Kommentar

Essener Demo war ein Erfolg – wann machen Kritiker mobil?

NRZ-Redakteur Jörg Maibaum kommentiert die Vorbehalte gegenüber den Organisatoren der Essener „Wir sind mehr“-Demo.

NRZ-Redakteur Jörg Maibaum kommentiert die Vorbehalte gegenüber den Organisatoren der Essener „Wir sind mehr“-Demo.

Foto: Philipp Wahl

Essen.   CDU, EBB, FDP haben sich durch ihre Linksphobie ins Abseits gestellt, während ein bunter Querschnitt der Stadtgesellschaft auf die Straße ging.

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Die Demonstration gegen rechte Hetze hatte Gewicht, der Ton war freundlich, bisweilen fröhlich, das Wir-Gefühl spürbar und es blieb absolut friedlich: Eine Anzeige wegen eines Messers ist angesichts von 6000 Menschen auf Essens Straßen nicht der Rede wert.

Die Polizei erlebte einen entspannten Abend, und das Signal gegen Hass, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, das von dieser Stadt, ihren Bürgern, vielen Familien mit Kindern und Jugendlichen, also von einem gesunden Querschnitt der Bevölkerung ausging, war eindeutig und vorbildlich.

Und es zeigte einmal mehr: Die vermeintlich „Linken“ in dieser Stadt wissen seit Jahren, wie man gewaltfreie Demonstrationen auf die Beine stellt, wie man Autonomen, schwarzen Blöcken als auch Rechtsextremisten zeigt, dass sie gänzlich unerwünscht sind.

Alberne Polit-Scharmützel vor der Demo

Niemand, der die albernen Polit-Scharmützel vor der Demo nicht mitbekommen hat, wäre an diesem bunten Abend auf den Gedanken gekommen, die Veranstaltung sei von linksextremen Gruppen unterwandert, wie es CDU, EBB, FDP und SPD-Mann Karl-Heinz Endruschat hatten glauben machen wollen. Wer derart verkrampft nach dem Haar in der Suppe sucht, bekommt wohl gar nicht mit, wie sehr er sich dabei selber ins Abseits stellt: fern einer engagierten Mitte, der es nach den erschreckenden Bildern von Chemnitz ein tiefes Bedürfnis war und ist, Hass und Hetzjagden Herz und Hirn entgegenzusetzen.

Wer denn sonst, bitte schön, wäre in der Lage, innerhalb weniger Tage eine solch beeindruckende Veranstaltung wie am Donnerstag auf die Beine zu stellen, wenn nicht die von einigen wenigen immer wieder geschmähte „Linke“? Eine solche Demo ernsthaft aus so verkrusteten wie tradierten Kommunismus-Aversionen abzulehnen, kommt einem Realitätsverlust gleich.

Und nun? Wollen wir darauf warten, dass CDU, EBB und FDP ihrerseits die Stadtgesellschaft zu einem Großtreffen gegen rechte Gesinnung und für einen freien Geist aufrufen, um sich selbst auch wieder wahrnehmbar zu machen? Mmhh... Vielleicht überlassen wir das dann doch besser „den Linken“. Die wissen wenigstens, wie es geht.

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