Ermittlungen

Essen: Rechte missbrauchen RWE-Logo - Verein wehrt sich

Das Logo des Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen ist geschützt. Dennoch haben es Rechte für eine Banner-Aktion missbraucht.

Das Logo des Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen ist geschützt. Dennoch haben es Rechte für eine Banner-Aktion missbraucht.

Foto: Thorsten Tillmann

Essen.  Fußballverein prüft rechtliche Konsequenzen für Mitglieder der „Jungen Patrioten Essen“. Zudem reagiert RWE auf einen Offenen Brief von Links.

Nach dem Missbrauch des Logos von Rot-Weiss Essen durch die rechte Gruppe „Junge Patrioten Essen“ in Steele prüft die Vereinsführung an der Hafenstraße rechtliche Konsequenzen. „Wir werden versuchen, dagegen vorzugehen“, sagte RWE-Vorstand Marcus Uhlig am Donnerstag, um sich von dem Vorfall klar zu distanzieren: „Natürlich ist es nicht akzeptabel, wenn unser Logo rechtswidrig missbraucht wird. Und schon gar nicht in einem politischen Kontext gleich welcher Couleur.“ Dass das Markenzeichen geschützt ist, hielt die vom Staatsschutz inzwischen identifizierten Täter offenbar nicht von ihrer Aktion ab.

Nach dem sogenannten Bannerdrop von Mitgliedern der „Jungen Patrioten“, die im Januar ein Transparent mit der Aufschrift „Love Football - Hate Antifa“ samt RWE-Signet von einem Steeler Parkhaus herab entrollten, hat die Essener Gruppe „Aufstehen gegen Rassismus“ die Leitung des Fußball-Regionalligisten in einem Offenen Brief um Stellungnahme gebeten.

Der RWE-Vorstand will einen Offenen Brief zu dem Vorfall beantworten

Der RWE-Vorstand machte gegenüber dieser Zeitung deutlich, dass sich die Positionierung des Vereins aus seiner Satzung ergebe: Bei aller parteipolitischen Neutralität, zu der man verpflichtet sei, lehne man jedwede Form von Extremismus, Rassismus und Diskriminierung ab. Die Einflussnahme auf die Gesinnung mancher Anhänger des Vereins sei aber beschränkt.

„Wer an unseren Werten zweifelt, der mag sich anschauen, was wir tagtäglich im Sport und über unsere soziale Initiative leisten, um mit Menschen aus vielen Nationen maximal integrativ zu arbeiten“, sagte Uhlig: „Dabei ist es völlig egal, wer wo herkommt.“

Steeler Jungs rekrutieren Mitglieder aus dem Umfeld der RWE-Fanszene

In dem Offen Brief der Essener Aktivisten an Rot-Weiss Essen heißt es unter anderem: „Seit rund zwei Jahren marschiert mit den sogenannten ,Steeler Jungs’ nahezu wöchentlich eine Gruppe durch den Essener Stadtteil Steele, die Teile ihrer Mitglieder aus dem Umfeld der RWE-Fanszene, insbesondere der Hooligan-Gruppe ,Alte Garde Essen’ rekrutiert.“ Die, so heißt es, hätten Verbindungen zu den Bandidos, Rockern, Kampfsportlern und organisierten Nazis, zum Beispiel der faschistischen Kleinstpartei „Die Rechte“ in Dortmund, die mit zahlreichen Übergriffen in Verbindung gebracht werde.

„Auch wir beobachten gewisse Entwicklungen aufmerksam und sind in ständigem Austausch mit den Behörden“, betonte der RWE-Vorstand am Donnerstag in seiner Antwort an „Aufstehen gegen Rassismus“. Gegen den Missbrauch des Logos gehe der Verein im Rahmen seiner rechtlichen Möglichkeiten genauso vor, wie man gewalttätige Übergriffe und Drohungen verurteile, heißt es in dem Schreiben.

„Allerdings warne ich davor, in diesem Kontext zu hohe Ansprüche an einen Fußballverein zu stellen“, formuliert Uhlig: „Es ist uns weder möglich, am Stadioneingang eine Gesinnungskontrolle vorzunehmen, noch zu definieren, wer sich als Fan fühlt.“ Politisch sei RWE „weltanschaulich neutral“. Man werde es nicht zulassen, als Verein vor den Karren einer politischen Richtung gespannt zu werden, so Uhlig: „Rot-Weiss Essen kann und darf weder Spielball noch Bühne einer politischen Auseinandersetzung sein.“

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