Coronavirus

Essener Paar harrt trotz der Corona-Krise in Gambia aus

Das rote Auto hat Jana Koppe und Dominik Saubke sicher von Essen nach Gambia gebracht. Jetzt bleibt das junge Paar so lange in Westafrika, wie es die Corona-Krise erfordert.

Das rote Auto hat Jana Koppe und Dominik Saubke sicher von Essen nach Gambia gebracht. Jetzt bleibt das junge Paar so lange in Westafrika, wie es die Corona-Krise erfordert.

Foto: Kinderdorf Bottrop

Essen/Banjul.  Den Beginn ihrer Weltreise hatten sich Jana Koppe und Dominik Saubke anders vorgestellt. Um sie herum sind alle Deutschen aus Afrika abgereist

Das hatten sich Jana Koppe und ihr Freund Dominik Saubke anders vorgestellt, als sie im Januar von Essen aus mit ihrem Auto in das Abenteuer Weltreise gestartet sind. Erstes großes Zwischenziel des jungen Paares: Gambia, ein kleines Land in Westafrika. Hier wollten Jana und Dominik armen Kindern helfen, und hier sind sie auch vor wenigen Tagen wohlbehalten angekommen. Aber dann kam das Coronavirus dazwischen und hat alle Pläne durcheinandergewirbelt.

Um sie herum sind alle anderen Helfer aus Deutschland längst abgereist. Sie haben die vorerst letzten Flieger Richtung Heimat genommen. Die beiden Essener aber haben sich anders entschieden. Die 33-Jährige und der 30-Jährige wollen die Corona-Krise von Gambia aus durchstehen. Eine Weltreise, bei der ohnehin viel improvisiert werden sollte, wird für die beiden damit noch mehr zu einer Zeit der Ungewissheit.

Die Wohnung in Essen hatte das junge Paar aufgelöst

Die Grenzen sind dicht, der internationale Flugverkehr ist zum Erliegen gekommen. Jana und Dominik wissen, dass sie nun Geduld haben müssen. Wann es für sie weitergeht? "Wir müssen abwarten, wie es sich entwickelt", erzählt Jana Koppe am Telefon. Ja, sie hätten auch Angst, aber die Befürchtung, sich bei einer vielleicht chaotischen, hastigen Rückkehr nach Deutschland in einer Menschenmenge an Flughäfen oder in Transferbussen mit dem Coronavirus zu infizieren, sei noch größer gewesen.

"Wir haben vor Reisebeginn unsere Wohnung in Essen-Huttrop aufgelöst und müssten nun bei meinen Eltern wohnen. Wir wollten nicht riskieren, sie anzustecken", sagt Jana. Also haben sich die promovierte Wirtschaftsgeografin und der Maschinenbauingenieur entschieden, so lange es nötig ist, in Gambia zu bleiben.

Aussteiger wohnen im Gästehaus des Kinderdorfs Bottrop in Gambia

Die beiden Aussteiger wohnen in einem Gästehaus des "Kinderdorf Bottrop in Gambia" - allein. "Das ist hier fast wie in einer Quarantäne. Aber wir sind gut versorgt." Die angrenzende Schule ist längst geschlossen, der Kindergarten ebenso. Aber einige wenige Angestellte sind noch vor Ort und um die Ecke gibt es einen Markt mit Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln.

Jana und Dominik richten sich auf eine längere Zwangspause ein. Sie versuchen, das Beste daraus zu machen. 10.000 Kilometer hatten sie in den vergangenen Wochen mit ihrem Auto, einem feuerroten Audi A4, zurückgelegt. Durch Deutschland und Frankreich, Spanien und Portugal, Marokko, West-Sahara und Senegal. Teilweise über verlassene Wüstenpisten - aber ohne größere Zwischenfälle oder Pannen.

Diese Tour hat an den Kräften des jungen Paares gezehrt. "Wir werden jetzt viel schlafen, ordentlich essen und probieren, uns zu erholen", sagt Jana.

Der rote Reisewagen des Essener Paares soll in Gambia bleiben

Jana Koppe und Dominik Saubke unterstützen mit dem Gambia-Teil ihrer geplanten Weltreise den Verein "Kinderdorf Bottrop in Gambia", der seit 35 Jahren Hilfsprojekte in Westafrika startet. Der rote Audi des Essener Paares ist schon in die Jahre gekommen, aber noch gut in Schuss. Er soll in Gambia bleiben und dort von dem Kinderdorf genutzt werden. "Er ist hier mehr wert als in Deutschland", sagt Dominik Saubke.

Jana und Dominik wollten vor Ort eigentlich eine kleine Reisegruppe aus dem Ruhrgebiet treffen, die bei dem Hilfsprojekt mitmacht und in Gambia das 35-jährige Bestehen feiern wollte. Doch es kam nur noch zu einer kurzen Begegnung mit einem kleinen Teil der Gruppe. Die anderen waren wegen der Corona-Krise schon wieder in die Heimat zurückgekehrt. Inzwischen sind alle zurück, darunter ein weiteres Paar aus Essen. Nur Jana und Dominik sind geblieben.

Verein Kinderdorf wurde vor 35 Jahren gegründet

Der Verein „Kinderdorf Bottrop in Gambia“ wurde 1985 von damaligen WAZ-Redakteuren gegründet. Erst vor wenigen Wochen wurde Initiator Wolfgang Gerrits für seinen Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Wer das Kinderdorf unterstützen möchte, kann das über folgende Bankverbindung tun: Sparkasse Bottrop, IBAN: DE 46 4245 1220 0000 0083 83, BIC WELADED1BOT Internet: www.kinderdorf-bottrop-in-gambia.de

Weitere Infos zu der Coronakrise in Essen finden sich in unserem aktuellen Blog.

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