Verkehrssicherheit

Essen soll den dreidimensionalen Zebrastreifen testen

In der Stadt Linz in Österreich wird der dreidimensionale Zebrastreifen, der wie ein Schwebebalken wirkt, seit kurzem angewendet. 

Foto: Fotokerschi.At

In der Stadt Linz in Österreich wird der dreidimensionale Zebrastreifen, der wie ein Schwebebalken wirkt, seit kurzem angewendet.  Foto: Fotokerschi.At

Essen.   Ein dreidimensionaler Zebrastreifen soll Autofahrer dazu bewegen, langsam zu fahren. Vor ihnen tauchen optische Balken auf. Bald Test in Essen?

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Ein neuer dreidimensionaler Zebrastreifen, der wie ein aneinander gereihter Balken-Strang über der Fahrbahn schwebt, soll Autofahrer dazu bewegen, sich vorsichtiger und langsamer dem Fußgänger-Übergang zu nähern.

Denn vor ihnen Augen tauchen diese Balken wie eine Sperre auf. In Wahrheit handelt es sich aber nur um eine optische Täuschung. In mehreren Städten, darunter in Düsseldorf, gibt es bereits Initiativen für diesen mit einer speziellen Maltechnik aufgetragenen 3-D-Zebrastreifen.

Jetzt soll er auch in Essen an einer geeigneten Stelle getestet werden. Die Grünen wollen dazu einen Prüfantrag im Bau- und Verkehrsausschuss stellen, kündigt der Ausschussvorsitzende Rolf Fliß an. Die Verwaltung soll einen Standort aussuchen. „Dieser Versuch muss aber wissenschaftlich begleitet werden“, fordert er.

Höhere Gefahr von Auffahrunfällen?

Fliß glaubt zwar, dass 3-D- Zebrastreifen zu einer Verlangsamung des Kfz-Verkehrs und damit zu mehr Sicherheit für die Fußgänger führen werden. „Ich kann mir aber bei unbedarften Fahrern Bremsmanöver und damit Gefahren von Auffahrunfällen vorstellen.“ Deshalb soll erst mal nur ein Test gemacht werden.

Für einen Modellversuch in einer Nebenstraße wäre auch Roman Suthold, Leiter der Abteilung Verkehr und Umwelt beim ADAC-Nordrhein. Bisher steht er der Erfindung aus Island eher skeptisch gegenüber. Bei einem mehrstündigen Versuch mit einem Kamerateam in Grevenbroich „hat der Zebrastreifen im ersten Moment die Aufmerksamkeit zwar erhöht“, so Suthold. „Dieser Effekt wird sich aber schnell abnutzen, weil die Autofahrer mit der Zeit wissen, dass dies alles nur gemalt ist.“ Eine „dauerhafte Lösung“ für die Verkehrssicherheit sei das dann nicht. Zudem sind die Schwebebalken nur aus einer Richtung und nur von einem bestimmten Winkel aus zu erkennen.

„Lasst es uns hier ausprobieren“, meint Karl-Heinz Webels, Vorsitzender der Verkehrswacht Essen und empfiehlt ein Experiment auf der Rü, wo Falschparker immer wieder die Sicht auf Fußgänger versperren, die den Zebrastreifen überqueren wollen.

Mehr Schutz für die Fußgänger

Webels ist sich sicher, dass 3-D-Zebrastreifen das Tempo der Fahrer verlangsamen werden. „Wenn das dazu führt, dass die Fußgänger sicher über die Straße kommen, würde ich das sehr begrüßen.“ Allerdings dürfe es nicht zu einem erhöhten Risiko von Auffahrunfällen kommen, wenn Autofahrer plötzlich auf die Bremse treten.

Die Verkehrswacht betont, dass mehr für die Sicherheit der Fußgänger getan werden müsse. Webels: „An Übergängen kommt es oft zu gefährlichen Situationen, weil Autofahrer unachtsam, abgelenkt oder zu schnell sind.“

Im Düsseldorfer Norden hat vor kurzem die Bezirksvertretung einen 3D-Zebrastreifen auf der Duisburger Landstraße gefordert. Die österreichische Stadt Linz testet sie bereits, nachdem sie im isländischen Fischerstädtchen Isafjordur zum ersten Mal mit einer 3-D-Optik auf die Fahrbahn aufgetragen worden waren. Sollte Essen einen solchen Versuch starten wollen, muss das die Düsseldorfer Bezirksregierung genehmigen. Dort gab man sich ergebnisoffen. „Wir werden jeden Einzelfall prüfen“, hieß es.

>>VIELE ÜBERGÄNGE MÜSSEN SANIERT WERDEN

In der Stadt Essen gibt es rund 300 Fußgänger-Übergänge.

Diese Zebrastreifen-Übergänge müssen nach einer seit 15 Jahren geltenden Verwaltungsrichtlinie so hell ausgeleuchtet werden, dass sie bei Tempo 50 bereits ab 100 Metern, bei Tempo 30 ab 50 Metern Distanz zu erkennen sind.

Diese Anforderungen erfüllt derzeit nicht mal die Hälfte der Essener Übergänge. Viele müssen noch saniert werden.

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