Essen.

Essens „BürgerRatHaus“ ist „mehr als nur ein Bauprojekt“

Verloren im Aktenland: Christian Kromberg, an der Stadtspitze fürs Personal und die Organisation der Verwaltung zuständig, im Keller des Rathaus, wo noch regiert, was Schwarz auf Weiß existiert. Die Zukunft aber ist digital.

Foto: Andre Hirtz

Verloren im Aktenland: Christian Kromberg, an der Stadtspitze fürs Personal und die Organisation der Verwaltung zuständig, im Keller des Rathaus, wo noch regiert, was Schwarz auf Weiß existiert. Die Zukunft aber ist digital.

Essen.   Dezernent Kromberg fällt der Job zu, beim geplanten „BürgerRatHaus“ am Hauptbad-Areal einen Schritt in die Zukunft der Stadtverwaltung zu gehen.

Er ist für Reisepässe und für Knöllchen zuständig, für Gaststätten-Kontrollen und die Unterbringung psychisch Kranker, fürs städtische Personal insgesamt und dafür, dass die Feuerwehr kommt, wenn’s brennt. Und jetzt soll er von Amts wegen auch noch in die Zukunft schauen, soll die Stadtverwaltung digitaler machen und ein „BürgerRatHaus“ planen, das im Jahre 2025, wenn es dann in Betrieb geht, nicht bereits von gestern ist.

Leichter gesagt als getan, findet Christian Kromberg, im städtischen Verwaltungsvorstand unter anderem für Personal und Organisation zuständig, und wer das bestreitet, den bittet er, sich in Gedanken sieben Jahre zurückzuversetzen – als Smartphones noch nicht in jeder Kinderbuxe steckten und das Internet für die Bundeskanzlerin wie für viele andere Bürger „Neuland“ war.

Braucht man dank e-Akte noch so riesige Gebäude?

Bis zur Eröffnung des geplanten „BürgerRatHauses“ gehen ebenfalls sieben Jahre ins Land, womit für Kromberg „die Kunst darin besteht zu überlegen: Wie werden wir künftig arbeiten?“ Über welche technischen Möglichkeiten werden wir verfügen? Wird die e-Akte (e für elektronisch) binnen kürzester Zeit ganze Rathaus-Schränke voller Ringordner überflüssig machen? Und wenn man so viel vom heimischen PC oder auch nur vom Smartphone aus erledigen kann – braucht es da eigentlich noch ein riesiges Gebäude auf und neben dem Gelände des alten Hauptbads mit 27 500 Quadratmetern Fläche für 1300 Mitarbeiter?

Immerhin ist Kromberg sicher, dass es den Kontakt der Bürger mit ihrer Stadtverwaltung auch künftig geben wird: Leute, die eine Gaststätten-Erlaubnis beantragen, „die will ich riechen“, sagt Kromberg – im übertragenen Sinne: „Der persönliche Eindruck zählt“ eben, und sei’s – auf einem anderen Feld – auch nur, um Sozialleistungen nicht einfach auf ein anonymes Konto zu überweisen, sondern Missbrauch zu verhindern.

„Wir sind eben ein unglaublicher Gemischtwarenladen“

Aber auch im Sinne der Bürger, die dieser Tage nach ihren Vorstellungen von einem „BürgerRatHaus“ befragt werden, will Kromberg unterschiedliche Zugangs-Kanäle zur Stadt offenhalten. Nicht jeder sei halt ein Internet-Freak, mancher braucht einfach mehr Hilfestellung, und sei’s, weil er alt ist oder bei einigen Dienstleistungen ein kleines bisschen babylonische Sprachverwirrung im Amt herrscht.

„Wir sind eben ein unglaublicher Gemischtwarenladen“, seufzt Kromberg, der auch die Mitarbeiter einbinden will, um Prozesse anders, womöglich auch gänzlich neu zu gestalten. Ob die Digitalisierung alle Probleme löst, ob sich das durchsetzt, „dahinter steht ein Fragezeichen“, formuliert der Ordnungsdezernent, „aber wir müssen darüber reden“.

