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Essener Umwelt-Start-up „Intrapore“ startet durch

Jungunternehmer Julian Bosch will dem Katernberger Gründerzentrum Triple Z treu bleiben.

Foto: Klaus Micke

Jungunternehmer Julian Bosch will dem Katernberger Gründerzentrum Triple Z treu bleiben. Foto: Klaus Micke

Essen.   Ein Preis brachte „Intrapore“ 2017 in die Schlagzeilen. Nun gewann die Umweltfirma mit Gelsenwasser einen Investor – und hat viel vor

„So sieht ein richtig cooler Chef aus“, steht auf seiner Kaffeetasse. Doch Julian Bosch wirkt gar nicht cool, trotz schwarzem Hemd und raspelkurzer Frisur, sondern eher wie einer, der noch immer nicht fassen kann, was ihm da widerfahren ist. Es ist eine Geschichte aus der Klassikerreihe „Vom Tellerwäscher zum Millionär“, nur spielt diese nicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern in Katernberg, im Gründerzentrum Triple Z.

Ein gutes Jahr ist es her, da berichtete diese Zeitung über „Intrapore“, ein Start-up-Unternehmen aus der Umweltbranche, das Julian Bosch aus der Taufe gehoben hat. Der promovierte Geomikrobiologe wagte den Schritt raus aus der Uni rein in die Selbstständigkeit – mit 500 Euro Gründungskapital. „Entweder wir sehen uns nach ihrer Insolvenz wieder, oder wenn sie eine Aktiengesellschaft gründen“, sagte der Notar. Nun, der Gang an die Börse dürfte von beiden Alternativen mittlerweile die wahrscheinlichere sein.

Mit 500 Euro Gründungskapital fing alles an

Denn „Intrapore“ ist durchgestartet von null auf hundert, seit – ja, seit ein Vorstandsmitglied von Gelsenwasser durch den Zeitungsbericht auf das Essener Start up aufmerksam geworden sei, erzählt Bosch. Es geht dabei um ein Verfahren, das der heute 42-Jährige gemeinsam mit seinem Kompagnon Johannes Bruns, einem Geologen mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Branche, zu einer Geschäftsmodell weiterentwickelt hat. Ihre Idee: Kleinsteilchen, so genannte Nano-Partikel für die Reinigung von mit Schadstoffen belastetem Grundwasser einsetzen, ohne dass dafür gewaltige Erdmassen bewegt werden müssten.

Im Bundesumweltministerium wurden sie dafür mit einem Preis für innovative Unternehmen ausgezeichnet. Bei einem internationalen Wettbewerb in San Francisco räumte das Start-up aus dem Essener Norden als deutscher Vertreter den ersten Preis ab. „Als ich mit meinem Rollkoffer wiederkam, saßen die Herren von Gelsenwasser am Tisch“, erzählt Julian Bosch. Der Titel im Gepäck war für den Wasserversorger offenbar ein weiteres Argument, bei den Essenern einzusteigen. Anfang Januar hat Gelsenwasser 20 Prozent der Anteile an „Intrapore“ übernommen. Man darf annehmen für ein ordentliches Sümmchen. Doch darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Bosch sagt nur soviel: „Für uns war das wie ein Sechser im Lotto.“

„Für uns ist das wie ein Sechser im Lotto“

Andere würden sich jetzt vielleicht einen Porsche kaufen. Bosch und Bruns investieren lieber in ihre Firma. Mittlerweile beschäftigen sie 15 Mitarbeiter, darunter Ingenieure und Geologen. Sieben davon in Vollzeit, bald sollen es zehn werden. Ihr kleines Büro im Triple Z haben sie eingetauscht gegen ein größeres über drei Etage ein Gebäude weiter. Boschs alter Schreibtisch, auf dem er früher die Wäsche sortierte, steht heute im Erdgeschoss voll mit Laborutensilien. „Bloß nicht die Bodenhaftung verlieren“, sagt der Jungunternehmer mehr zu sich selbst als zu seinem Gegenüber. „Wir sind ja schließlich nicht Facebook.“

Aber auch „Intrapore“ will wachsen, und der internationale Markt verspricht schier unerschöpfliche Möglichkeiten. Kontaminiertes Grundwasser ist weltweit ein Problem. Für mehr als 90 Prozent der Fälle könne „Intrapore“ bereits passende Partikel anbieten, heißt es bei Gelsenwasser, wo man sich viel von dem Engagement verspricht.

Auch andere Investoren hätten Interesse gezeigt, erzählt Bosch. Geldgeber aus der Finanzwelt, die auf Rendite schielen. Der Jungunternehmer bekam einen Eindruck vom Haifischbecken, in dem sich Start-ups bewegen, sofern sie Erfolg verheißen. In Essen, wo sie sie große Stücke auf die Umweltwirtschaft halten, darf „Intrapore“ als Paradebeispiel dafür herhalten, dass es ein Start-up in dieser Wachstumsbranche schaffen kann. Eine Filiale in Wien haben die Essener bereits eröffnet. Weitere könnten folgen, vielleicht in Singapur oder New York. „Mal schauen, wohin uns der Weg noch führt“, sagt Bosch und wählt selbst einen Vergleich aus der Welt der Bergsteiger: „Das Basislager haben wir eingerichtet.“ Nun geht der Blick in Richtung Gipfel. Bosch schaut ungläubig drein. Angst hat er nicht.

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