Umwelt

Fünf Jahre nach „Ela“ – Stadt Essen fällt wieder Bäume

Förster Tobias Hartung bei einer Waldbegehung an der Heisinger Straße 2017. Dort hatte „Ela“ besonders stark gewütet.

Förster Tobias Hartung bei einer Waldbegehung an der Heisinger Straße 2017. Dort hatte „Ela“ besonders stark gewütet.

Foto: foto: Vahlensieck

Essen.  Die Stadt Essen hat ein neues Forstbetriebswerk vorgelegt. Bäume sollen wieder gefällt werden, die Zielvorgabe wird aber nahezu halbiert.

Fünf Jahren ist es nun her, dass Pfingststurm „Ela“ über die Stadt hinweg gebraust ist und in Essens Wäldern verheerende Schäden hinterlassen hat. Jeder zehnte Baum lag damals darnieder. Bis sich der Wald von diesem „Jahrhundertereignis“ vollständig erholt hat, wird noch ein Jahrzehnt vergehen.

Diese Einschätzung nannte jetzt Thomas Oppermann, Gutachter der Deutschen Forstberatung, die von der Stadt Essen mit der Erstellung des neuen Forstbetriebswerkes beauftragt worden war. Das Werk, welches festschreibt, wie die Stadt in den nächsten zehn Jahren mit ihrem Wald umgehen will, liegt nun vor. In den kommenden Wochen wird es in den politischen Gremien beraten. Im September entscheidet der Rat der Stadt – auch darüber, wieviel Holz pro Jahr geschlagen wird.

Der Gutachter empfiehlt der Stadt pro Jahr 4453 Festmeter Holz zu entnehmen. Das entspricht drei Festmeter pro Hektar bei einer Forstbetriebsfläche von insgesamt rund 1700 Hektar. Pro Hektar wachsen jedes Jahr 6,5 Festmeter nach. Durch den neuen Hiebsatz sieht Umweltdezernentin Simone Raskob Vorwürfe von Umweltaktivisten widerlegt, die Stadt schlage aus wirtschaftlichen Gründen viel zu viel Holz. „Das ist falsch“, so Raskob.

Das neue Forstbetriebswerk halbiert die Zielvorgabe nahezu: 4453 Festmeter pro Jahr sollen geerntet werden

Das vorangegangene Forstbetriebswerk hatte noch 8000 Festmeter als Zielvorgabe genannt. Diese Zahl war nach Angaben von Grün und Gruga aber nur in einem einzigen Jahr erreicht worden, gefällt worden sei durchschnittlich nur halb soviel. Nach „Ela“ hatte die Stadt den Holzeinschlag aus nahe liegenden Gründen ganz eingestellt. Gefällt worden seien Bäume nur, wenn die Verkehrssicherheit dies erforderte.

Und warum belässt die Stadt es nicht dabei? Stämme würden gefällt, damit nachwachsende Bäume genügend Platz und Licht finden und der Bestand nicht überaltert. Dieser so genannten Naturverjüngung ist es laut Thomas Oppermann zu verdanken, dass Pfingststurm „Ela“ nicht noch viel größeren Schaden angerichtet hat. „Es hätte anders ausgesehen, wenn nicht schon durch die Verjüngung genügend Holz bevorratet gewesen wäre“, so der Gutachter. Oppermann spricht von einer „zweiten Schicht“ und meint damit jüngere Bäume, die nachgewachsen sind. Ihr Anteil liegt bei knapp einem Drittel. Die 2018 durchgeführte Waldinventur hatte bereits bestätigt, was die Förster von Grün und Gruga als Bauchgefühl beschrieben hatten. Sie bildet nun die Grundlage für das Forstbetriebswerk.

Auf 90 Prozent der Flächen setzt Grün und Gruga nur einmal innerhalb von zehn Jahren die Axt an

In Altholzbeständen, in denen die Stadt auf Eingriffe verzichtet und die Natur sich selbst überlassen bleibt, war es durch „Ela“ hingegen zum „Totalausfall“ gekommen. So fielen rund um die Korte Klippe im Schellenberger Wald oberhalb des Baldeneysees Bäume reihenweise um. „Ela“ habe nur vorweggenommen, was ohnehin geschehen wäre, sagt dazu Roland Haering vom städtischen Forstbetrieb. Lasse man der Natur ihren Lauf, brechen Baumbestände mit Ablauf der Lebenszeit in sich zusammen. 120.000 Kubikmeter Totholz liegen in den Wäldern. Mehr soll es nicht werden. Durch die Bewirtschaftung des Waldes will die Stadt sicherstellen, dass die Bestände auf Dauer erhalten bleiben. Auf 90 Prozent der Waldflächen wird Grün und Gruga in den kommenden zehn Jahren nur einmal die Axt ansetzen. Durchschnittlich werden 29 Festmeter pro Hektar „geerntet“. Es gebe aber auch Bereiche, wo keine Bäume gefällt werden sollen. Der Gutachter nennt beispielhaft die Margarethenhöhe. Dort waren Proteste nach „Ela“ besonders laut. Umweltaktivisten warfen Grün und Gruga nach Ela vor, dass der Sturm noch so stark habe wüten können, weil zuvor zuviel Bäume gefällt worden seien. Grün und Gruga hatte diesen Vorwurf zurückgewiesen.

Behutsam, so Thomas Oppermann, soll die Stadt auch Bäume pflanzen. Der Gutachter nennt die Eiche, deren Bestand sonst weiter zurückgehe, und die Weißtanne, da sie als besonders widerstandsfähig gegenüber Klimaereignissen wie Pfingststurm „Ela“ gilt. Denn Experten gehen inzwischen davon aus, dass ein solches „Jahrhundertereignis“ öfter auftritt, als statistisch erwartet.

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