Radverkehr

Fahrradclub ADFC fordert Übungsplatz für Radler in Essen

Bei Senioren in Essen besonders beliebt: Das Schnuppertraining auf dem Pedelec, das die Verkehrswacht gemeinsam mit Sponsoren und der Polizei einmal im Jahr anbietet. Doch darüber hinaus gibt es nur wenige Angebote.

Bei Senioren in Essen besonders beliebt: Das Schnuppertraining auf dem Pedelec, das die Verkehrswacht gemeinsam mit Sponsoren und der Polizei einmal im Jahr anbietet. Doch darüber hinaus gibt es nur wenige Angebote.

Foto: Knut Vahlensieck

Essen.   In Essen trainieren pro Jahr 15 000 Fahranfänger im Pkw auf dem Verkehrsübungsplatz. Für erwachsene Radfahrer gibt es nur wenige Angebote.

Radfahren will geübt sein. Dies gilt um so mehr für elektrisch betriebene Pedelecs. Sie sind schneller und schwerer als normale Fahrräder und nicht immer leicht zu steuern. Dabei gelten Pedelecs vor allem bei Senioren als beliebt, weil sie sich bei den alltäglichen Fahrten nicht abstrampeln müssen und sich auch längere Ausflugstouren zutrauen. Die Verkehrswacht, die Polizei und der Fahrradclub ADFC appellieren an die Pedelec-Besitzer, sich zuerst mit dem Elektrorad vertraut zu machen und ungestört zu üben, bevor sie sich in den Straßenverkehr begeben. Doch es gibt es keine öffentlich zugänglichen Trainingsflächen für alle Radfahrer in Essen.

Immer mehr Senioren steigen auf den Sattel

Für ein solches Übungsareal plädiert der ADFC. „Der Bedarf dafür ist da“, betont der Sprecher des Essener ADFC, Jörg Brinkmann. Immer mehr ältere Verkehrsteilnehmer steigen wieder auf den Sattel. Brinkmann: „Wir haben bei unseren geführten Touren Radfahrer gesehen, die zuletzt vor zehn Jahren mit uns unterwegs waren. Die tauchen jetzt plötzlich wieder auf – auf Pedelecs.“ Doch für Ungeübte bestehe gerade in engen Kurven und auf losem Untergrund erhöhte Sturzgefahr. „Selbst bei einem Pedelec mit sehr guten Bremsen kann man da schnell wegrutschen“, so der ADFC-Sprecher.

Wer sich aber als Radfahrer sattelfest machen will, findet nur schwer einen Ort dafür. Der Übungsplatz der Verkehrswacht in Frillendorf steht nur Autofahrern ständig zur Verfügung, die Praxiserfahrungen für den Führerschein machen wollen. „Die brauchen diesen Schonraum“, sagt der Essener Vorsitzende Karl-Heinz Webels. Und den nutzen immerhin 15 000 Anfänger im Jahr. Ein Nebeneinander von Radfahren und Autofahrern sei an dieser Stelle zu riskant.

Seniorentraining mit der Verkehrswacht ist beliebt

Sagt übrigens auch der ADFC. Radfahrer und Autofahrer müssen getrennt voneinander ihre ersten Runden drehen. Brinkmann hält stattdessen die vier Übungsflächen der Jugendverkehrsschulen „für am meisten geeignet.“ Doch die sind in der Regel den Schülern für den Radfahrunterricht vorbehalten und nicht frei zugänglich.

So bleiben anderen Radfahrern nur ganz wenige Termine zum Üben, darunter der besonders beliebte Pedelec-Kurs für Senioren, den die Verkehrswacht einmal im Jahr kostenlos anbietet.

Wer nicht warten will: Die Polizei empfiehlt Radfahrern, sich für die erste Fahrt einen möglichst ruhigen Platz zu suchen. Karl-Heinz Webels könnte sich dafür auch die Gruga-Trasse und den Radweg der Rheinischen Bahn vorstellen. Die sind wenigstens autofrei. Und Jörg Brinkmann schlägt größere Parkplätze vor, die am Wochenende nicht mehr genutzt werden. „Auf dem Fahrrad zu üben, das kann doch dort keiner einem verwehren“, findet er. Wichtig sei, schon vor dem Kauf eines Fahrrades eine Probefahrt zu machen. Hierfür biete der ein oder andere Händler auch geeignete Flächen in einer Halle oder in einem Hof an.

>>RADFAHRSCHULEN FÜR ERWACHSENE

In mehreren Städten betreibt der ADFC Radfahrschulen für Erwachsene. In Essen besteht dieses Angebot nicht. „Dazu sind wir personell nicht in der Lage“, erklärt Sprecher Jörg Brinkmann.

Wer in einer Radfahrschule trainieren will, muss dafür längere Anfahrtwege in Kauf nehmen, etwa nach Düsseldorf. Der ADFC-Düsseldorf hat dort in einem stillen und abgeschirmten Schulhof schon seit über 20 Jahren eine Radfahrschule. Die Wochenendkurse kosten allerdings 150 Euro.

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