Pajonk.

Sowohl Awo als auch Diakoniewerk Essen als professionell strukturierte Verbände sehen das Engagement „grundsätzlich positiv“, jedoch wünscht sich die Diakonie eine bessere „Einbindung in professionelle Systeme“: „Eine bessere Abstimmung mit den Trägern verhindert Parallelangebote und könnte bestehende Lücken füllen“, so Joachim Eumann, Geschäftsführer des Diakoniewerks Essen.

Dabei geht „Essen packt an“ durchaus originelle Wege: Parallel zur Spielemesse vom 26. bis 29. Oktober in der Messe Essen ruft die Initiative die „Nacht der Spiele“ im „Mayflower“ aus: „Viele Familien können sich den Eintritt zur Spielemesse nicht leisten “, erläutert Pajonk. Also wollte man eine Alternative schaffen, bei der jeder, der möchte, zusammen spielen kann.

Aktion zum Tag des Lesens

Im Oktober möchte sich die Initiative am Tag des Lesens mit einer Vorleseaktion im ehemaligen China-Restaurant beteiligen: Am 17. November soll jeder, der Lust hat, vorlesen oder sich vorlesen lassen. „Im vergangenen Jahr haben wir dazu eine recht kurzfristig organisierte Premiere im ehemaligen Supermarkt organisiert“, erzählt Pajonk. Mit größerem Vorlauf erhoffe man sich nun eine größere Resonanz.

Auch in der Vorweihnachtszeit soll es Aktionen im Mayflower geben: etwa eine Kinder-Weihnachts-Tafel am 9. Dezember: „Eltern oder Großeltern aus prekären Lebenssituationen können sich dann Weihnachtsgeschenke bei uns abholen“, erläutert Pajonk. Zudem soll es einen Indoor-Adventsmarkt geben.

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