Bürgerbegehren

Essener Initiative will ab Freitag Unterschriften gegen Messe-Umbau sammeln

Im Chorforum Essen fand das erste Treffen der Unterstützer des Bürgerbegehrens gegen den geplanten Messeausbau statt.

Im Chorforum Essen fand das erste Treffen der Unterstützer des Bürgerbegehrens gegen den geplanten Messeausbau statt.

Foto: Sebastian Konopka

Essen.  Die Unterstützer des Bürgerbegehrens „Messe-Umbau nicht um jeden Preis“ haben sich im Chorforum über das weitere Vorgehen ausgetauscht. Noch gibt es einige strittige Passagen im Unterstützerbrief, die nun ein vierköpfiges Redaktionsteam ausbessern soll. Zeit für weitere Abstimmung gibt es nicht – ab Freitag will die Initiative 14.000 Unterschriften sammeln.

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Hans Peter Leymann-Kurtz glaubt, dass jetzt alles seinen Gang gehen wird. Auch anderen Menschen im Saal nicken zuversichtlich. Spätestens am Freitag, so der Fraktionschef der Linken, werde die städtische Antragsprüfung abgeschlossen sein und man könne mit dem sammeln der knapp 14.000 Unterschriften beginnen. Mindestens 45 Mitstreiter hat das Bürgerbegehren zum „Messe-Umbau nicht um jeden Preis“ bereits gefunden – allerdings sitzen an diesem Sommerabend nur wenige „interessierte Bürger“ im Chorforum bei Apfelschorle und Kaffee. In der Runde sieht man überwiegend bekannte Gesichter aus den Reihen der Linken, Grünen und Piraten.

Die überschaubare Gruppe trifft sich zu einer ersten Mitstreiterversammlung, um über das weitere Vorgehen zu sprechen. „Wir wollen uns im nächsten Schritt über den Unterzeichnerbrief austauschen“, eröffnet Leymann-Kurtz die Gesprächsrunde. Noch gebe es Detailfragen im Hinblick auf den Text. Man müsse es jetzt schaffen, ein so komplexes Thema wie den Messe-Neubau anschaulich zu vermitteln – außerdem gehe es um die Frage der Positionierung: Soll man sich offen zum Messestandort bekennen oder die Textpassage besser etwas abmildern?

Die Redezeit geht dann allerdings vor allem an die drei offiziellen Vertretungsberechtigten, Wilfried Breyvogel, Marie-Rose Joos und Herbert Bußfeld, die noch einmal die bisherigen Überlegungen zusammenfassen: „Bitte entschuldigen Sie, dass ich heute nicht ganz so förmlich angezogen bin“, sagt Joos anfangs sichtlich aufgeregt, um dann mit drohender Hand zu fragen, wer denn auf die Idee gekommen sei, ein unterirdisches Kongresszentrum zu errichten. „Wer soll so etwas denn mieten,“ ruft die Vertreterin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland gleich dreimal den Gästen zu. Auch Wilfried Breyvogel, Professor im Ruhestand, findet klare Worte für den geplanten Teilneubau. „Es ist völlig absurd, wie die Finanzplanung zustande gekommen ist. Die Messe rentiert sich nicht, man kann nur noch versuchen, das Schlimmste zu verhindern.“

Keine Zeit für weitere Abstimmungen

Oft hört man aber auch, dass es keine genauen Zahlen gebe, dass man diese noch erfragen möchte, oder man keine genaue Auskunft erhalten habe. Sechs Redner geben den Ton an – der Rest schweigt. Die zu erwartenden Mehrkosten sorgen dann auch für interessante Gedankenexperimente. Exorbitante 500 Millionen Euro bringt ein „interessierter Bürger“ zwischenzeitlich ins Gespräch. Seine Rechnung erscheint zwar etwas abenteuerlich, doch dass bei Großprojekten dieser Art Kostensteigerung von 10 oder 15 Prozent die Regel seien, dem stimmen alle in der Runde zu. An den Erfolg der Messe glaubt jedenfalls so recht keiner mehr. Und angesichts der jährlich Millionen-Zuschüsse für die Messe-Tochter kann sich der ein oder andere auch eine Stadt ganz ohne Messe vorstellen.

Nach knapp zwei Stunden fragt jemand in bester basisdemokratischer Überzeugung nach einer Schlussabstimmung für den Unterzeichnerbrief. Das dürfte bis Freitag schwierig werden – ein vierköpfiges Team soll daher die strittigen Textstellen überarbeiten: „Dann müsstest Du im Redaktionsteam mitarbeiten. Für weitere Abstimmungen ist keine Zeit“, lautet die Antwort. Ein zweites Treffen wird es also erst einmal nicht geben: „Wir wollen jetzt anfangen, Unterschriften zu sammeln.“

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