Gewalt gegen Frauen

Essener Berufskolleg erinnert an getötete Schülerin (25)

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Um das gesamte Schulgebäude postierten sich die Essener Schülerinnen und Schüler am Donnerstagmorgen.

Um das gesamte Schulgebäude postierten sich die Essener Schülerinnen und Schüler am Donnerstagmorgen.

Foto: Tobias Harmeling / FUNKE Foto Services

Essen.  Susanne (25) aus Essen starb im Oktober einen gewaltsamen Tod. Am „Orange Day“ erinnern ihre ehemaligen Mitschülerinnen an das Opfer.

Mit einer Menschenkette rund um ihr Schulgebäude im Essener Moltkeviertel haben am Donnerstag mehrere hundert junge Männer und Frauen sowie Pädagogen des Robert-Schmidt-Berufskollegs an ihre ehemalige Schülerin Susanne gedacht.

Die Deutsch-Libanesin starb am 10. Oktober 2021 mit 25 Jahren in ihrer Wohnung im Südostviertel, ganz offensichtlich gewaltsam umgebracht durch ihren Bekannten. Der 24-Jährige sitzt seitdem wegen des Verdachts auf Totschlags in Untersuchungshaft. Er hatte die Tat gegenüber der Polizei direkt zugegeben.

„Orange Day“: Viele Gebäude werden am Donnerstag angestrahlt

Am Donnerstag (25. November) ist weltweit der so genannte „Orange Day“, der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“. Viele Gebäude werden am Abend orangefarben angestrahlt, auch in Essen, und das Robert-Schmidt-Berufskolleg wollte den traurigen Vorgang zum Anlass nehmen, ein Zeichen zu setzen.

Alle Schülerinnen und Schüler, die an diesem Donnerstag vor Ort waren, bekamen gegen 8.30 Uhr am Morgen ein Teelicht oder eine Kerze in die Hand, man bildete eine Menschenkette. Auf zwei selbst bemalten Bannern brachten die ehemaligen Mitschülerinnen von Susanne, die in die gleiche Berufsschulklasse gehen, ihre Haltung zum Ausdruck: „Wir denken an Susanne“ und „Keine Gewalt gegen Frauen“!

„Wir dachten zuerst, das kann nicht sein“, sagt eine ehemalige Mitschülerin

„Als wir davon erfuhren, haben wir zuerst gedacht, das kann nicht sein“, sagt Angelina (16). Auch sie besucht die Klasse von etwas mehr als 20 Berufsschülerinnen, in die auch Susanne ging. Die Frauen machen derzeit ihre Ausbildung zur „Medizinischen Fachangestellten“. Susanne war in einer Augenarztpraxis im Essener Süden angestellt. „Sie war immer fröhlich und offen, man konnte mit ihr über alles reden“, sagt Angelina.

Was niemand ahnte: Ganz offensichtlich hatte die junge Frau es mit einem Partner oder Ex-Partner zu tun, der schon lange zu Gewalttaten neigt. Täter und Opfer lebten zwar in getrennten Wohnungen, hieß es in einem damaligen Bericht der Staatsanwaltschaft, aber erstens ist der 24-Jährige bereits häufig wegen Gewalttaten in Erscheinung getreten. Zweitens wurde Susanne bereits 2018 Opfer häuslicher Gewalt; der Fall ist in den Akten vermerkt.

Vor der folgenschweren Tat am 10. Oktober soll die Polizei bereits über Hilferufe in der Steinmetzstraße informiert worden sein; Polizisten fuhren hin, fanden aber nichts. Am Abend des 10. Oktober suchte der mutmaßliche Täter selbstständig mit einem Anwalt eine Polizeiwache auf und erklärte, für den Tod der jungen Frau verantwortlich zu sein. Die Leiche von Susanne fanden die Polizisten wenig später in ihrer Wohnung an der Steinmetzstraße. Weitere Details gibt die Staatsanwaltschaft auch sechs Wochen später noch nicht bekannt; eine Anklage gegen den mutmaßlichen Täter sei noch nicht erhoben worden, die Ermittlungen dauerten an, hieß es am Donnerstag. Der serbische Staatsbürger sitzt so lange weiter in Untersuchungshaft.

„Die Nachricht war ein Schock“, sagt der Leiter des Robert-Schmidt-Berufskollegs

„Für uns alle war die Nachricht ein Schock“, sagt auch Uwe Stach, Leiter des Robert-Schmidt-Berufskollegs. Es war Schulpfarrer und Religionslehrer Wolfram Jehle, der die Idee hatte, den tragischen Fall an der Schule zu verknüpfen mit dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. „Es ist auch der Wunsch der Familie des Opfers“, sagt Jehle, „dass wir das Thema weitertragen und öffentlich machen.“

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