Polizei-Einsatz

Fotopose mit „Steeler Jungs“ bringt Polizei in Erklärungsnot

Mittenmang unter den Nikolaus-bemützten „Steeler Jungs“ der Steeler Bezirksbeamte der Polizei in Uniform: Das stört nicht nur die Linkspartei.

Mittenmang unter den Nikolaus-bemützten „Steeler Jungs“ der Steeler Bezirksbeamte der Polizei in Uniform: Das stört nicht nur die Linkspartei.

Foto: Klaus Micke

Essen.   Die Linke erhebt Dienstaufsichtsbeschwerde gegen einen Polizisten, der mit den umstrittenen „Steeler Jungs“ posierte. Polizei teilt den Ärger.

Ihren Kiez zu kennen, auch die üblichen „Pappenheimer“, mit denen es dort schon mal Ärger gibt – das gehört zum Job der Polizeibeamten im sogenannten Bezirksdienst, wo sie als eine Art „Dorf-Sheriff“ fungieren. Allerdings besteht das Risiko, dass die Polizisten es mit der Nähe dabei auch schon mal übertreiben. Diesen Vorwurf macht die Linkspartei jetzt einem Beamten, der auf einem Foto mit den umstrittenen „Steeler Jungs“ posiert. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde ist bereits unterwegs.

Die „Steeler Jungs“, denen Verbindungen zur Hooligan- und Rocker-Szene wie auch zu Rechtsaußen nachgesagt werden, machen seit Monaten mit allwöchentlichen „Spaziergängen“ von sich reden, in denen sie sich im Stile einer Bürgerwehr gerieren. Bei einem „Weihnachtssingen“, zu dem die „Steeler Jungs“ Mitte Dezember in knallroten Nikolausmützen für ein Gruppenfoto posierten, platzierte sich der Polizist in Uniform mittenmang – seither zu sehen auf dem Facebook-Profil eines Teilnehmers.

„Das gefällt uns auf keinen Fall“

Im Polizeipräsidium ist man darüber wenig begeistert: „Wir wissen nicht, was den Kollegen dazu bewogen hat“, sagt Polizei-Sprecher Ulrich Faßbender hörbar zerknirscht, „aber es gefällt uns auf keinen Fall“. Zwar wisse man um den schmalen Grat, auf dem sich die Beamten im Bezirksdienst bewegen – zwischen volksnahem Ansprechpartner für alle und Hüter über Recht und Ordnung.

Das Bild aber dokumentiere eine „fehlende professionelle Distanz“ und sei umso ärgerlicher, als damit wieder eine Diskussion um die Frage aufflamme, wie ernst die Polizei die Aufmärsche der „Steeler Jungs“ nimmt. Und ob sie auf dem rechten Auge blind sei.

Polizist darf Demos vorerst nicht mehr begleiten

Dass man dort wegschaue „ist natürlich völliger Blödsinn“, beteuert Faßbender, der einen Teil der ergänzenden Vorwürfe von Seiten der Linkspartei als „plumpen Versuch“ sieht, per Propaganda Politik zu machen. Etwa den Hinweis auf vermeintliche tätliche Übergriffe, die sich durch Ermittlungen nachweislich als „heiße Luft“ herausgestellt hätten.

Doch davon unabhängig stößt die Kritik an dem Steeler Polizisten auf offene Ohren: Man werde der am Montagabend eingegangenen Dienstaufsichtsbeschwerde jetzt offiziell nachgehen. Bis zum Abschluss des damit verbundenen Verfahrens werde der Kollege die Demo-Einsätze der „Steeler Jungs“ auf jeden Fall „nicht mehr begleiten“. Wie lange die hausinternen Ermittlungen dauern, ist noch offen, zunächst bekomme der Polizist Gelegenheit zur Stellungnahme. Einen Schnellschuss, so Faßbender, werde es sicher nicht geben.

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