Zivilschutz

Essen rüstet auf: 86 Sirenen warnen im Katastrophenfall

86 solcher Heuler sollen ausreichen, um das Essener Stadtgebiet akustisch abzudecken.

Foto: Kai Kitschenberg

86 solcher Heuler sollen ausreichen, um das Essener Stadtgebiet akustisch abzudecken.

Essen.   Der Rat der Stadt soll noch im November den Schalter umlegen. Dann bekommt Essen ein neues Zivilschutzsystem. Aber die Finanzierung steht noch nicht.

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220 Sirenen auf Gebäudedächern machten Essens einst zur Stadt der schrillenden Pilzköpfe – bis die Bundesregierung bar eines jeden Bedrohungsgefühls im November 1993 verfügte: Die Tonschleudern kommen weg. Bald kehren sie zurück: Der Rat der Stadt soll in seiner Sitzung Ende November den politischen Schalter umlegen, damit Essen ein neues flächendeckendes akustisches System für den Zivilschutz der Bevölkerung bekommt. Und das wird nicht nur teurer als noch vor knapp zwei Jahren geplant, sondern auch um einiges umfänglicher.

Zunächst hielt die Stadt 51 Sirenen für völlig ausreichend

Zunächst war die Stadt davon ausgegangen, dass 51 Sirenenstandorte ausreichend sein müssten, um jeden Winkel der Stadt akustisch abdecken zu können. Ein eigens in Auftrag gegebenes Schallgutachten aber kam zu einem anderen Ergebnis: Essen benötigt 86 der hochmodernen elektronischen Schall-Schleudern, will man nicht einen erklecklichen Teil der Bürger zu Ahnungslosen im Katastrophenfall machen.

Mehr Technik bedeutet nicht nur mehr Investitionen, sondern auch mehr Wartungskosten, rechnete die Stadt am Mittwoch im Ausschuss für Öffentliche Ordnung vor. Fas Gremium signalisierte dennoch Zustimmung für das Vorhaben, bevor der Rat das letzte Wort hat. Hatte die Stadt ursprünglich mit Kosten von knapp 1,2 Millionen Euro kalkuliert, sind’s inzwischen über 1,8 Millionen Euro.

Unterm Strich fehlen noch 1,1 Millionen, um das ganze Vorhaben zu stemmen

Die allerdings sind zum Teil schon durchfinanziert: Insgesamt stellt das Land rund 416 000 Euro für das Vorhaben zur Verfügung und weitere Gelder zumindest in Aussicht. Dazu kommt eine dicke Spende der Essener Evonik Industries AG in Höhe von 300 000 Euro. Und da auch der Bund das Thema Ausbau des Zivilschutz als ein wichtiges erkannt hat, sind mögliche Bundesmittel zumindest nicht auszuschließen. Darauf bauen, das wissen die Verantwortlichen in Essen auch, sollte man allerdings nicht. Fehlen unterm Strich also noch 1,1 Millionen, die nach und nach eingeworben werden sollen, nicht zuletzt über Sponsoren, die sich der Sicherheit der Bevölkerung verpflichtet fühlen können.

Doch die Finanzierungslücke macht zunächst eine neue Strategie notwendig: Die bereits zur Verfügung stehenden rund 700 000 Euro sind geeignet, etwa 40 Prozent der geplanten Sirenen-Standorte einzurichten. In der Prioritätenlisten finden sich deshalb wichtige Verkehrswege, Betriebe mit besonderen Notfallplänen und „Objekte, die aus einsatztaktischen Überlegungen bevorzugt behandelt werden sollten“, so die Stadt.

Bis das ganze System steht, dürfte allerdings noch einige Zeit ins Land ziehen, schätzt der städtische Ordnungsdezernent Christian Kromberg: „Bis zum Vollausbau können durchaus zwei bis drei Jahre vergehen.“

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