Schach

Essener Großmeister begeistert Schüler fürs Schachspiel

Junge Denksportler in Aktion: Mihailo Schratenecker (links) und Mohammed Atris, beide von der 3a der Karlschule, messen ihre Kräfte beim Schachspiel. Austragungsort des Schach-Events ist das Allee-Center in Altenessen.

Junge Denksportler in Aktion: Mihailo Schratenecker (links) und Mohammed Atris, beide von der 3a der Karlschule, messen ihre Kräfte beim Schachspiel. Austragungsort des Schach-Events ist das Allee-Center in Altenessen.

Foto: Linda Sonnenberg / FFS FUNKE Foto Services

Essen.  Faszination Schach im Essener Allee-Center: Großmeister Sebastian Siebrecht weiht Essener Schüler in die Geheimnisse des Königlichen Spiels ein.

Eigentlich hätte an diesem Montagmorgen ein klassisches Schulfach auf dem Stundenplan der Drittklässler gestanden. Doch statt Deutsch oder Mathematik gibt’s für die Karlschüler eine Doppelstunde Schach. Nicht nur das Denkspiel selbst ist für die 23 Kinder der 3a ungewöhnlich, sondern auch der Ort dieser Unterrichtsveranstaltung: Die zwölf Schachbretter und ein Riesenschach sind aufgebaut in der Ladenpassage im Allee-Center.

„Faszination Schach“ nennt sich die erfolgreiche Veranstaltungsreihe, mit der der Essener Schach-Großmeister und Schach-Botschafter Sebastian Siebrecht durch die Einkaufszentren der Republik tourt. Nach den Veranstaltungen in Lüdenscheid und Remscheid erlebt der Essener Champion in Altenessen ein Heimspiel – eine ganze Woche lang Schach in allen Variationen: Blitzschach, Schnellschach, Simultanschach, Schlag den Großmeister.

Sponsor ist die Sparkasse Essen, deren Chef selbst leidenschaftlich gerne Schach spielt

„Herzstück unserer Schachtage ist das Angebot an die Essener Schulen“, sagt Siebrecht. Zwischen 10 und 15 Uhr von Montag bis Freitag kommen jeweils drei Schulklassen aus dem ganzen Stadtgebiet nach Altenessen, um sich von dem Großmeister und seinem Team in die Geheimnisse des Königlichen Spiels einweihen zu lassen. Ein Gewinn auch für die Schulen. „Schach ist gut fürs Gehirn“, sagt Alexandra Refflinghaus, die Klassenlehrerin der 3a.

Im vergangenen Jahr sei sie zum ersten Mal mit einer Klasse, einem vierten Jahrgang, bei Siebrechts Schachtagen im Allee-Center gewesen. Ein Besuch mit überraschend nachhaltiger Wirkung. „Die Kinder haben danach in der Freiarbeit oder bei Regenpausen munter weiter Schach gespielt, es ging bis zu den Sommerferien.“

Ein wichtiger Förderer des Grundschul-Schachs ist die Sparkasse Essen, die mit Vorstandschef Helmut Schiffer einen leidenschaftlichen Schachspieler an ihrer Spitze hat. „Schach hilft jungen Menschen spielerisch, strukturiert denken zu lernen“, sagt der Banker. Außerdem habe Schach viel mit Disziplin zu tun. Sich auf eine Sache konzentrieren zu können, so Schiffer, sei das große Thema der Zeit. Im vergangenen Jahr machte der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende eine Beobachtung, die ihn bestätigt habe. „Da kamen zwei Dutzend lärmende Kinder in das Allee-Center, aber schon zehn Minuten später saßen sie mucksmäuschenstill und hochkonzentriert an den Schachbrettern.“

Sebastian Siebrecht war 2015 „Schachlehrer des Jahres“

Sebastian Siebrecht, der 2015 von der Deutschen Schachjugend zum „Schachlehrer des Jahres“ gekürt wurde, registriert mit Freude, dass Schulkinder, die morgens mit der Klasse im Allee-Center waren, nachmittags mit ihren Eltern aus Neugier erneut vorbeischauten.

Einer, der vom Schach-Virus regelrecht infiziert worden ist, ist Timo Küppers. Der 19 Jahre alte Jura-Student spielt zusammen mit Sebastian Siebrecht in der ersten Mannschaft der Schachfreunde Katernberg, beim Schachevent in Altenessen erklärt er den Grundschülern geduldig, nach welchen Regeln sie König und Dame, Springer und Läufer, Turm und Bauern über die 64 Felder bewegen dürfen.

Mit der Schach-AG der Bischof-von-Kettler-Schule habe er sein erstes Schulturnier gespielt und später einen Pokal gewonnen. „Seitdem hat mich Schach nicht mehr losgelassen.“ Komplettiert wird das Schachlehrer-Team durch die Denksportler Jan Dette, Jugend-Bundesligaspieler und Jugendwart bei Katernberg, und Fatih Baltic, der für den SV Mülheim-Nord in der Schach-Bundesliga spielt.

Alexandra Refflinghaus, die Klassenlehrerin, hofft, dass ihre Drittklässler in der geballten Doppelstunde Schach viele Anstöße bekommen und danach weitermachen. „Wenn Interesse besteht, vermitteln wir die Kinder gerne weiter an Schachvereine.“

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