U-Bahn-Unfall

Essener Polizei ermittelt gegen Unglücksfahrer der U-Bahn

U-Bahn-Haltestelle II. Schichtstraße: Hier geschah das Unglück.

U-Bahn-Haltestelle II. Schichtstraße: Hier geschah das Unglück.

Foto: KDF

Essen.   Nach dem U-Bahn-Unfall an der II.Schichtstraße, bei dem ein 13-Jähriger lebensgefährlich verletzt wurde, bleiben für die Polizei viele Fragen.

Die Essener Polizei ermittelt gegen den 62-jährigen Unglücksfahrer der U-Bahn, der am vergangenen Donnerstag beim Anfahren an der Haltestelle II. Schichtstraße in Altenessen nicht bemerkt hatte, dass ein 13-jähriger Junge in der letzten Tür des hinteren Waggons festhing. Der Schüler wurde von der U-Bahn der Linie 11 mitgerissen, seine Jacke löste sich erst nach mehreren hundert Metern von der Tür. Lebensgefährlich verletzt konnten ihn Polizisten aus dem Tunnel bergen, Notärzte versorgten den 13-jährigen, der mit schwersten inneren Verletzungen und gravierenden Kopfverletzungen mit einem Rettungshubschrauber in die Uni-Klinik geflogen wurde. Dort ist sein Zustand nach wie vor sehr kritisch.

Verdacht der schweren Körperverletzung steht im Raum

„Wir haben eine Ermittlungskommission im Verkehrsdezernat gebildet“, erklärt Polizeidirektor Wolfgang Packmohr, Leiter des Dezernates. „Und wir betreiben die Ermittlungen mit Hochdruck, wir wollen zu Ergebnissen kommen.“ Die Staatsanwaltschaft ist federführend bei den Ermittlungen, da es um eine Straftat geht.

Ob gegen den U-Bahn-Fahrer wegen fahrlässiger Körperverletzung oder schwerer Körperverletzung ermittelt wird, könne erst im Laufe des Verfahrens geklärt werden, sagte am Dienstag Polizeisprecher Peter Elke. „Wir haben viele Fragen, die wir noch nicht beantwortet sehen.“ Die öffentlichen Angaben der Ruhrbahn reichten hier bei weitem nicht, „wir werden unabhängige Sachverständige und Unfall-Experten hinzuziehen“.

Auf die Frage, warum eine U-Bahn abfahren kann, obwohl am hinteren Waggon ein Junge festhängt, antwortete Elke: „Auch dies ist zu klären.“ Dies gilt auch für die Frage, ob die Ruhrbahn bei einem 60 Meter langen Zug nicht vollends die Sicherheit ihrer Fahrgäste garantieren kann: „Dies wird sicher auch geprüft.“ Technische Bestimmungen heranzuführen, wie bislang seitens der Ruhrbahn geschehen, reiche nicht aus. Auch die Begründung, der Fahrer dürfte nach acht Sekunden nicht mehr anhalten, obwohl er ein Notsignal erhält, sei zu einfach. Hätte der Fahrer sofort gestoppt, wären die Verletzungen des 13-Jährigen unter Umständen nicht so gravierend. „Wir haben viele Fragen zu klären, auch technische Fragen, und wir werden sie unabhängig klären“, betonten Packmohr und Elke im Gespräch mit dieser Redaktion.

U-Bahn bis zum Ende der Ermittlungen sichergestellt

Die Unglücks-U-Bahn bleibt bis zum Ende der Ermittlungen sichergestellt. Sie steht auf dem Betriebshof Schweriner Straße. Der Ruhrbahn ist es strikt untersagt, Wartungen oder Änderungen an den Waggons durchzuführen.

Der 62-jährige Fahrer ist zurzeit nicht im Dienst, er erlitt bei dem Unglück, das er zunächst nicht bemerkt haben will, einen Schock. Erst am Karlsplatz stoppte die Bahn, da lag der 13-jährige Junge noch auf den Gleisen im Tunnel. Die Ruhrbahn betonte nach dem Unfall, der Fahrer habe alles richtig gemacht und sich an die Bestimmungen gehalten.

>>ESSENS U-BAHN

  • Die Ruhrbahn will in eine neue U-Bahn-Flotte investieren, ebenso in einen Teil der Straßenbahnen, die in die Jahre gekommen sind. Für die Fahrgäste heißt das mehr Komfort und Barrierefreiheit. In den U-Bahnen wird es erstmals eine Klimaanlage geben.
  • In vier Jahren wird der Hersteller die ersten Linien-Fahrzeuge ausliefern. Die Projektleiter beziffern die Gesamtkosten für 77 Züge auf 245 Millionen Euro.

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