Illegales Straßenrennen

Essen: Raser nach Horror-Crash am Berliner Platz angeklagt

Der Berliner Platz wurde nach dem Raser-Unfall am frühen Abend des 12. Mai für mehrere Stunden gesperrt.

Der Berliner Platz wurde nach dem Raser-Unfall am frühen Abend des 12. Mai für mehrere Stunden gesperrt.

Foto: Justin Brosch

Essen/Gelsenkirchen.  Eineinhalb Jahre ist der Raser-Unfall mit fünf Verletzten in der Essener City her. Jetzt wurde Anklage gegen zwei Autofahrer (23/24) erhoben.

Eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Raser-Unfall mit fünf teils schwer verletzten Passanten am Berliner Platz in der Essener Innenstadt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die beiden Autofahrer erhoben: Die inzwischen 23 und 24 Jahre alten Männer aus Gelsenkirchen müssen sich vor Gericht verantworten, weil sie sich nach Überzeugung der Ermittler zu einem illegalen Straßenrennen mit massiven Folgen verabredet haben, was durch den sogenannten Raser-Paragrafen unter Strafe steht.

Wie Oberstaatsanwältin Anette Milk gegenüber dieser Zeitung berichtete, wird den beiden beschuldigten Deutschen mit türkischen Wurzeln vorgeworfen, durch ein nicht erlaubtes Kraftfahrzeugrennen vorsätzlich Leben und Werte gefährdet zu haben. Ihnen droht nach dem Strafgesetzbuch somit eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Weil sie in dem Kreisverkehr am Berliner Platz die Kontrolle über ihre Autos, ein 5er BMW und ein Mercedes CLK 320, verloren, wurden fünf Menschen, darunter zwei Kinder, zum Teil erheblich verletzt - „bis hin zu Knochenbrüchen, die operiert werden mussten“, so Milk.

Die Innenstadt war „erkennbar gut besucht“ am frühen Abend des 12. Mai

Die Innenstadt sei am frühen Abend des 12. Mai „erkennbar gut besucht und befahren gewesen“, heißt es in der Anklage, als die beiden Gelsenkirchener über die Bundesstraße 224 nach Essen fahren und zunächst ziellos durch die Essener City gondeln, „um ihre Autos zur Schau zu stellen“. Weil ihnen das auf Dauer womöglich langweilig wird, sollen sie auf die fixe Idee gekommen sein, „im Rahmen eines Wettbewerbs einen Sieger zu ermitteln“. Am Ende gab es bekanntlich nur Verlierer.

Am Berliner Platz geben die beiden Gas, fahren mit „weit über 50 Stundenkilometern“ auf der mittleren und rechten Spur in den Kreisverkehr, bis die starken Fliehkräfte den innen fahrenden BMW unkontrollierbar machen, das Auto nach rechts außen ausbricht, den Mercedes touchiert und aus der Bahn bringt, der wiederum gegen eine Ampel kracht. Einige Fußgänger, die dort gegen 18.15 Uhr auf Grün warten, können noch zur Seite springen, andere werden von dem Wagen oder Wrackteilen erwischt, die durch die Luft wirbeln.

An der Lichtzeichenanlage entsteht ein Schaden in Höhe von 17.000 Euro

Fünf Passanten, vier aus Essen und einer aus Düsseldorf, werden verletzt, drei davon schwer, darunter zwei Kinder, erst fünf und sieben Jahre alt. Die Opfer werden versorgt, Straßen gesperrt. Die Polizei, unterstützt von einer Einsatzhundertschaft, und die Feuerwehr sind sechs Stunden im Einsatz, um die schlimmsten Spuren zu beseitigen. An der Lichtzeichenanlage, die aus der Verankerung gerissen wird, entsteht ein Schaden von 17.000 Euro, weiß Oberstaatsanwältin Anette Milk.

Nach dem Horror-Crash werden die beiden Unfallwagen sichergestellt - der Mercedes ist Schrott - und die Führerscheine der beiden Unfallfahrer zumindest vorläufig entzogen. Das „vorläufig“ soll möglichst gestrichen werden: Die Staatsanwaltschaft will vor dem Amtsgericht „wegen charakterlicher Uneignung auf eine Entziehung der Fahrerlaubnisse hinwirken“, wie es Milk formuliert. Nachdem die Justiz bereits die Beschlagnahme der beiden Autos angeordnet hatte, werden die „eigentlichen Eigentumsverhältnisse“ ebenfalls in dem Verfahren erörtert.

Warum es bis zum Abschluss des Verfahrens gut eineinhalb Jahre gedauert hat, kann die Sprecherin der Essener Staatsanwaltschaft nicht genau sagen. Ursächlich könnte womöglich der rechtliche Streit um Fahrerlaubnisse und Fahrzeuge, aber auch die Vielzahl der Geschädigten sein, bei denen letztlich abzuwarten blieb, wie sich deren Verletzungen entwickelten.

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