Freimaurer

Freimaurer: Das passiert hinter verschlossenen Türen

Mit einem alten Zunft-Zeichen versehen ist dieser alte Hammer in den Räumen der Freimaurer-Loge.

Foto: Socrates Tassos

Mit einem alten Zunft-Zeichen versehen ist dieser alte Hammer in den Räumen der Freimaurer-Loge. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Zum 300. Geburtstag der Freimaurerei berichten Essener Freimaurer, was hinter den verschlossenen Türen der Loge passiert - und warum das gut ist.

Die Freimaurerei feiert ihren 300. Geburtstag. Deshalb erklärte sich die Johannis-Freimaurerloge „Alfred zur Linde“ am Stadtgarten bereit, einen kleinen Einblick in den reinen Männerbund zu geben, der sich der Verschwiegenheit verpflichtet hat. Wegen dieser traditionellen Regel wirft die Freimaurerei schon immer Fragen auf, die in Form von Mythen und Verschwörungstheorien auch heute noch die Runde machen. Vorstandsmitglieder – der „1. Aufseher“ und „Schatzmeister“, der „Zeremonienmeister“ und der Vereinsvorsitzende „Meister vom Stuhl“, die namentlich nicht genannt werden möchten, erzählen, was sich hinter dem „Geheimnis der Freimaurerei“ verbirgt, was sie für Ziele verfolgen und wer beitreten kann.

Nichts geht an die Öffentlichkeit

Die Freimaurerei entstand aus den Bruderschaften der Steinmetze. Die Logen boten den Mitgliedern einen Raum, in dem sie ihre Ansichten diskutieren konnten, ohne dass diese an die Öffentlichkeit gelangten. „Das ist auch heute noch so. Dadurch können wir unsere Meinungen unbefangen und frei diskutieren“, erklärt der Vorsitzende. Er war vor über 15 Jahren in seiner Heimatstadt in den Bund der Freimaurer aufgenommen worden, nachdem er ein Jahr lang an öffentlichen Gästeabenden teilgenommen hatte. Denn das gegenseitige Kennenlernen ist neben der Bedingung von 1717 „ein freier Mann von gutem Ruf zu sein“ üblich. „Das bedeutet, jeder Interessent über 18 Jahren kann einen Aufnahmeantrag mit Lebenslauf in der Loge stellen “, erklärt der Freimaurer. Je nach gewonnenem Eindruck, entscheiden danach die „Brüder“, so nennen sie sich untereinander, über den Eintritt in die Loge.

Die Ältesten sind über 90 Jahre alt

Derzeit verzeichnet die Loge „Alfred zur Linde“ 35 Mitglieder - von Studenten über Handwerker und Architekten bis hin zu Geschäftsführern. Auch jede Altersklasse ist vertreten, die Ältesten seien über 90 Jahre alt.

Innerhalb ihrer Loge setzen sie sich mit den unterschiedlichsten Themen auseinander: von medizinischen oder technischen Forschungsständen über Religion und Philosophie bis hin zu Kulturwissenschaft. Dazu treffen sie sich einmal in der Woche zu wechselnden Veranstaltungen. Bei dem sogenannten „Bruderabend“ laden sie externe Redner ein oder halten selber Vorträge.

Einmal im Monat findet die sogenannte Tempelarbeit statt, bei der traditionelle Rituale zelebriert werden. „Was diese allerdings genau beinhalten, darf ich nicht offenbaren. Es gibt dabei jedenfalls nichts, was die Gefühle und die Ehre eines Mannes verletzen würde. Wir wollen zum Beispiel die Einzelheiten der Aufnahmehandlung nicht kundtun, um dem Neuen Mitglied nichts vom Erleben dieser würdevollen Zeremonie vorwegzunehmen. Denn das, was im Tempel geschieht, fördert die eigene Persönlichkeit sehr stark“, sagt er.

Ziel: Die individuelle Persönlichkeit weiterentwickeln

Denn genau darum ginge es bei der Freimaurerei, erklären die Mitglieder. Ziel sei es, die individuelle Persönlichkeit durch den gemeinsamen Austausch weiterzuentwickeln. Grundlage dessen bilden ihre traditionellen Grundsätze: Brüderlichkeit, Toleranz und Menschlichkeit.

„Diese Werte wollen wir auch im alltäglichen Leben verwirklichen und Verantwortung für uns selber übernehmen. Als Freimaurer erfährt man diese Werte weltweit auch in den anderen Logen, was mich besonders geprägt hat“, erklärt einer der Vorsitzenden. Der „erste Aufseher“ ergänzt: „Ich habe dadurch viel über mein eigenes Leben nachgedacht und Selbsterkenntnis gewonnen. Ich bin ruhiger und gelassener geworden. Die Loge ist für mich ein Ort, an dem ich Ruhe finde.“

Die immer noch weit verbreiteten Vorurteile gegen die Freimaurerei bedauern die Mitglieder sehr: „Wir sind offiziell als Verein eingetragen. Wer die Weltherrschaft an sich reißen möchte, ist bei uns definitiv falsch.“

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