Bildung

Essens neue Gesamtschulen gibt’s nur auf dem Papier

Der ehemalige Sportplatz an der Straße Erbslöh in Altenessen. Hier soll eine Gesamtschule entstehen

Der ehemalige Sportplatz an der Straße Erbslöh in Altenessen. Hier soll eine Gesamtschule entstehen

Foto: Kokoska

Essen.   Essen kämpft mit den Plänen für vier neue Gesamtschulen. Die erste wird im November 2020 eröffnet, bei drei weiteren ist kein Termin absehbar.

Die Prognose macht nicht gerade Mut: Essen fehlen an allen Ecken und Enden Gesamtschul-Plätze. In diesem Jahr zählte die Schulverwaltung bei den Anmeldungen zwar lediglich einen Überhang von 150 Jungen und Mädchen, doch Bildungsexperten warnen vor der Entwicklung: In den Klassen sollen bald nur noch 25 Jungen und Mädchen sitzen, davon drei in der Inklusion, also im gemeinsamen Unterricht. Dazu sollen die Realschulen entlastet werden, die aktuell als völlig überlastet gelten. Essen stehe vor einer Mammutaufgabe: „Wir müssen da ein ganz dickes Brett bohren“, warnt beispielsweise Andreas Kalipke, CDU-Sprecher im Schulausschuss.

„Wir haben mit unseren Entscheidungen zu lange gewartet.“

Doch mit den geplanten vier neuen Gesamtschulen in Essen ist das so eine Sache: Schnell geht es gerade nicht. Und auch in den Ratsfraktionen ist mancher ziemlich skeptisch: „Wir haben mit unseren Entscheidungen zu lange gewartet“, sagt SPD-Fraktionschef Ingo Vogel. „Wir müssen den Prozess beschleunigen.“ Und wenn es nicht gehe, wenn Platz fehle, müsse die Stadt auf Ersatzlösungen zurückgreifen, so der SPD-Fraktionschef. „Zur Not auch Container.“

Immerhin sieht es nicht auf allen Baustellen nach Stillstand aus: Nach jetzigem Stand geht die Stadt davon aus, dass der Neubau der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Schonnebeck planmäßig im November 2020 übergeben wird.

Die neue Gesamtschule Erbslöhstraße braucht viel Zeit

Doch dahinter wird’s schnell schwierig: Die neue Gesamtschule an der Erbslöhstraße in Altenessen, die nach langer Standort-Diskussion Ende September 2018 im Stadtrat beschlossen wurde, steckt noch mitten in der Vorplanung. Der Kostenrahmen für den Schulneubau mit sechs Klassen pro Jahrgang werden mit 51,2 Millionen Euro kalkuliert. Erst Ende Februar 2019 wurden endlich 500.000 Euro für die Planungsleistungen bewilligt. Bis die Entwürfe des Architekten-Wettbewerbs vorliegen, wird es weitere Monate dauern. Aktuell wird das Raumprogramm entwickelt, dazu kommen Verkehrs- und Baugrunduntersuchungen. Das alles braucht Zeit.

Nicht besser sieht es an der Gesamtschule Bockmühle aus. Nach jahrelanger Debatte soll nun eine Machbarkeitsstudie über Sanierung oder Neubau entscheiden. Ende Juli 2019, heißt es bei der Stadt, sei mit der Studie zu rechnen. Eigentlich sollte das Papier schon vor den Weihnachtsferien vorliegen. Dennoch verkündet die Stadt: „Die Bearbeitung durch die Architekten und die Abstimmungstermine verlaufen planmäßig.“ Vor Ort hat sich längst Frust breit gemacht: „Das zieht sich alles unendlich hin. Bis hier gebaut wird, kann es noch Jahre dauern“, befürchtet Bockmühle-Direktorin Julia Gajewski. „Es ist nur noch deprimierend.“ Der Betonbau in Altendorf zerbröselt an allen Ecken, das Gebäude gilt als abbruchreif.

Neues Schulgebäude auf dem alten VHS-Gelände?

Da wirkt das städtische Vorgehen an der Frida-Levy-Gesamtschule in der Stadtmitte geradezu hektisch: Eigentlich sollte erst ein einmal die Machbarkeitsstudie für den Ersatzbau der maroden Schulgebäude vergeben werden. Favorisiert hatt die Stadt ein Schulgebäude mit angrenzenden Flächen am Steeler Tor. Acht Monate hatte die Bauverwaltung für diese Phase angesetzt. Doch nach dem Rückzug des Investors für die Fläche der alten VHS an der Hollestraße und dem Aus für dessen Bürobaupläne, führte eine Demo der Schulgemeinde, die einen Neubau auf genau diesem Gelände fordert, zum Umdenken: CDU und SPD entschieden in der Ratssitzung Ende März, dass die Bauverwaltung bis zur Mai-Sitzung des Rates „ein geeignetes Grundstück oder weitere Alternativstandorte für einen Neubau der Frida-Levy-Gesamtschule vorstellen und dabei auch das Grundstück der ehemaligen VHS betrachten sollen“.

Angesichts der Dringlichkeit warnt die Bauverwaltung, dass die Ergebnisse durch die Kürze der Zeit „nicht in der gleichen Tiefe und Qualität, wie bei einer umfangreichen Machbarkeitsstudie“ ausgearbeitet werden könnten. Dies, so heißt es im Stadtrat, habe sich die Verwaltung doch selber zuzuschreiben. Hinter den Kulissen gab es heftigen Streit: „Noch im Juli 2018 hieß es, das VHS-Grundstück sei ungeeignet und viel zu klein.“ Warum die Bauverwaltung von dieser Linie abgewichen sei, erschließe sich nicht.

„In fünf, sechs Jahren wird alles fertig gebaut sein“

Dies sei doch alles kein Problem, meint CDU-Fraktionschef Jörg Uhlenbruch: „Wir reden hier über Schulen, die 60, 70 vielleicht sogar 100 Jahre Bildung bieten werden. Wenn wir da länger diskutieren und genauer hinschauen, kann das nur zu guten Lösungen führen.“ Im übrigen gehe er davon aus, das in fünf, sechs Jahren alles fertig gebaut sein wird: „Da mache ich mir keine Sorgen.“

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