Wohlfahrtsverband

Essen: Rauswurf bei der Caritas wühlt die Belegschaft auf

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Das Haus der Caritas am Porscheplatz: Für zwei Abteilungsleiter ist hier Feierabend, eine personelle Maßnahme, die viele in der Belegschaft und darüber hinaus auf die Palme bringt.

Das Haus der Caritas am Porscheplatz: Für zwei Abteilungsleiter ist hier Feierabend, eine personelle Maßnahme, die viele in der Belegschaft und darüber hinaus auf die Palme bringt.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Die ohnehin miese Stimmung bei der Bistums-Caritas eskaliert: Zwei Abteilungsleiter mussten gehen, die Belegschaft schlägt zurück – beim Bischof.

Unterhaken kann nie schaden: „Miteinander durch die Krise“, heißt also mit Blick auf Corona das aktuelle Motto bei der Caritas, und ergänzend wird beteuert: „Das machen wir gemeinsam“. Nun ja, fast. Denn zwei leitende Mitarbeiter des Caritasverbandes im Bistum Essen sind seit kurzem nicht mehr mit von der Partie: Sie wurden nach einem Personalgespräch vor versammelter Mannschaft kurzerhand des Hauses verwiesen. „Wie Schwerverbrecher vom Hof gejagt“, klagt ein Mitarbeiter entsetzt.

Und das, obwohl sie sich nichts hätten zu Schulden kommen lassen, was Beobachter doch arg an eine ähnliche Aktion in Reihen der Arbeiterwohlfahrt vor gut einem Jahr erinnert: Wie damals bei der Awo geht es auch bei der Bistums-Caritas um finanziellen Druck und einen Prozess der Umstrukturierung, um personelle Konsequenzen und mehr als das: Um aufgestauten Frust, um Berater, die so häufig wechseln wie die Caritas-Direktoren, und um die Frage, ob ein Wohlfahrtsverband nicht einen anderen Umgang mit den eigenen Leuten pflegen sollte, noch dazu unter kirchlichen Fittichen. Kurzum: Es lodert Feuer unterm Dach der Caritas.

„Es besteht ein großes Maß an Verunsicherung – mitunter Angst“, heißt es im Brief

Die Belegschaft ist alarmiert und einige aus ihren Reihen so verbittert, dass sie dieser Tage einen Brandbrief an Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck geschrieben haben. „Es besteht ein großes Maß an Verunsicherung – mitunter Angst – im Kreise der Mitarbeiterschaft“, bekommt der darin zu lesen, und der Protest richtet sich nicht nur gegen den Umgang mit geschätzten Vorgesetzten, sondern auch dagegen, dass der anstehende Umbau der Caritas-Arbeit nur im kleinen Kreis besprochen und beschlossen worden sei – „ohne jede Beteiligung der Mitarbeitenden“, wie es im Brief an den Bischof heißt.

Was die Sache dabei pikant macht: Abgesegnet wurde das Vorgehen offenbar vom Caritasrat, und dessen Vorsitzender ist kein Geringerer als Klaus Pfeffer, Generalvikar des Bistums und damit Overbecks Stellvertreter.

Es regt sich Protest: „Wir müssen da einen anderen Anspruch haben“

Ob es auch anders geht? Es muss anders gehen, behaupten Leute wie Markus Kampling, Geschäftsführer der Katholischen Pflegehilfe, der sich auf Anfrage „in Mark und Bein erschüttert“ zeigt, welcher Umgang bei der Caritas gepflegt wird: „Wir müssen da einen anderen Anspruch haben.“

Das gelte sowohl für den Umgangsstil mit Mitarbeitenden wie auch für den Umgang mit der inhaltlichen Neuausrichtung. Statt alle einzubinden und auf dem Weg mitzunehmen, so wie es die katholische Kirche bei den Debatten auf dem „Synodalen Weg“ zuletzt vorgemacht hat, werde da etwas von oben verordnet. Die Fakten seien längst geschaffen, die Delegiertenversammlung der Bistums-Caritas soll bei ihrer Sitzung an diesem Donnerstagabend nur noch „zustimmend zur Kenntnis nehmen“.

Ex-Caritas-Beschäftigte sind erschüttert: „Wir haben das nicht für möglich gehalten“

Auch eine Handvoll ehemaliger Caritas-Mitarbeiter hat sich intern bereits zu Wort gemeldet, spricht von einem „respektlosen“ Umgang mit Beschäftigten und einem „eklatanten Verstoß gegen das Gebot einer vertrauensvollen Zusammenarbeit“: „Wir haben nicht für möglich gehalten, dass ein derartiges Vorgehen unter dem Dach der katholischen Kirche im Bistum Essen möglich ist“, heißt es.

Die Caritas, um eine Stellungnahme gebeten, mochte die Gelegenheit zu einer Stellungnahme nicht nutzen. Dass die beiden geschassten Mitarbeiter „nicht sozial abstürzen“, wie es in einer Caritas-Parole heißt, dafür dürfte wie schon damals bei der Awo womöglich das Arbeitsgericht sorgen. Wie praktisch: einer der beiden Betroffenen ist Jurist.

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