Sozialer Arbeitsmarkt

Essen startet neues Modellprojekt für 250 Arbeitslose

Damit Langzeitarbeitslose

Foto: Socrates Tassos

Damit Langzeitarbeitslose Foto: Socrates Tassos

Essen.   Der soziale Arbeitsmarkt startet im Januar 2018. Firmen werden belohnt, wenn sie einen Langzeitarbeitslosen einstellen. Kritik kommt vom DGB.

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Das Modellprojekt eines sozialen Arbeitsmarktes in Essen wird am 2. Januar 2018 starten. Das NRW-Arbeitsministerium hat für die Förderung am Dienstagabend grünes Licht gegeben, teilte der Leiter des Essener Jobcenters, Dietmar Gutschmidt am Mittwoch mit.

Das Jobcenter bekommt demnach für das zwei Jahre laufende Programm rund 6 Millionen Euro vom Land, die Stadt Essen muss aus ihrem Haushalt einen Eigenanteil von rund 1,6 Millionen Euro beisteuern. Damit wird das Modellprojekt mit insgesamt fast zwei Millionen Euro weniger ausgestattet, als zunächst einmal angedacht.

250 Langzeitarbeitslose sollen wieder in Arbeit gebracht werden

Mit Hilfe der Förderung sollen 250 Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit gebracht werden. Die Jobs sollen im ersten Arbeitsmarkt entstehen und somit direkt in Unternehmen. Ein Selbstläufer werde das Modellprojekt nicht sein, sagte Gutschmidt. „Wir brauchen das Engagement der Unternehmen.“ Vor allem werde es darum gehen, Vorurteile abzubauen, damit Firmen Langzeitarbeitslosen eine Chance geben. An dem Modellprojekt sollen nur Arbeitslose teilnehmen können, die mindestens schon vier Jahre lang Hartz-IV-Leistungen beziehen.

Bis zuletzt musste Essen auf Wunsch des Arbeitsministeriums die Inhalte des Programms immer wieder verändern, so dass am Ende kaum noch von einem sozialen Arbeitsmarkt im eigentlichen Sinn die Rede sein kann. „Mit einem sozialen Arbeitsmarkt, so wie wir ihn verstehen, hat das nichts mehr zu tun“, sagte Essens DGB-Chef Dieter Hillebrand. Ursprünglich sollten Arbeitslose gefördert werden, die im Grunde gar keine Chance auf Arbeit haben. Der Ansatz war: Besser arbeiten, als zu Hause sitzen.

Essen muss auch die Förderrichtlinien für Unternehmen anpassen

Mit dem Regierungswechsel in Düsseldorf änderte sich jedoch die Prämisse. Der neue Arbeitsminister Karl-Josef Laumann setzt nun darauf, Arbeitslose zu fördern, die bereits nah am ersten Arbeitsmarkt sind. „Das hat schon bislang nicht geklappt, sie in Arbeit zu bringen. Warum sollte dies jetzt besser gelingen“, kritisierte Hillebrand.

Zumal Essen zuletzt auch die Förderrichtlinien für Unternehmen anpassen musste, die nun deutlich schlechter sind. Ursprünglich wollte das Jobcenter Lohnkosten bis zu einer bestimmten Höhe komplett zahlen. Für jeden Job sollten 23.000 Euro pro Jahr fließen. Nun aber wird das Jobcenter nur noch die Hälfte des jeweiligen Lohnes zahlen. Zudem gibt es 100 Euro Verwaltungspauschale pro Monat. Gutschmidt erklärte, dass eine volle Förderung aus EU-rechtlichen Gründen nicht möglich ist.

Unternehmen und die Teilnehmer werden von Coaches betreut

Dennoch zeigte sich Gutschmidt zuversichtlich, dass 250 Arbeitslose vermittelt werden können. Unternehmen und die Teilnehmer werden dafür während der Projektphase eng von Coaches betreut. Ein solcher Trainer kümmert sich um maximal 30 Arbeitslose. Außerdem hat das Jobcenter für dieses Programm 9,5 zusätzliche Stellen geschaffen.

Klar ist, dass das Programm die Langzeitarbeitslosigkeit in Essen kaum abbauen wird. Immerhin gibt es rund 24.000 Menschen, die für eine Förderung in Frage kämen, die also länger als vier Jahre von Hartz IV leben. „Es ist ein Versuch, den Berg langsam abzubauen. Deshalb müssen wir eine Nachhaltigkeit erreichen“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Wolfgang Dapprich.

>>> Das Förderprogramm und Ansprechpartner

Das Förderprogramm läuft über zwei Jahre. Somit können Langzeitarbeitslose maximal 24 Monate gefördert werden.

Unternehmen erhalten 50 Prozent der Lohnkosten inklusive Sozialversicherungsbeiträge vom Jobcenter. Gefördert wird Teilzeit wie Vollzeit. Wenn das Unternehmen anschließend den Mitarbeiter weiter beschäftigt, gibt es eine Prämie von 3000 Euro, bei unbefristeter Übernahme 5000 Euro. Außerdem gibt es eine monatliche Aufwandspauschale von 100 Euro. Die Teilnehmer können während der Beschäftigung weiterqualifiziert werden.

Interessierte Firmen können sich beim Jobcenter melden unter 8856777

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