Überraschungen seien nicht ausgeschlossen: „Zu glauben, es geht beim „BürgerRatHaus“ nur um ein Bauprojekt, das wäre zu kurz gegriffen“, meint Kromberg. Er will eine Anlaufstelle für die Bürger schaffen, die möglichst flexibel auf die sich wandelnde Gesellschaft reagiert: „Alles, was dort auf ewig in Stein gemeißelt ist, hielte ich für einen Fehler.“

>>> DARUM GEHT ES BEIM BÜRGERRATHAUS

Unterschiedliche soziale Dienstleistungen, die derzeit noch verstreut im Stadtgebiet liegen, zentral an einem Ort in Innenstadtnähe anzubieten – das ist die Grundidee hinter dem so genannten „BürgerRatHaus“.

Entstehen soll es zwischen Berne- und Steeler Straße, wo heute das alte Hauptbad und das Job-Center Essen-Mitte stehen. 1300 Mitarbeiter sollen hier auf 27 500 Quadratmetern Service bieten. Start ist 2024/2025.

>>> HIER KÖNNEN DIE BÜRGER MITMISCHEN

Bevor ab September die Planer im Rahmen eines Architektenwettbewerbs ans Werk gehen, sind in diesen Tagen die Bürger gefragt: Sie sollen ihre Ideen und Vorschläge fürs „BürgerRatHaus“ einbringen – von der Frage, wie man dort hinkommt, bis zur Orientierung im Gebäude. Um ins Gespräch zu kommen, hat die Stadt Essen das „büro frauns kommunikation | planung | marketing“ eingeschaltet, um die Bürgerbeteiligung zu moderieren.

Los geht’s schon an diesem Mittwoch, 7. März, wenn Mitarbeiter des Büros von 9 bis 12 Uhr im Job-Center Essen-Mitte an der Bernestraße 7 zu Flur- und Warteraum-Workshops einladen. Am Donnerstag, 8. März, machen die Moderatoren von 9 bis 12 Uhr im Amt für Soziales und Wohnen an der Steubenstraße 53 Station, bevor sie am Montag, 19. März, ebenfalls von 9 bis 12 Uhr, die Bürger im Jugendamt am Kopstadtplatz 12 zum Mitmachen einladen.

Workshops im amtlichen Warteraum

Zusätzlich haben alle Interessierten die Möglichkeit, sich am Freitag, 16. März, von 12 bis 16 Uhr, oder am Dienstag, 20. März, von 10 bis 14 Uhr, an einem Info- und Beteiligungsstand zum „BürgerRatHaus“ an der Marktkirche über das Verfahren zu informieren und ihre Ideen und Anregungen einzubringen.

Wer lieber bequem von zu Hause aus oder unterwegs mitmachen möchte, für den bietet sich die Online-Bürgerbeteiligung vom 12. März bis 13. April an. Sie ist unter www.essen.de/bürgerrathaus zu finden.

Die Sicht der städtischen Belegschaft ist am Dienstag, 13. März, gefragt, wenn sie sich in drei Workshops an der Entstehung des „BürgerRatHauses“ beteiligen kann.

Auch Anwohner sollen ein Wörtchen mitreden

Für Dienstag, 11. April, lädt die Stadt wiederum verschiedene Verbände, Vereine, Gruppen und Institutionen sowie am Abend die Anwohner des künftigen Komplexes ein, ihre Ideen einzubringen.

In dieser ersten Phase der Bürger- und Mitarbeiterbeteiligung wird der Bedarf abgefragt, der Einfluss auf die räumliche Planung des „BürgerRatHauses“ haben wird. Mitarbeiter der Stadt werden diese Ideen dann in Anforderungen für den Architektenwettbewerb „übersetzen“. Doch auch alle anderen nun genannten Anregungen und Ideen werden gesammelt und – je nachdem, ob sie innerhalb des Projekts umsetzbar sind – in den weiteren Beteiligungsprozess einfließen. Schließlich versteht sich das Bauvorhaben „BürgerRatHaus“ als transparentes Projekt, an dem Essens Bürger sowie die Mitarbeiter der Stadtverwaltung maßgeblich einbezogen werden. Mehr unter www.essen.de/bürgerrathaus.

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