Karneval

Essener Narren dürfen am Rosenmontag ihre Kanone zünden

Die Funken-Kanone ist seit Jahrzehnten Teil des Zuges.

Die Funken-Kanone ist seit Jahrzehnten Teil des Zuges.

Foto: Gabriele Reinders

Essen-Rüttenscheid.  Die Funken geben mit ihrem Geschütz in Rüttenscheid den Startschuss zum Zug. Rechtliche Situation schien ungewiss. Ordnungsamt erlaubt Nutzung. 

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Beinahe hätten die Karnevalisten den Schuss nicht gehört – den Startschuss zum Rosenmontagszug in Rüttenscheid. Seit Jahrzehnten ist die Kanone der KG Essener Funken Teil des Zuges und gibt das Signal zum Aufbruch. „Aber dann hat jemand unseren Vorsitzenden wuschig gemacht und gefragt, ob wir das denn überhaupt dürften“, erzählt Renate Baden, Schriftführerin der Funken. „Der hat dann erst bei der Polizei nachgefragt, die hat ihn an das Ordnungsamt verwiesen – und die konnten nicht sagen, ob sie uns eine Genehmigung erteilen können.“ Erst nachdem sich das Festkomitee Essener Karneval (FEK) und Oberbürgermeister Thomas Kufen eingeschaltet hätten, sei die Situation nun geklärt. Die Narren dürfen es knallen lassen.

„Erst hieß es, das Beschussamt müsse das prüfen. Und der, der die Kanone abfeuert, würde einen Böllerschein brauchen. Aber selbst dann könne man immer noch nicht sagen, ob wir das dürfen, denn die Kanone sei eine Waffe und könne jemanden erschrecken“, erzählt Renate Baden. Ihr Ehemann, Funken-Präsident Rüdiger Baden, schaltete sich in die Debatte ein. Über das Festkomitee sei das Stadtoberhaupt informiert worden, „und vor ein paar Tagen rief dann jemand vom Ordnungsamt bei unserem Vorsitzenden an und sagte, dass wir die Kanone abfeuern dürfen“.

Seit den 50ern ist das „Feldgeschütz“ dabei

Die Stadt Essen erklärt, dass man die Funken nach der Anfrage des Vorstandsmitglieds schließlich über die rechtliche Situation aufgeklärt habe und sie auch weiterhin die Böller zünden dürfen. Damit steht dem traditionellen Startschuss zum Rosenmontagszug nichts mehr im Weg.

In der Chronik der Essener Funken taucht die Kanone erstmals in der Session 1957/58 auf. „Sie wurde auf den Rosenmontagszügen als schweres Feldgeschütz mitgeführt“, zitiert Rüdiger Baden daraus. „Ich weiß noch, dass unser damaliger 1. Vorsitzender die Kanone irgendwo im Westerwald gekauft hat. Die wurde aufgearbeitet, auf ein Gestell montiert, und dann kam sie nach Essen, wo wir sie seitdem hegen und pflegen. Kein Hahn hat früher danach gekräht, ob wir die Kanone zünden.“ Bis zu 20 Meter weit habe man damit Bonbons durch die Luft schießen können, erzählt Baden. „Damit hat man aber irgendwann aufgehört. Die streut so weit, das ist bei den Massen, die heute beim Zug rumrennen, viel zu gefährlich. Ich laufe seit 1971 mit und damals wurden schon keine Bonbons mehr verschossen.“

50 Schüsse während des Zuges

Dennoch sei die Kanone ein wichtiger Teil des Zuges geblieben. Nicht nur, weil sie das närrische Treiben am Rosenmontag eröffnet. „Letztes Jahr sind während des Zuges bis zu 50 Schüsse damit abgefeuert worden“, sagt der Funken-Präsident. Das sei eine sichere Sache: „Wir benutzen zertifizierte Patronen, die für diese Kanonen zugelassen sind. Letztes Jahr haben wir noch einen anderen Einsatz eingebaut und die Zündvorrichtung verändert, nachdem im Sauerland was passiert ist.“ 2015 wurde bei einem Schützenfest ein Mann von einem geplatzten Geschütz tödlich verletzt. „Bei unserer Kanone“, betont Baden, „kann nichts passieren“.

Die Kanone wird am Montag um 13.11 Uhr an der Spitze des Zuges abgefeuert und reiht sich dann hinter dem Gesellschaftswagen der Funken ein.

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