Zivilschutz

Essens erste Warn-Sirenen heulen nur im Norden der Stadt

Sirenen auf Dächern zu installieren, kostet deutlich weniger Geld.                                                                        Foto:Wronski

Sirenen auf Dächern zu installieren, kostet deutlich weniger Geld.  Foto:Wronski

Essen.   Weil der Norden Essens mehr Einwohner und Störfallbetriebe hat, will die Feuerwehr Prioritäten setzen. 2018 soll auch der Süden versorgt sein.

Der Norden wird bevorzugt behandelt. Weil mögliche Gefahren für die Bevölkerung weniger in Heisingen, Burgaltendorf oder Kettwig lauern als in Altenessen, Stoppenberg oder Karnap, setzt die Stadt klare Prioritäten beim Ausbau des seit langem geplanten Sirenenschutzsystems und nimmt dabei Ungleichbehandlung billigend in Kauf: Wenn die ersten Heuler für Katastrophenfälle ans Alarmnetz gehen, werden die südlichen Stadtteile davon nichts mitbekommen.

Die ersten 26 Sirenen werden voraussichtlich noch in diesem Jahr ausschließlich nördlich der Autobahn 40 in Betrieb gehen. Die Bürger im Süden der Stadt werden sich mindestens bis 2018 gedulden müssen, lautet der neueste Plan. Denn der Stadt steht momentan einfach nicht genug Geld zur Verfügung, um das komplette System zeitgleich an allen Standorten installieren zu lassen.

Große Verkehrswege zu Wasser und zu Land

Also müssen Prioritäten gesetzt werden, argumentiert die Feuerwehr: Der Norden, so die Begründung, hat nun einmal deutlich mehr Einwohner, die in einem Schadensfall gewarnt werden müssten, aber auch mehr störanfällige Tanklager und produzierende Großunternehmen wie Trimet oder Evonik, die als so genannte Störfallbetriebe eingestuft sind. Dazu kommen große Verkehrswege zu Wasser und zu Land wie die Autobahn 42 und der Rhein-Herne-Kanal, auf denen regelmäßig Gefahrgüter transportiert werden.

Wann genau der erste Dauer-Warnton abgegeben werden kann, ist allerdings noch offen. „Es ist zeitlich nicht zu präzisieren, wann die erste Sirene installiert wird“, sagt Ordnungsdezernent Christian Kromberg. Winkt der Rat der Stadt in seiner Sitzung am Mittwoch den Plan der Stadtverwaltung durch, müsse der Auftrag zunächst ausgeschrieben werden. Und juristische Klagen gegen ein solches Vergabeverfahren seien bekanntlich nie ganz auszuschließen.

86 Sirenenstandorte im Endausbau

Für den ersten Bauabschnitt im Essener Norden kalkuliert die Stadt mit Anschaffungs- und Baukosten in Höhe von knapp 480 000 Euro. Dazu kommen rund 160 000 Euro für das schalltechnische Gutachten, das letztlich zu einem preistreibenden Ergebnis kam: Um nahezu jeden bewohnten Winkel der Stadt akustisch erreichen zu können, braucht es nicht nur 51 der hochmodernen Elektroheuler, wie ursprünglich angenommen, sondern 86.

Jeder Standort mit Mastanlage schlägt mit rund 33 000 Euro zu Buche. Eine Sirene auf einem Dach zu installieren, kostet etwa die Hälfte. Deshalb verhandelt die Stadt zur Zeit mit Eigentümern von Gebäuden, die sich für einen Sirenen-Aufbau eignen.

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